23. April 2026 22:00

Handelsbeziehungen China importiert Rekordmenge an US-Ethan

... weil der Iran-Krieg die Versorgung mit Naphtha und Flüssiggas abwürgt

von Tyler Durden drucken

Energieimport: Symbol für Chinas steigenden US-Ethan-Import
Bildquelle: e-Redaktion Energieimport: Symbol für Chinas steigenden US-Ethan-Import

Vor einem Jahr, in den unmittelbaren Folgen von Trumps „Liberation Day“-Zöllen, gab es eine Flut von Diskussionen darüber, wer von wem stärker abhängig ist: die Vereinigten Staaten von chinesischen Seltenen Erden oder China von der US-Ethanproduktion – siehe „Chinese Plastics Factories Face Mass Closure As US Ethane Supply Evaporates“ und „Who Blinks First? China May Exempt Tariffs On US Ethane & Other Goods“. Nach der Entspannung im Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China geriet diese Debatte jedoch stillschweigend ins Hintertreffen. Nun ist die Zeit gekommen, sie erneut aufzugreifen.

Denn da der Krieg mit dem Iran die traditionellen – und entscheidenden – Lieferungen abwürgt, wird China in diesem Monat voraussichtlich eine Rekordmenge an US-Ethan importieren, während petrochemische Produzenten verzweifelt nach alternativen Rohstoffen für ihren Betrieb suchen.

Laut der chinesischen Beratungsfirma JLC dürften die Lieferungen von US-Ethan im April auf ein Allzeithoch von 800.000 Tonnen steigen. Das wäre etwa 60 Prozent mehr als der monatliche Durchschnitt. Einige Unternehmen können auf Ethan umstellen und so Störungen bei der Versorgung mit Naphtha und Liquefied Petroleum Gas (LPG, Flüssiggas) aus dem Nahen Osten ausgleichen, nachdem die Straße von Hormus faktisch geschlossen wurde.

Ethan ist ein Erdgasprodukt, das vor allem zur Herstellung von Ethylen verwendet wird – einem zentralen Grundbaustein für Kunststoffe. China ist bei der Versorgung fast vollständig von den Vereinigten Staaten abhängig. Das Produkt wurde im vergangenen Jahr zu einem politischen Zankapfel zwischen Peking und Washington, nachdem die Vereinigten Staaten in einem erbitterten Handelskrieg ihre Exportkontrollen verschärft hatten.

Das bedeutet natürlich, dass der US-Präsident, sollte Xi bei seinem bevorstehenden Gipfeltreffen mit Trump die Karte der Seltenen Erden spielen, einfach zurückschlagen könnte, indem er Chinas Kunststoffindustrie stilllegt.

US-Ethan ist für Chinas Ethylenhersteller zur bevorzugten Alternative geworden, weil das Angebot stabil ist und die Kosten niedriger sind, sagte Shi Linlin, Analystin bei JLC. Der Gewinn bei der Herstellung von Ethylen aus Ethan habe am 15. April beim Zehnfachen dessen gelegen, was sich mit Naphtha erzielen lasse, das durch die an Rohölpreise gekoppelte Preisbildung verteuert worden sei, so JLC.

Ein Ausbau der nachgelagerten Produktionskapazitäten hat zudem zu einer steigenden Nachfrage nach dem Gas geführt. Eine neue Ethan-Anlage der Wanhua Chemical Group sowie eine Multi-Feed-Crackeranlage von Sinopec Ineos (Tianjin) Petrochemical Co. hätten in diesem Jahr beide zu höheren Importen beigetragen, fügte Shi hinzu.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erklärte vergangene Woche, dass „petrochemical feedstocks display the most immediate effects of the war by far“ und dass die Lieferketten nach Asien in „disarray“ geraten seien. Japan war gezwungen, hektisch nach Naphtha zu suchen, und griff dabei auf eine Reihe von Lieferanten zurück, darunter aus den Vereinigten Staaten und aus Afrika.

Im Februar, also kurz vor Beginn des Krieges, stammten laut Daten der chinesischen Regierung mehr als 50 Prozent von Chinas Naphtha-Importen und mehr als 40 Prozent seiner Käufe von Flüssiggas aus Staaten am Persischen Golf. Diese Lieferkette ist nun so lange unterbrochen, wie die Straße von Hormus blockiert bleibt. Und obwohl China möglicherweise über gewaltige strategische Erdölreserven von 1,5 Milliarden Barrel verfügt, hat es weder Naphtha noch Ethan auf Lager. Das bedeutet, dass seine Kunststoffindustrie plötzlich sehr verwundbar ist.

„Die Störung rund um die Straße von Hormus hat sehr deutlich gemacht, wie stark Asien von Naphtha aus dem Nahen Osten abhängig ist“, sagte Amber Liu, Leiterin des Bereichs Asia Petchem Analytics bei ICIS. In diesem Jahr hätten mit Naphtha betriebene Cracker etwa 57 Prozent von Chinas Ethylenkapazität ausgemacht, verglichen mit 16 Prozent bei Ethan, sagte sie.

Chinas Kaufrausch bei Ethan kommt im Vorfeld des geplanten Besuchs von Präsident Donald Trump in Peking Mitte Mai, und US-Energie dürfte Teil der Agenda sein. Das Thema könnte eine prominente Rolle spielen, falls sich der Krieg mit dem Iran weiter hinzieht.

Information: Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von zerohedge.com zur Übersetzung bereitgestellt.


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