Technokratischer Wandel: Klima, SDGs, Tokenisierung: Wie man mehrere Fliegen mit der Iranklappe schlagen will
Niemals eine „gute“ (Poly-)Krise ungenutzt verstreichen lassen!
Klima, SDGs, Tokenisierung: Wie man mehrere Fliegen mit der Iranklappe schlagen will
Niemals eine „gute“ (Poly-)Krise ungenutzt verstreichen lassen!
Wenn man sich nur lange genug mit machtelitärer Methodologie beschäftigt, wenn man nur lange genug den „Finger am Puls“ hält und genau hinschaut, welche „Transformationen“ durch Krisen und Kriege im Hintergrund so schnell und leise wie möglich forciert werden sollen, während – so wie nun im Falle des Irankrieges – die breite Öffentlichkeit ängstlich und desorientiert durch den „Nebel des Krieges“ stochert, wird man – das ist unvermeidbar – irgendwann ein zentrales Muster bemerken: Es geht nie nur darum, lediglich ein Ziel zu erreichen, sondern gleich mehrere.
Der Grund dafür ist eigentlich auch offensichtlich und für jedermann verständlich: Es wäre zu ineffizient und kostspielig, für jedes einzelne Ziel eine eigene Krise entweder zu nutzen oder gleich selber auszulösen. Es wäre „unrentabel“, weshalb man „gute“ Krisen natürlich sorgfältig auf ihr Potenzial für erwünschte Veränderungen untersuchen und diese dann auszunutzen versuchen wird. So auch im Falle des Irankrieges.
Die üblichen und zwar nicht völlig falschen, aber aus der „Vogelperspektive“ dennoch eher randständigen Interpretationen, die als Analysen und Kommentare zum Irankrieg herumgeistern, lauten natürlich: Es geht ums Öl! Jein. Es ist letzten Endes ein geopolitischer Konflikt zwischen Ozeanien und Asianien! Verzeihung, ich meinte natürlich: Zwischen den USA und den BRICS oder BRICS+, also zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, China sowie dem Iran (der zum erweiterten BRICS-Block, also eben BRICS+, gehört). Auch nicht.
Dass es meistens etwas dauert, ja manchmal sogar sehr lange dauern kann, bis wichtige Informationen sich verbreiten und relevante Erkenntnisse anerkannt werden, ist nichts Neues. Und so kann es nicht verwundern, dass die mit Blick auf diesen Krieg wichtigste Perspektive fast vollständig übersehen wurde und wird: Der Krieg im Iran lässt sich zusammen mit der Ukraine und Gaza tatsächlich in dieselbe Reihe stellen und, so seltsam das für manche vielleicht klingen mag, mit Fug und Recht als ein weiterer „technokratischer Krieg“ bezeichnen. Insofern, als die dadurch angestrebten Ziele schon lange nicht mehr den alten oder konventionellen geopolitischen und -strategischen Deutungsmustern im Sinne einer Auseinandersetzung zwischen Großmächten genügen.
Wie schon zu Corona-Zeiten, als er die finanzsystemischen Aspekte und Bewegungen hinter der „Pandemie“ beleuchtete, ließ sich Prof. Fabio Vighi auch diesmal nicht vom massenmedialen Getöse betäuben, sondern behielt eben diese Ebene im Blick. Denn er erwähnt richtig z. B. die Verschiebung vom alten Geldsystem hin zu „programmierbarem Geld“:
„Der nächste wirtschaftliche Abschwung wird nicht einfach durch das Drucken von mehr Geld bewältigt werden. Er wird direkt in das Geld selbst einprogrammiert sein. Große geopolitische Krisen spielen sich selten nur auf der Ebene der Militärstrategie ab. Sie gestalten auch die wirtschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen neu, durch die Gesellschaften gesteuert werden. Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich auf das sichtbare Drama des Konflikts, während sich tiefgreifendere finanzielle und monetäre Veränderungen weitgehend außerhalb der politischen Debatte vollziehen. Die ausschließliche Konzentration auf geopolitische Aspekte verschleiert einen systemischen Wandel, der sich außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung vollzieht.“
Und worin besteht dieser Wandel?
„Historisch gesehen fanden große Umwälzungen in den Währungssystemen oft in Krisenzeiten statt. Kriege, Finanzzusammenbrüche und geopolitische Schocks schaffen die Bedingungen, unter denen zuvor undenkbare Maßnahmen plötzlich möglich werden. In Notlagen werden normale Beschränkungen ausgesetzt, was Regierungen und Zentralbanken ermöglicht, Finanzstrukturen auf eine Weise neu zu ordnen, die in stabilen Zeiten politisch unmöglich wäre.“
Nicht umsonst ist schon seit Jahren, vor allem im Weltwirtschaftsforum, die Rede von der „Polykrise“: Krisen, Kriege, Klima, Pandemien. Eine Art dauerhafter Ausnahmezustand, der am besten für die ganze Welt gelten möge. Vighi beobachtet zutreffend, dass offiziell, also gegenüber den Bevölkerungen, das „Drama des Konflikts“ betont wird, während gleichzeitig Veränderungen schnellstmöglich umgesetzt werden, die nur aufgrund solcher angeblichen „Ausnahmezustände“ – der erklärten (und im Falle des Irankrieges mit militärischen Mitteln künstlich ausgelösten) „Notlage“ – durchgesetzt werden können, weil sie ansonsten schwieriger zu legitimieren wären.
„Die Bedeutung […] liegt nicht einfach in der Digitalisierung des Geldes, sondern darin, Regeln direkt in die Währungseinheit selbst einzubetten. Die traditionelle Geldpolitik wirkt über Zinssätze, Bankkredite und Finanzmärkte. Programmierbares digitales Geld hingegen ermöglicht es, geldpolitische Maßnahmen durch die Gestaltung der Währung selbst direkt an Haushalte und Unternehmen weiterzugeben, indem festgelegt wird, wann sie ausgegeben werden kann, wo sie zirkulieren darf und unter welchen Bedingungen sie ihren Wert behält. In dieser Hinsicht erscheinen die jüngsten Schritte der USA im Bereich der Kryptowährungen wie eine strategische Neuausrichtung hin zu einer verstärkten Währungskontrolle.“ (Prof. Fabio Vighi, „Die programmierte Krise: Der Iran und der Wandel des Finanzsystems“, 17.3.2026)
Zusätzlich geht es – gemäß der ursprünglichen Vision der technokratischen Bewegung – um die Verschiebung möglichst aller Vermögenswerte bzw. ihre Digitalisierung, auch „Tokenisierung“ genannt, auf die Blockchain. Wer sich die Mühe macht, hier etwas tiefer zu graben, wird feststellen, dass die Blockchain von heute die exakte Entsprechung zum „einheitlichen Hauptbuch“ („Unified Ledger“) ist, in dem sämtliche finanziellen Bewegungen der Menschen, Sach- und Vermögenswerte wie z. B. Aktien, Immobilien usw. als auch die Ressourcen des Planeten verwaltet und überwacht werden sollen. Eine Vision, die damals, in den 1930er Jahren, natürlich noch nicht umsetzbar war – die dafür nötige Technologie war noch nicht vorhanden, weshalb die Pläne erstmal auf Eis gelegt wurden. Heute ist sie verfügbar – nicht nur wegen sehr viel leistungsfähigerer Computersysteme, sondern natürlich auch des Internets und vor allem stark erleichtert durch vollständig automatisierbare Kontrollsysteme mittels KI. Technokratie-Spezi Patrick Wood, der dazu seit 30 Jahren forscht, lieferte eine gute Kurzübersicht in seinem Artikel „Das Ende der Verschuldung durch die Tokenisierung von Vermögenswerten?“ (20.3.2026):
„Auf allen Ebenen der Gesellschaft ist die Verschuldung untragbar. Das weiß jeder. Die Staatsverschuldung der USA hat die Marke von 38,9 Billionen Dollar überschritten. Die jährlichen Defizite liegen bei über 1,7 Billionen Dollar, und ein Ende ist nicht in Sicht. Der Krieg im Iran treibt die Zahlen noch weiter in die Höhe. Ausländische Gläubiger – Schweden, Dänemark, Indien und Dutzende andere – bauen still und leise ihre Bestände an US-Staatsanleihen ab. Der alte Trick, Schulden durch die Ausgabe neuer Schulden zu refinanzieren, verliert zunehmend an Wirkung. Wie sieht also der Plan aus? Nicht die Schulden zu beheben, sondern das System, das sie verursacht hat, durch etwas Schlimmeres zu ersetzen: die Tokenisierung von Real World Assets (RWA). Im März 2026 erklärte der CEO von BlackRock, dass »die Tokenisierung aller Vermögenswerte« keine Zukunftsvision mehr sei. Sie findet bereits statt. Immobilien, Aktien, Anleihen – all das wandert auf die Blockchain-Infrastruktur. Im Januar forderte er eine einzige globale Blockchain, um alle Vermögenswerte weltweit abzuwickeln. Am 11. März flog er nach Washington, um seine Argumente direkt vor den politischen Eliten vorzubringen.“
Des Weiteren bietet ein solcher Krieg natürlich auch eine sehr willkommene Gelegenheit, die eigentlichen (System-)Ursachen einer Rezession, die sich ohnehin schon abzeichnete, zu verschleiern: Der Iran ist alles schuld! Der Krieg ist die Ursache! Nein. Wie Courtenay Turner in einem ihrer letzten Artikel treffend feststellte, ist Krieg nicht nur „der effizienteste Abrissunternehmer“, sondern, wie ich hinzufügen möchte, auch ein sehr begabter Maskenbildner oder, wenn man so will, „Special Effects-Techniker“: Lass es im Vordergrund ordentlich krachen, dann achtet niemand mehr darauf, wohin genau hinter den Kulissen die Verkabelung eigentlich führt …
Und ganz selbstverständlich – muss ich es überhaupt noch erwähnen? – wird dieser Krieg (Überraschung!) auch dazu genutzt, dem geneigten Erdenbürger die Dringlichkeit der „Klimapolitik“ aka „Nachhaltigkeitsagenda“ aka „Großer Reset“ aka „Build Back Better“ etc. noch einmal vor Augen zu führen. So zwitscherte UN-Generalsekretär António Guterres am 23. März im Fahrwasser des Irankrieges:
„In diesem Zeitalter des Kriegs führt unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu einer Destabilisierung des Klimas, der Weltwirtschaft und der globalen Sicherheit. Mehr denn je müssen wir den gerechten Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen.“
So siehst Du aus. Psssst: Die Weltwirtschaft war eh schon destabilisiert und volatil genug. Nicht erst der Irankrieg hat sie destabilisiert. Das erinnert doch auffällig an das Geschwätz zu Covid-Zeiten, als es ebenfalls hieß, die „Pandemie“ habe eine Rezession ausgelöst (= Bullshit). Mal ganz zu schweigen von der wichtigsten Frage hier: Wer hat diesen Krieg denn bitte begonnen? Und, das versteht sich von selbst, mal wieder unter Verwendung von „Fake-News“? Der Iran stelle eine Bedrohung für Amerika dar. Sure. So wie der Irak oder Afghanistan, ne. Der Iran, der in der Region umgeben ist von so vielen US-Militärbasen, dass selbst ein leiser iranischer Furz Richtung USA die sofortige Plättung des Landes zur Folge gehabt hätte.
Washington begann diesen Krieg. Das 40 Billionen Dollar Schulden hat. Vierzigtausend Milliarden. Doch bevor man den heimischen Bürgern erklären muss, dass man den Bogen ganz einfach überspannt hat und diese Krise hausgemacht ist, sind natürlich die Mullahs alles schuld. Und das sage ich als jemand, der ganz sicher kein Freund dieses Regimes ist.
Doch sollte man seinen Blick nicht zu sehr auf solche Aspekte beschränken, auch wenn sie richtig sind. Was höchstwahrscheinlich bald folgen wird, sind „Rationierungen“, oder mit anderen Worten: technokratisches Ressourcenmanagement, wie es, siehe oben, schon immer auf der Wunschliste stand. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat bereits einen Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht, um das Alltagsverhalten der Menschen in dieser Hinsicht, sagen wir mal, umzugestalten. Wie sieht der Plan namens „Sheltering from Oil Shocks“ aus, der „Regierungen, Unternehmen und Individuen“ durch die (Poly-)Krise „beratend“ zu geleiten gedenkt? Türlich türlich:
„Die Internationale Energieagentur ruft dazu auf, den Ölverbrauch zu senken, indem man vermehrt von zu Hause aus arbeitet, weniger fliegt und langsamer fährt.“
Ach ja, und sollte das alles noch immer nicht reichen, um allen Menschen des Planeten erfolgreich die, wie BlackRock-Chef Larry Fink sich ausdrückte, „Umtopfung“ des Systems in das globale „Hauptbuch“ zu verklickern und doppelplusgute Rationierungen zur Erreichung des 2.14537-Grad-Ziels schmackhaft zu machen, kann man ja an der Eskalationsschraube drehen:
„Mit Angriffen der Huthi-Miliz auf Israel wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Iran-Krieges. Die Islamisten könnten eine weitere wichtige Meerenge blockieren und damit weltweite Lieferketten stören – nicht nur bei Öl und Gas.“ („Welt“, „Huthi-Miliz tritt in Iran-Krieg ein – Experte fürchtet Blockade im Roten Meer“, 28.3.2026).
Bis zur nächsten Wochenration.
Quellen:
WELT - Aktuelle Nachrichten, News, Hintergründe & Videos
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