22. April 2026 11:00

Tokenisierung und Nießbrauch Tokenisierte Vermögenswerte oder die Frage, wie man römisches Nießbrauchsrecht digitalisiert

Die BIZ als „Kaiser“ des Technats?

von Axel B.C. Krauss drucken

Die BIZ als "Kaiserin" des Planeten Erde
Bildquelle: Eigenes Bild Die BIZ als "Kaiserin" des Planeten Erde

Tokenisierte Vermögenswerte oder die Frage, wie man römisches Nießbrauchsrecht digitalisiert

Die BIZ als „Kaiser“ des Technats?

Es dürfte in den letzten Jahren kaum einen anderen Artikeltitel auf der Webseite des Weltwirtschaftsforums gegeben haben, der für mehr Aufmerksamkeit und Stirnrunzeln sorgte als „Du wirst nichts besitzen, aber glücklich sein“.

Viele spekulierten, wie genau das eigentlich gelingen solle, Menschen einfach massenhaft zu „enteignen“. Ihnen Eigentum „mal eben so“ wegzunehmen, geht ja nicht – schon aus rechtlichen Gründen. Mal ganz zu schweigen von dem erwartbaren und verständlichen Zeter und Mordio. Alles richtig, aber auch gar nicht der Punkt: Statt rabiater Methoden scheint man weichere, subtilere anwenden zu wollen – solche, die auf Anhieb gar nicht bemerkt werden. Wie das nun funktionieren soll?

Wenn das römische Imperium andere Länder kriegerisch eroberte und sich einverleibte, setzte der Kaiser Statthalter ein, Provinzgouverneure, die die entsprechenden Ländereien für ihn verwalteten. Sie durften einen Teil der Erträge, die sie durch die Landgüter erwirtschafteten, behalten, aber sie besaßen sie nicht – sie blieben im Besitz des Kaisers. Soviel zur Kurzbeschreibung des römischen Nießbrauchrechts. Die sogenannte „Tokenisierung“ von „Real World Assets“ (RWA) läuft im Kern auf genau dieses alte römische Prinzip hinaus. Patrick Wood hatte auf seiner Webseite „Technocracy News“ am 14. April einen recht erhellenden Artikel dazu veröffentlicht („Die Tokenisierung realer Vermögenswerte ist ein Instrument der Unterwerfung, nicht der Befreiung“).

„Wenn man das Marketing beiseite lässt und die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Regulierungsarchitektur, die institutionellen Whitepaper und die veröffentlichten Visionen der Menschen liest, die dieses System aufbauen, ergibt sich eine einzige Schlussfolgerung mit der Klarheit einer Anklageschrift: Tokenisierung ist keine neue Form des Eigentums. Es ist eine neue Form der Eroberung. Und die Eroberten werden nicht wissen, was mit ihnen geschehen ist, bis das System vollständig ist. […] Die Beweise liegen bereits vor.“

Dann geht Wood natürlich etwas tiefer ins Detail, vor allem mit Blick auf die Verknüpfung der Tokenisierung mit digitalen Währungen beziehungsweise programmierbarem Geld und „Smart Contracts“:

„Privatbesitz wird nicht beschlagnahmt. Er wird umgewandelt – von einem Recht in ein Abonnement. Von der Herrschaft über eine Sache zu einem programmierbaren, widerrufbaren, bedingten Anspruch auf Erträge aus einer Sache, die von anderen verwaltet wird. […] Die Tokenisierung realer Vermögenswerte, wie sie von tatsächlichen Institutionen mit echtem Kapital innerhalb realer regulatorischer Rahmenbedingungen konzipiert und umgesetzt wird, ist eine digitale Umsetzung des römischen Nießbrauchs – angepasst an das 21. Jahrhundert durch programmierbare Smart Contracts, biometrische Identitätsnachweise, CBDC-Zahlungswege und eine Architektur zur Einhaltung regulatorischer Vorschriften, die jeden Ausweg versperrt. Der ursprüngliche Eigentümer wird vollständig verdrängt und tritt als Pächter wieder in Erscheinung. Der Token-Inhaber ist kein Eigentümer. Er ist ein Nießbraucher, der ein Nutzungsrecht innehat, während das Besitzrecht bei dem ihm übergeordneten institutionellen Verwalter verbleibt.“

Mit anderen Worten werden Eigentumsrechte also nicht einfach abgeschafft, was ohnehin zu viele Widerstände auf den Plan riefe, sondern regelrecht umgeschrieben. Stellt sich nun die Frage, wer in diesem Modell die Funktion des „Kaisers“ übernehmen wird, der die Nießbrauchs- beziehungsweise „Mietrechte“ vergibt. Nimmt man die Veröffentlichungen der für dieses Projekt verantwortlichen Institutionen unter die Lupe, erkennt man eine klare Architektur, eine Hierarchie – die bei der „Zentralbanken aller Zentralbanken“ endet, also der BIZ – der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Wood:

„Die BIZ ist der Kaiser. Sie besitzt kein Land direkt. Sie gibt keine Währung direkt aus. Aber ohne ihren monetären Rahmen ist keine Währung gültig. Ohne ihre Kapitalstandards funktioniert keine Bank. Ohne ihre Abwicklungsinfrastruktur kann kein tokenisiertes Vermögen verrechnet werden. Sie behält das oberste Sagen im globalen Währungssystem und kontrolliert von dieser Position aus alles, was vom Zugang zu Geld abhängt. Und davon hängt alles ab.“

Wie genau sieht diese Hierarchie nun aus?

„Das System besteht aus mehreren Eroberungsebenen, von denen jede der darunterliegenden Ebene Tribut abverlangt. Jede darüberliegende Ebene kontrolliert die darunterliegende – nicht mit Armeen, sondern durch Zugang. Ganz unten: der Mieter, der Miete zahlt, Cashflow generiert und keinen Eigentumsanspruch besitzt. Über dem Mieter: der Token-Inhaber, der Rendite erhält, glaubt, Eigentümer zu sein, und ein Nutzungsrecht besitzt. Über dem Token-Inhaber: der institutionelle Tokenizer (BlackRock, JPMorgan Onyx, Franklin Templeton, Securitize), der das rechtliche Eigentumsrecht verwahrt, den Smart Contract kontrolliert und die Compliance-Architektur regelt. Über dem institutionellen Tokenizer: die Regulierungsbehörde (SEC, OFAC, Basler Ausschuss, Finanzstabilitätsrat), die die Aktivitäten des institutionellen Tokenizers jederzeit lenken, einschränken, einfrieren oder umstrukturieren kann.“

Es gibt guten, um nicht zu sagen besten Grund zu spekulieren, dass jenes Chaos, das derzeit im Zusammenhang mit dem Irankrieg und der Straße von Hormus als einem der wichtigsten „Choke Points“ der Weltwirtschaft vor allem für den Transport von Energieträgern losgetreten wurde, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dazu dienen wird, eine Legitimation für eine bessere und „effizientere“ Kontrolle und Steuerung der entsprechenden Ressourcen zu stricken. Genau das stand ja ohnehin schon immer ganz oben auf der Wunschliste:

„Die Technokratie hat einen Namen dafür. Man nennt es ein »Technat«: eine energiebasierte Planwirtschaft, die von technischen Experten verwaltet wird und in der alle Ressourcen zentral verwaltet und nach technischen Parametern statt nach Marktpreisen oder individueller Wahl zugeteilt werden. Die Technokratie-Bewegung der 1930er Jahre hat dieses Ziel ausdrücklich formuliert. Was sich seitdem geändert hat, ist nicht das Ziel. Was sich geändert hat, ist die Technologie, die zur Umsetzung zur Verfügung steht.“

Verknüpft man dies mit der Tokenisierung realer Vermögenswerte, zu denen auch die planetaren Ressourcen zählen, ergibt sich allmählich ein vollständigeres Bild.

Ursprünglich hatte die technokratische Bewegung geplant, das kapitalistische Preissystem vollständig abzuschaffen und durch „Energiezertifikate“ zu ersetzen, die jedem Bürger zugeteilt werden. Diese Option dürfte vorerst wenig realistisch sein; die Tokenisierung jedoch nicht. Sie ließe sich mit den heute vorhandenen Technologien umsetzen. Der Begriff des „Nießbrauchs“, im Englischen „Usufruct“, findet sich auch in den Verlautbarungen der UN, so Wood:

„Die UNO wählte das Wort »Nießbrauch« bewusst. […] Die Technokraten haben seitdem die digitale Infrastruktur aufgebaut, um es auf zivilisatorischer Ebene umzusetzen. Und die Pioniere, die Token-Inhaber, die glauben, sie seien Investoren, werden in ein System eingebunden, das sie noch nicht verstehen, und generieren Cashflows, die durch jede Ebene über ihnen bis zum Kaiser an der Spitze aufsteigen. Der Kaiser ist nie gegangen. Er hat sich nur in eine Firma verwandelt.“

Bis nächste Woche.

Quellen:

Technocracy News & Trends

Bank for International Settlements


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