20. Januar 2026 18:00

Filmkritik Animal Farm: Das Urinieren auf George Orwells Grab

Eine Umkehrung der Orwell'schen Botschaft – von der Sozialismus-Kritik zur Kapitalismus-Satire.

von Sascha Blöcker drucken

Animal Farm: Poster (KI-Bild)
Bildquelle: Eigenes Bild Animal Farm: Poster (KI-Bild)

In einer Welt, in der Klassiker der Literatur immer wieder neu interpretiert werden, hat der britische Schauspieler und Regisseur Andy Serkis mit seiner animierten Adaption von George Orwells „Animal Farm“ für Aufsehen gesorgt. Der Film, der nach 14 Jahren Entwicklungszeit am 1. Mai 2026 in die Kinos kommt, präsentiert eine völlige Verdrehung von Orwells Klassiker. Ich persönlich dachte, dass man George Orwell nicht tiefer in den Dreck ziehen könnte, als damit, dass ausgerechnet Robert Habeck das Vorwort in der deutschen Auflage von 1984 bekommt. Als Ricarda Lang eben dieses Buch dann zu Weihnachten bekam (2024 meine ich) und sie Wochen später schrieb, dass das Buch sie in ihrem Kurs bestärke und man mehr Staat gegen rechts brauche, wusste ich auch, dass man Orwell komplett missverstehen kann. Was aber jetzt kommt, ist vielleicht der größte Unfug überhaupt.

Handlung

Ich orientiere mich am Trailermaterial, aber einiges ist auch bereits bestätigt worden.

Die Tiere sollen vom Bauern an einen Schlachthof verkauft werden. Sie starten eine Revolte und übernehmen den Hof. So weit, so bekannt. Wobei ich mich natürlich frage, ob der Bauer bereits als Kapitalist inszeniert wird. Alle arbeiten zusammen, und bekanntermaßen sind alle „gleich“. Natürlich sind die Schweine von vornherein nicht gleich, denn sie müssen nicht arbeiten, aber sei’s drum, den Lesern des Freiheitsfunkens brauche ich das nicht mehr zu erklären. Jetzt kommt aber der Twist, denn es ist nicht so, dass die Herrscher sich immer mehr rausnehmen, weil sie ja die Regeln machen, weil sie es können, sondern die Herrscher verändern sich zum Schlechten, weil? Ja, wer ist in Hollywood in den letzten Jahren immer wieder gerne als Antagonist genommen worden? Der reiche Techvisionär, der natürlich und spätestens seit Elon Musk erkennbar kein Linker ist, wird noch lieber mit diesem Stereotyp herangezogen. In diesem Fall handelt es sich um eine Frau. Dem Trailer ist weiterhin zu entnehmen, dass das viele Leid, das über die Bewohner der Farm der Tiere kommt, in eher lustiger Form dargestellt wird. So fahren die Schweine Sportwagen in Pools. Napoleon, der eigentlich ein kluger, manipulativer, herrschsüchtiger Charakter ist, wird hier zu einem plumpen Trottel. Das muss er ja auch sein, denn er manipuliert nicht, sondern er wird manipuliert. Eine weitere ungeheuerliche Szene in dem Trailer ist, dass die Hühner mit den Menschen Handel treiben. Wir erinnern uns, dass es eigentlich so ist, dass die Schweine die Eier der Hühner verkaufen, was diese erzürnt und dazu animiert, die eigenen Eier zu zerstören. Sie werden infolgedessen mit dem Tod bestraft. Insgesamt ist der Trailer eine Katastrophe, und ich fühle bis hier in Bulgarien, dass sich George Orwell im Grab herumdreht. Denn die Revolution der Tiere wird als potenziell erfolgreich dargestellt, bis externe kapitalistische Kräfte eingreifen und alles zerstören.

Noch vor der Veröffentlichung

Diese Lesart passt zu Serkis’ eigener politischer Haltung. Als Regisseur, der in früheren Werken Themen wie Umweltschutz und soziale Ungleichheit ansprach, sieht er in „Animal Farm“ eine zeitgenössische Warnung vor korporativer Macht und ungezügeltem Kapitalismus. In einem Statement zur Filmveröffentlichung erklärte er, dass Orwells Geschichte universell sei und auf aktuelle Probleme wie Klimawandel und wirtschaftliche Ausbeutung anwendbar. Natürlich erntet er bereits jetzt gewaltige Kritik für diesen Film, und einen Erfolg erwartet kaum noch einer. Netflix hatte ursprünglich die Rechte an diesem Film, da er aber in den Testvorführungen komplett zerrissen wurde, wollten sie ihn nicht. Und wir reden hier über Netflix, die eine ganze Show mit Mädchen in Miniröcken herausgegeben haben. Wenn die dich nicht wollen, hast du viel falsch gemacht. Ich persönlich bin spitzhörig geworden, als ich ein Interview mit Andy Serkis gesehen habe. Er erwähnte so oft, dass es sich um George Orwells Vision von „Animal Farm“ handelt, dass klar war, es handelt sich auf keinen Fall um George Orwells Vision von „Animal Farm“.

Die Kontroverse: „Woke“ – Umdeutung oder treue Erweiterung?

Die Reaktionen auf den Film waren explosiv. Auf Social-Media-Plattformen wie X (ehemals Twitter) und Facebook wurde der Trailer millionenfach geteilt und mit Hashtags wie #WokeAnimalFarm versehen. Andere, wie in Reddit-Diskussionen (eine Plattform, auf der die Nutzer gleichermaßen oft richtig liegen wie Marcel Fratzscher), verteidigen die Adaption: Sie erinnern daran, dass Orwell selbst Sozialist war und das Buch nicht antisozialistisch, sondern antiautoritär gemeint war. Die Schweine werden zu „kapitalistischen Schweinen“ – ein Wortspiel, das im Original bereits anklingt und nun explizit gemacht wird.

Fazit

Ich werde ihn mir für euch ansehen, rate euch allerdings tunlichst davon ab. Sozialisten sind einigermaßen geschickt in der Manipulation, was wohl auch der Grund für die kinderfreundliche Tonalität des Films sein dürfte. Linke müssen ihn ja verstehen, und wenn man dann noch ein paar Kinder erreichen kann, reibt sich der schmierige Sozialist die Hände. Aber dieser auf linke Gehirne zugeschnittene, kinderfreundliche Ton wird einfach der tragischen Vorlage in keinster Weise gerecht. Und ja, George Orwell bezeichnete sich selbst gerne als Sozialist und schrieb das Buch aus einem ökonomischen Unverständnis heraus. Dennoch thematisierte er immer wieder die Methoden und Regierungsweisen der Sozialisten. Ähnlich wie AfD-Wähler, die Karl Marx von rechts haben wollen, unterstelle ich George Orwell keine böse Absicht, sondern er war ein Künstler, der bei seinen Recherchen nie über Ludwig von Mises gestolpert ist oder ihn einfach nicht verstanden hat. Andy Serkis allerdings nehme ich das übel. Warum? Nun, zunächst sind seine Taschen voll. Mit Rollen wie Gollum in „Der Herr der Ringe“ oder Caesar in „Planet der Affen“ hat er sich ein sehr angenehmes Polster geschaffen, das er freiwillig wohl nicht hergeben würde, und auf der anderen Seite empfinde ich es als schäbig, das Werk eines Toten so zu verunglimpfen. Er nimmt ein Werk, das unter anderem vor Propaganda warnt, und macht daraus Propaganda für kindliche Gehirne, die, wie wir wissen, in den Köpfen von Kindern und Linken stecken. Es gibt übrigens bereits filmische Adaptionen, und die Zeichentrickadaption ist die beste. Die wurde aber auch großzügig vom CIA mitfinanziert. Am Ende halten wir fest: Alle Animal-Farm-Adaptionen sind irgendwie gleich, aber manche sind gleicher.

Quellen:

Animal Farm Trailer #1 (2026)


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