25. März 2026 11:00

Digitale Identität und Regulierung Will Politik nicht richtig zünden, lass Promis laut vom Zufall künden

Digitale Ulmen/Fernandes-ID fürs Internet und die Klarnamenpflicht

von Axel B.C. Krauss drucken

Digitale Identität: Diskussion um Überwachung und Kontrolle
Bildquelle: Redaktion Digitale Identität: Diskussion um Überwachung und Kontrolle

Viele werden sich gewiss noch an die urige Corona-Zeit erinnern, als man gemäß der Empfehlungen einer der breiten Bevölkerung eher unbekannten PR-Agentur namens „Edelman PR“ lauter sogenannte Prominente ins öffentliche Schaufenster stellte, um den geneigten Knechten die Dringlichkeit und allerhöchste Wichtigkeit der Befolgung politischer „Pandemie-Bekämpfungs“-Maßnahmen in die Hirnrinde zu brennen wie eine Viehmarke.

Das Vorgehen war ebenso auffällig wie plump: Man hatte diversen deutschlandweit bekannten Appelfratzen aus dem volkseigenen Buntmedienbetrieb hurtig heftige Krankheitssymptome angeschminkt, die in manchen Fällen leider so gar nicht nach oscarreifer Maskenbildnerei aussehen wollten, sondern laut danach schrien, mit Goldenen Himbeeren beworfen zu werden, und ließ diese dann unter nicht weniger himbeerwürdiger Aufbietung all ihrer schauspielerischen „Künste“ (man denke zurück an den peinlich amateurhaften Clip mit Oliver Pocher) schnaufend-schniefend, hustend und keuchend verkünden, die staatlichen Pflichten seien doch bitte unbedingt, ich wiederhole: un-be-dingt zu befolgen, sonst stürbe das Land aus. So ungefähr.

Es gibt herrliche Parallelen zwischen diesem Fall und dem jüngsten Meisterstück in garantiert zufallsbestimmter Propaganda, in dem es darum geht, die Dringlichkeit und allerhöchste Wichtigkeit für eine Klarnamenpflicht im Internet, noch mehr aber eine Digitale ID für alle, mit dem dickstmöglichen Knüppel in die Cerebra der Republik zu prügeln. Ich rede natürlich von Christian Ulmen (kennt den jemand? Ich erinnere mich nicht) und seiner Angetrauten – oder Ex-Flamme, wie auch immer –, der Schauspielerin Collien Fernandes, die einem breiten Publikum durch ihre unvergesslichen Darbietungen in Filmen wie Sophies Entscheidung, Shakespeare in Love oder James Camerons Titanic dauerhaft in Erinnerung blieb.

Man verstehe mich nicht falsch: Es gibt im Internet zweifellos so einige Schweinereien, das ist klar, und das Problem der „Deep Fake“-Videos – KI macht’s möglich – ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Da werden gerne berühmte Aktricen oder Popsängerinnen pornomäßig verwurstet, um Klicks und somit Dukaten zu generieren. Dass die Betroffenen sich dagegen wehren, ist völlig verständlich.

Eine andere Sache ist es hingegen, wenn eine Regierung den Regierten bislang eher erfolglos schärfere Kontrollen für den Cyberspace zu verkaufen versucht, um dann in ihren Bemühungen von einem Zufall aus heiterstem Himmel tatkräftig unterstützt zu werden, der Superbenzin auf eben jene Vorstöße für eine möglichst umfassende Regulierung virtueller Räume gießt. Denn kaum hatten die Massenlobotomedien diesen Skandal im Regierungssperrbezirk zu einer Zäsur von welthistorisch monumentaler Bedeutung aufgepumpt wie Influencerinnen-Brüste auf TikTok, schon sprangen ihnen weitere Zufälle bei: Das Justizministerium reagierte prompt und will sofort, aber auch sofort, „Betroffene besser schützen“, hieß es zum Beispiel in einem Artikel auf der Webseite der Zweiten Deutschen Prawda („Fall Ulmen: Hubig will besser vor digitaler Gewalt schützen“, 20.3.). Ein Sender, der – mehr Ironie lässt sich wirklich nicht in eine Zeitspanne dieser Kürze pressen – erst unmittelbar davor selber durch, nun ja, KI-Fakes von sich reden machte. Der Einwand, dies hätte aber nichts mit Pornos zu tun gehabt, greift nicht: Oh doch, denn es handelte sich um versuchten Massen-Hirnfick. Ist schließlich auch eine Form von Vergewaltigung – wie will man da noch zwischen politisch-propagandistischer und sexueller unterscheiden?

Ich hatte ja schon mal auf die Faustregel hingewiesen, die man in solchen Fällen nie vergessen darf: Wenn der Mainstream etwas so grell und lärmend auf die Titelseiten pflastert, als ob es hinter diesen Themenstäben nichts mehr gäbe auf der Welt, wie ein Tanz aller verfügbaren Propagandakraft um eine zugedröhnte Bühnenmitte, bedeutet das, period, end of story, Diskussion beendet und sprechen Sie mir bitte nach: Da ist etwas faul. Ups, ich habe ein wichtiges Wort vergessen: Da ist de-fi-ni-tiv etwas faul. Ausrufezeichen, Vorhängeschloss, rotes Warndreieck, Sirene.

Auch das Portal „DW“ berichtete (20.3.): „Fall Fernandes: Regierung kündigt Kampf gegen DeepFakes an“. Wissen Sie was? Ich werfe hiermit einfach mal die Frage in den Raum – heutzutage kann man sich ja wirklich nicht mehr sicher sein, was solche Dinge betrifft – wie viele dieser DeepFakes der letzten Jahre überhaupt echt waren, und wie viele davon womöglich zum Beispiel durch staatsnahe Akteure aus der „Big Tech“-Branche oder von mir aus irgendwelchen Geheimdiensten gleich selber online gewuppt wurden, um die ohnehin längst globalen Bemühungen um Kontrolle von „Informations-Ökosystemen“ voranzutreiben. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich dazu in einem meiner letzten Kolumnenbeiträge auch schon etwas geschrieben. Aber es kann ja nicht schaden, noch mal daran zu erinnern:

Die sogenannten „Globalen Grundsätze“ der Vereinten Nationen für „Informationsintegrität“ erwähnen ausdrücklich – wie immer das nun genau definiert werden mag – „Falschinformationen“ als „Bedrohung für die Integrität des Informationsökosystems“. Die UNESCO wiederum beschreibt digitale Plattformen als „Ökosysteme von Falschinformationen“, die einer Steuerung bedürften (!). In der EU gibt es begleitende Vorschläge wie „Chat Control“ – Anbieter von Kommunikationsdiensten im Internet würden dadurch gezwungen, auch private (!) Kommunikation auf „verbotene Inhalte“ zu prüfen und überwachen, sogar bei „End-to-End-verschlüsselten“ Diensten. Der Schwerpunkt in der Begründung für solche Maßnahmen liegt auf Kindesmissbrauch, allerdings würden durch die vorgeschlagenen Maßnahmen eben auch alle anderen Äußerungen massenhaft überwacht. Und wer gegen die „Richtlinien“ verstößt – wer definiert diese und anhand welcher Kriterien? – kann der Zugang zur digitalen Infrastruktur eingeschränkt oder gar verwehrt werden.

Jedenfalls ist doch erstaunlich, dass es im Falle Ulmen/Fernandes um – wie es der Zufall will – Identitätsmissbrauch geht. Ich wiederhole: IDENTITÄTS-Missbrauch. Und was könnte man unternehmen, um so etwas einzudämmen? Ich brauche es nicht hinzuschreiben. Sie riechen den Braten sicher schon.

Ebenso wie den – allerdings stark verbrannten – Braten, den Fernandes gleich selber aus dem Nudging-Ofen zog. Man sollte es eben nicht übertreiben – das fällt zu sehr auf. Denn Deutschland, so Fernandes, sei in dieser Hinsicht ein „Täterparadies“. Ich freue mich auf das umfangreiche Beweismaterial für diese doch sehr steile These. Andererseits: Wenn Prominente das sagen, wird’s wohl stimmen.

Bis nächste Woche.

Quellen:

https://www.dw.com


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