03. Februar 2026 18:00

Mafia-Film GoodFellas

Ein Meisterwerk von Martin Scorsese über das Leben in der Mafia

von Sascha Blöcker drucken

GoodFellas von Grok
Bildquelle: Eigenes Bild GoodFellas von Grok

„GoodFellas“ (1990), unter der Regie von Martin Scorsese, gilt nicht nur als einer der besten Mafia-Filme aller Zeiten, sondern als ein Meilenstein der Kinogeschichte. Basierend auf dem Sachbuch „Wiseguy“ von Nicholas Pileggi erzählt der Film die wahre Lebensgeschichte von Henry Hill und seinen Aufstieg sowie Fall innerhalb der New Yorker Lucchese-Familie.

Die Handlung: Ein Leben zwischen Glamour und Gewalt

Die Geschichte beginnt 1955 in Brooklyn. Der junge Henry Hill beobachtet mit Bewunderung die Mafia-Mitglieder, die gegenüber seinem Elternhaus am Taxi-Stand von Paulie Cicero verkehren. Für Henry repräsentieren sie Macht, Geld und Freiheit vom tristen Alltag der Arbeiterklasse. Er beginnt, die Schule zu schwänzen, um für Paulie Botengänge zu erledigen. Als sein Vater ihn dafür verprügelt, intervenieren die Gangster und sorgen dafür, dass der Postbote Henrys Briefe mit den Schulverweisen nicht mehr zustellt. Henry lernte früh die wichtigste Regel der Unterwelt: „Verrate niemals deine Freunde und halte immer den Mund.“ Er wird unter die Fittiche von Jimmy „The Gent“ Conway genommen, einem Experten für Raubüberfälle, und freundet sich mit dem hitzköpfigen Tommy DeVito an. Sein Initiationsritus findet statt, als er wegen des Verkaufs geschmuggelter Zigaretten verhaftet wird und vor Gericht schweigt – er hat sich bewährt.

Die goldenen Jahre: Die 1960er – Könige von New York

In den 1960er Jahren ist Henry ein etablierter „Associate“. Da er irischer Abstammung ist, kann er nie ein „vollwertiges“ (initiiertes) Mitglied der Mafia werden, genießt aber dennoch immensen Reichtum durch Entführungen von Lastwagen und Glücksspiel. Er lernt Karen kennen, eine jüdische Frau, die zunächst von seiner Welt abgeschreckt ist. Doch als Henry einen Nachbarn, der Karen belästigt hat, vor ihren Augen brutal zusammenschlägt und ihr die blutige Waffe zur Aufbewahrung gibt, ist sie fasziniert von der Macht, die er ausstrahlt.

Sie heiraten, und Karen taucht tief in die Welt der Mafia-Ehefrauen ein, die durch teure Geschenke und eine isolierte Gemeinschaft gekennzeichnet ist. Henry und seine Freunde leben ein Leben im Exzess: Nächte im Copacabana, Affären mit Geliebten in separaten Wohnungen und ein ständiger Fluss an illegalem Bargeld.

Der Wendepunkt: 1970 – der Mord an Billy Batts

Die Stimmung kippt im Jahr 1970. Tommy DeVito, der unter extremen Minderwertigkeitskomplexen leidet, fühlt sich von Billy Batts beleidigt, einem „Made Man“ der Gambino-Familie, der gerade aus dem Gefängnis kommt. In einer Kneipe schlagen Tommy und Jimmy Batts fast zu Tode. Da Batts ein geschütztes Mitglied der Mafia ist, bedeutet seine Ermordung das Todesurteil für die Täter. Henry hilft ihnen, den schwerverletzten Batts im Kofferraum wegzuschaffen. Als sie bemerken, dass er noch lebt, erstechen und erschießen sie ihn endgültig im Wald. Dieser Mord ist eine Zäsur: Das Trio ist nun durch ein blutiges Geheimnis verbunden, das ihre eigene Vernichtung bedeuten könnte.

Haft und Verrat: Die frühen 1970er

Henry und Jimmy werden schließlich wegen einer Erpressung in Florida verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Doch selbst hinter Gittern leben sie privilegiert, bestechen Wärter und genießen opulente Mahlzeiten. Um seine Familie draußen zu versorgen, beginnt Henry im Gefängnis mit dem Handel von Drogen – gegen den ausdrücklichen Befehl seines Mentors Paulie, der das Risiko der hohen Strafen fürchtet. Nach seiner Entlassung 1978 weitet Henry das Drogengeschäft massiv aus und zieht Tommy und Jimmy mit hinein.

Der Abgrund: 1978 – der Lufthansa-Raub und Paranoia

Jimmy plant den legendären Lufthansa-Raub am JFK-Flughafen, bei dem Millionen erbeutet werden. Doch statt den Erfolg zu genießen, verfällt Jimmy in Paranoia. Er fürchtet, dass die Beteiligten durch ihren plötzlichen Reichtum (neue Autos, Pelzmäntel) die Aufmerksamkeit des FBI auf sich ziehen. In einer grausamen Säuberungswelle lässt Jimmy fast alle seine Komplizen ermorden.

Gleichzeitig hofft Tommy, endlich als „Made Man“ aufgenommen zu werden. Doch die Mafia hat den Mord an Billy Batts nicht vergessen. In einer der schockierendsten Szenen des Films wird Tommy unter dem Vorwand seiner Aufnahmezeremonie in einen Hinterhalt gelockt und hingerichtet.

Der finale Fall: 1980 – der Tag der Abrechnung

Der 11. Mai 1980 ist Henrys letzter Tag als freier Mann. In einer nervenaufreibenden Montage sieht man Henry, wie er völlig kokainsüchtig versucht, einen Drogendeal abzuwickeln, ein Abendessen für seine Familie zu kochen und gleichzeitig den Hubschraubern zu entkommen, die ihn verfolgen. Er wird verhaftet.

Paulie wendet sich von ihm ab und gibt ihm lediglich 3.200 Dollar für einen Neuanfang. Jimmy, der fürchtet, Henry könnte auspacken, plant dessen Ermordung. Henry erkennt, dass seine einzige Überlebenschance darin besteht, das zu tun, was er immer abgelehnt hat: Er kooperiert mit dem FBI. Er sagt gegen Jimmy und Paulie aus und verschwindet im Zeugenschutzprogramm. Seine Karriere endet nicht im Kugelhagel, sondern in der Bedeutungslosigkeit einer Vorstadt-Existenz, wo er sich darüber beschwert, dass es keine gute Pasta-Sauce gibt.

Der Film führt den Zuschauer durch drei Jahrzehnte Mafia-Leben:

Die goldenen Jahre: In den 60ern genießen sie den Status unantastbarer Könige. Sie stehlen, feiern im Copacabana und Henry lernt seine Frau Karen kennen, die gleichermaßen von dem gefährlichen Lebensstil angezogen und abgestoßen ist.

Der Wendepunkt: Der Mord an Billy Batts, einem „Made Man“ (einem initiierten Mitglied), markiert den Anfang vom Ende. Da Batts unantastbar war, müssen sie die Leiche heimlich verschwinden lassen – eine Tat, die sie jahrelang verfolgt.

Der Lufthansa-Raub und der Absturz: Nach dem größten Raubüberfall der US-Geschichte im Jahr 1978 wird Jimmy Conway zunehmend paranoid und lässt fast alle Beteiligten eliminieren, um keine Zeugen zu hinterlassen. Henry gerät währenddessen tief in den Drogenhandel und wird selbst süchtig.

Am Ende bricht Henrys Welt zusammen: Er wird vom FBI verhaftet, von seinem Mentor Paulie fallen gelassen und erkennt, dass Jimmy ihn umbringen will. Um sein Leben und das seiner Familie zu retten, bricht er den heiligen Ehrenkodex der Mafia, die Omertà, und wird zum Kronzeugen. Der Film endet mit einem desillusionierten Henry in einem Zeugenschutzprogramm, der nun als „ganz normaler Durchschnittstyp“ leben muss – für ihn das schlimmste Schicksal von allen.

Die Besetzung: ein Ensemble der Extraklasse

Die schauspielerischen Leistungen in „GoodFellas“ sind legendär und prägten die Karrieren der Beteiligten nachhaltig. Ray Liotta liefert als Henry Hill die Performance seines Lebens ab, indem er den schmalen Grat zwischen Charme und moralischem Verfall meistert. Robert De Niro spielt Jimmy Conway mit einer unterkühlten, bedrohlichen Ruhe, die jederzeit in Gewalt umschlagen kann. Der heimliche Star ist jedoch Joe Pesci als Tommy DeVito; seine Darstellung eines Mannes, der wegen einer kleinsten Beleidigung tötet, brachte ihm völlig zu Recht den Oscar als Bester Nebendarsteller ein. Seine Figur wirkt unglaublich bedrohlich und ist für mich bis heute einer der beängstigendsten Charaktere, die Hollywood je hervorgebracht hat. Neben „Casino“ ist das auch eine der besten Leistungen von Joe Pesci insgesamt. Lorraine Bracco als Karen Hill bietet das notwendige Gegengewicht und zeigt eindrucksvoll die Perspektive einer Frau, die in diese Welt hineingezogen wird.

Wissenswertes zur Produktion: Realismus und Improvisation

Was „GoodFellas“ so authentisch macht, ist Scorseses Liebe zum Detail und seine unkonventionellen Methoden:

Improvisierte Genialität: Die berühmte „Funny how?“-Szene im Restaurant war nicht im Drehbuch vorgesehen. Joe Pesci erzählte Scorsese von einer echten Begegnung, die er als junger Kellner mit einem Gangster hatte. Scorsese ließ Pesci und Liotta die Szene improvisieren, ohne den anderen Schauspielern am Tisch zu sagen, was passieren würde, um echte Reaktionen einzufangen.

Echte Mafiosi: Um die Atmosphäre so real wie möglich zu gestalten, engagierte Scorsese einige echte ehemalige Gangster als Statisten für die Hintergrundszenen.

Die Plansequenz: Der berühmte zweieinhalbminütige „Steadicam-Shot“, in dem Henry und Karen durch die Küche das Copacabana betreten, wurde aus der Not geboren. Die Produktion erhielt keine Erlaubnis, den Haupteingang zu benutzen, also machte Scorsese daraus eine der berühmtesten Kamerafahrten der Filmgeschichte, um Henrys Einfluss zu demonstrieren.

Kulinarik: Die Szenen, in denen die Gangster kochen (sogar im Gefängnis), waren so wichtig, dass Scorseses eigene Mutter, Catherine Scorsese, die Mutter von Tommy spielte und für die Schauspieler tatsächlich am Set kochte.

Fazit

Solange ich denken kann, wollte ich schon immer Gangster werden. Alleine dieser Satz ist so bezeichnend für den gesamten Film. Er ist mehr als ein klassischer Gangsterstreifen, wie es ihn zu Hunderten gibt, er ist so viel mehr. Wir verstehen, warum er schon immer Gangster werden wollte, wir sehen seine steile Karriere, aber wir sehen auch immer mal wieder, wie bedrohlich dieses ganze Umfeld wirklich ist. Martin Scorsese ist ein Meister darin, uns zu zeigen, was so geil an diesem Lebensstil ist, aber er verheimlicht uns auch nicht, wie groß und bedrohlich die Schatten sind, die dieses Leben mitbringt. Er glorifiziert es nicht, aber es ist natürlich extrem wichtig, auch die Vorteile eines solchen Lebens aufzuzeigen, denn ansonsten würden wir als Zuschauer nicht verstehen, warum der Protagonist sich auf dieses Leben einlässt beziehungsweise es nicht bei der ersten Gelegenheit verlässt. Mir fällt immer wieder auf, wie fesselnd dieser Film ist. „GoodFellas“ hat diesen Zauber. Schreiben Sie mir gerne in die Kommentare, wenn es Ihnen auch so geht, dass egal zu welchem Zeitpunkt ich den Film erwische, er läuft. Ich setze mich und sehe ihn bis zum Ende. Ich bin immer wieder gefesselt von dem, was mir präsentiert wird. Sehen Sie sich ihn an, egal ob Sie ihn schon kennen oder nicht. Lohnt sich.


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