Politik in den USA: Die Stimmung kippt bedrohlich: Haben Trump und MAGA den Bogen überspannt?
Wenn selbst eingefleischte Unterstützer (ver)zweifeln
Dass der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, Donald John Trump, nicht unbedingt zur Diplomatie neigt, wenn es um seine Gegner geht – oder Menschen, die er als solche empfindet – dürfte sich wohl herumgesprochen haben. Blätter nahm er noch nie vor den Mund, und schon in seiner ersten Amtszeit brachte er durch verbales Gepolter, das regelmäßig die Grenze des guten Geschmacks überschritt und für jemanden in dieser Position eher unziemlich ist, gegen sich auf. Wenn man unbedingt an „das Amt“ und die damit verbundenen Aufgaben glauben will, sollte es wirklich nicht dazu gehören, ständig Menschen gegeneinander aufzubringen, Aggressionen, Wut und vor allem Spaltung zu fördern, statt zu „einen“. Schon damals war die Stimmung aufgeheizt, aber nun scheint sie endgültig gekippt zu sein.
Damit ist nicht nur das rabiate Vorgehen der ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) in Minneapolis gemeint, das unlängst zwei Todesopfer zur Folge hatte, auf die sich – erwartungsgemäß – Teile des Internets in gewohnt wildwuchernder Spekulationsmanier stürzten, um (gefühlt zehn Trillionen) Kanäle tagelang mit den wüstesten Theorien zu fluten, ohne dass überhaupt etwas Näheres bekannt gewesen wäre. Auch wenn diese Toten ganz wesentlich dazu beigetragen haben, dass selbst Hardcore-Trumpeter nicht nur die Stirn in Falten legen, sondern sich öffentlich distanzieren. Der Herr Präsident selbst hatte schließlich vor längerer Zeit mal eben aus dem Ärmel geschüttelt, illegale Einwanderer äßen „unsere Haustiere“ – da muss man sich schon fragen, worauf genau der gute Mann eigentlich hinauswill. Geht es vielleicht auch mal weniger drastisch, um nicht zu sagen reißerisch, emotional aufpeitschend und einheizend? Zumal Trump dies in einer Weise sagte, die nicht zur Beruhigung der Situation und auch Diskussion darum beigetragen haben dürfte.
Davon abgesehen sind – wenn man sich einmal die Mühe macht, die Kommentare in allen Bereichen der US-Kultur, der akademischen Landschaft, den Medien, unter Prominenten usw. zu durchforsten – Amerikaner sichtlich müde. Müde, ständig zu hören, warum die USA angeblich wieder irgendwo Krieg führen „mussten“; müde des ständigen „Teile und Herrsche“; müde, dass – wie man es von Politik im Allgemeinen kennt, nicht nur in den USA – irgendwelche Sündenböcke für so manches wirtschaftliche Problem des Landes verantwortlich gemacht werden und vor allem äußerst müde, einem Präsidenten dabei zuzuhören, wie er pausenlos mit grober Kelle gegen alles und jeden austeilt, der ihm nicht zustimmt.
Dass Trump mit Kritik seine Probleme hat, ist zwar nichts Neues – er ist der Größte, und wer seine überragende Klugheit, seine Dealmaker-Kompetenz und seine strategische Raffinesse (laut seiner eigenen Aussage zumindest) nicht anerkennt, ist ein „Versager“, hat „seinen Beruf verfehlt“ (so wie er gerne kritischen Journalisten unterstellt), „inkompetent“ oder einfach ein „Linker“. Man darf sich hier fragen, ob die psychologischen Studien, die aufgrund seines Verhaltens seit 2016 angefertigt wurden und ihm eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung nebst soziopathischen Tendenzen attestieren wollen, wirklich so falsch liegen. Wie bereits erwähnt, müssen nun selbst absolut eingefleischte „Follower“ erkennen, dass er tatsächlich Verhaltensweisen an den Tag legt, die zuweilen besorgniserregend sind. Man muss sich ja nicht gegenseitig um den Hals fallen, aber wenn Trump ausgerechnet einer Meryl Streep – einer der nachweislich vielseitigsten und begabtesten Schauspielerinnen – bescheinigt, überhaupt kein Talent zu haben, schießt das übers Ziel einfach weit hinaus.
Nun haben sich abermals viele Prominente zu Wort gemeldet, denen man keineswegs unterstellen kann, allesamt „Hollywood Liberals“ zu sein oder lediglich einer ausgeprägten persönlichen Antipathie zu folgen. Amerika, das lässt sich nicht mehr übersehen und auch durch nichts mehr schönreden, ist tief besorgt über die Entwicklung, die ihr Land unter dieser Administration zunehmend einschlägt.
Nicht, dass „äußerer“ Einfluss auf US-Regierungen eine Erfindung der Trump-Ära gewesen wäre. Der korpokratisch-korporatistische Nepotismus, das „Drehtür-Prinzip“ zwischen Privatwirtschaft und Staat ist in den USA ein offenes Buch, und das seit mehr als einem Jahrhundert. Historisch Bewanderte wissen ja längst darum. Und das nicht erst, seit Hillary Clinton bei einem öffentlichen Vortrag ganz unverblümt sagte, glücklicherweise hätte man es nicht weit zu Fuß bis zum Council on Foreign Relations (CFR), dem wichtigsten Think Tank in Sachen Außenpolitik, der „uns sagt, wie wir denken und wie wir die Welt sehen sollten“ (sic!).
Statt also nun einfach in die üblichen Klischees zu verfallen und Kritikern zu unterstellen, sie wären entweder alle Linke oder „woke“, sollte man sich klar machen, dass zum Beispiel selbst Hollywood-Stars, die bisher nicht durch Lautstärke, „Virtue Signaling“ oder Konformität gegenüber welchem vorübergehenden politischen Trend auch immer aufgefallen sind, die Trump-Regierung nicht aus bloßem Groll in die Mangel nehmen, sondern weil sie wissen, welche Kräfte es sind, die Trump so manches „seiner“ Worte in den Mund legen: Sie sind sich des übergroßen und mittlerweile auch unübersehbaren Einflusses der „Technokratischen Mafia“ bewusst – auch ihrer Absichten, die sich ja mühelos recherchieren lassen. Als Stichwort seien hier die sogenannten „NRXler“ genannt, also die „Neoreaktionären“ der „Dark MAGA“-Bewegung – zu der sich bekanntlich auch ein Elon Musk rechnet.
Eine Bewegung, die offen erklärt, das Land solle von einem monarchisch auftretenden CEO geführt werden, der „diktatorische Vollmachten“ haben solle. Vor diesem Hintergrund kann es zwar kaum wundern, wenn Trump mit Äußerungen hausieren geht wie derjenigen, viele Amerikaner würden eine Autokratie vielleicht bevorzugen und „people may like dictators“ („Die Leute könnten einen Diktator mögen“, wie zum Beispiel vom Magazin „Time“ am 26. August 2025 berichtet), aber es erklärt den wachsenden Unmut.
Zu allem Überfluss kommen nun auch noch die „Epstein-Files“ hinzu, aus denen die Verbindungen Trumps zu dem geheimdienstlich geführten Milliardär und „Sex Offender“ scheibchenweise öffentlich werden. So hatte Trump seine heutige Frau Melania tatsächlich über Epstein kennengelernt. Allerdings nicht nur Trumps Verbindungen – Demokraten wie die Clintons waren ebenso involviert wie, aber das ist eigentlich nichts Neues, zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Unterhaltung, und zwar weltweit. Sei es der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bekannte Ex-Formel-1-Manager Flavio Briatore, Pop- und Rockstars und pikanterweise eben auch einige große Hollywoodstars und Regisseure. Komiker Ricky Gervais hatte dies bei den Golden Globes 2020 anzusprechen gewagt, natürlich in satirischem Beinkleid – wofür er lautes Raunen des Publikums wegen seiner Erwähnung Epsteins erntete, auf die er spitzzüngig antwortete: „Ich weiß, er war euer Freund, aber das ist mir egal. Musstet ihr heute etwa in eurem eigenen Privatflugzeug anreisen?“ – eine Anspielung auf Epsteins „Lolita Express“, mit dem er Mädchen und junge Frauen bei „Kunden“ rund um den Globus „anlieferte“. Es war vor allem die fleißige Whitney Webb, die schon vor Jahren in mehreren Artikeln ausführlich darüber berichtete, außerdem in ihrer fast tausendseitigen zweibändigen Buchreihe „One Nation Under Blackmail“, die 2021 erschien.
Es wird sich zeigen, was da möglicherweise noch alles ans Tageslicht kommen wird. Es ist jetzt schon erschreckend genug. Die Stimmung „da drüben“ ist im Augenblick jedenfalls so aufgeheizt, dass man sich fragen muss, ob die USA möglicherweise vor einem „Breaking Point“ stehen.
Bis nächste Woche.
Quellen:
TIME - Current & Breaking News | National & World Updates
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