Nahostkonflikt: USA und Iran lehnen gegenseitige Forderungen ab
Spannungen verschärfen sich
Zwischen den USA und Iran stocken die indirekten Verhandlungen über ein Ende des Kriegs im Nahen Osten erneut. Beide Seiten weisen die Vorschläge der jeweils anderen zurück: Trump nennt die iranische Antwort „dämlich“ und hält die Waffenruhe für extrem brüchig, Teheran spricht von „psychologischer Kriegsführung“ und bestreitet, dem Abtransport von hoch angereichertem Uran zugestimmt zu haben. Im Raum stehen Forderungen nach Reparationen, das Ende von Sanktionen, die Freigabe iranischer Vermögenswerte und die Frage nach der Kontrolle über die Straße von Hormus.
Es ist eine hübsch absurde Vorstellung: Zwei Machtapparate, die ihren Streit über Leben, Eigentum und Handelswege der ganzen Region ausbreiten, verhandeln nun darüber, wer wem wie viel „zu zahlen“ habe. Als wäre Krieg ein besonders teures Missverständnis unter Geschäftsleuten. Tatsächlich ist er die logische Folge von staatlicher Großmannssucht, die am Ende immer dieselben Spuren hinterlässt: Tote, zerstörte Infrastruktur und eine politische Kaste, die den Scherbenhaufen als Stärke verkauft.
Trump redet von einer Waffenruhe mit „einer Überlebenschance von etwa einem Prozent“. Das ist unfreiwillig ehrlich. Denn Feuerpausen zwischen Staaten sind oft nichts als eine Atempause für die nächste Eskalation. Heute beschimpft man sich, morgen verhandelt man, übermorgen wird wieder gedroht. Der Tonfall ist variiert, das Prinzip bleibt: Macht wird nicht beendet, sondern verwaltet. Und die Menschen vor Ort sollen sich bitte damit abfinden, dass ihr Alltag vom Launenwechsel der Herren in Washington und Teheran abhängt.
Besonders aufschlussreich ist der Streit um das Uran. Der eine behauptet, der andere habe zugestimmt, der andere bestreitet alles und nennt es Propaganda. Das ist der diplomatische Hofstaat der Gegenwart: Jede Seite versucht, sich als vernünftig, die Gegenseite als unzuverlässig darzustellen. Für Außenstehende ist das unerquicklich, für die Betroffenen gefährlich. Denn wer über „Souveränität“ redet, während er Raketen, Sanktionen und Blockaden in Anschlag bringt, betreibt keine Friedenskunst, sondern Erpressung mit höflichen Vokabeln.
Auch die Forderung nach Reparationen passt ins Bild. Kriegsschäden entstehen nicht durch Selbstheilungskräfte, sondern durch Entscheidungen von Machteliten. Wer diese Schäden anrichtet, sollte haften; aber bei Staaten wird aus Verantwortung sofort ein geopolitisches Possenspiel. Statt Ordnung durch freiwilligen Austausch gibt es Zwang, Sanktionen und Drohkulissen. Dann wundert man sich über Misstrauen. Wahrlich erstaunlich.
Die Straße von Hormus ist dabei mehr als ein strategischer Engpass. Sie ist ein Symbol dafür, wie sehr staatliche Kontrolle über Handelswege die ganze Welt in Geiselhaft nimmt. Freiheit des Handels wäre die langweilige, vernünftige Lösung. Stattdessen bekommen wir das übliche Theater aus Drohung, Vergeltung und nationaler Eitelkeit. Wer Frieden will, sollte nicht den nächsten Machthaber um einen besseren Deal bitten, sondern dem ganzen Machtkartell den Respekt verweigern, den es so unverschämt einfordert.
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