Epischer Wokismus: Nolans „Odyssee“ als Reviermarkierung der neuen Herrscherklasse
Eine von der „Kritischen Theorie“ eingenomme Filmindustrie setzt uns ein weiteres wokes trojanisches Pferd vor die Nase
Schon wieder wird Hollywood mit epischem Wokismus sein Publikum vergraulen. Großprojekte wie Christopher Nolans im kommenden Juli herauskommende „Odyssee“ sind nicht dazu da, Geld zu verdienen. Sie dienen stattdessen als Reviermarkierungen der neuen Herrscherklasse angesichts einer für sie gefährlichen populistischen Unruhe innerhalb ihres Territoriums.
Im vergangenen Jahr legte die US-amerikanische Filmindustrie mit einer neuen Version von Disneys „Schneewittchen“ finanziell und reputationsmäßig einen gewaltigen Bauchklatscher hin. Hunderte Millionen Dollar wurden in den Sand gesetzt, weil der neue Streifen eine woke Botschaft rüberbringen sollte: Selbstverständlich kann eine Latina Schneewittchen spielen. Herkunft und kultureller Kontext der Ursprungsgeschichte spielen keine Rolle. „Kulturelle Aneignung“ ist eine Freveleinbahnstraße. Selbstverständlich kann das verstoßene und vom Tode bedrohte Prinzesschen eine emanzipierte Frau sein, die die Zwerge, bei denen sie Unterschlupf findet, anhält, ihren Haushalt gefälligst selber sauber zu halten. Selbstverständlich können die Zwerge von höchst diversen Männern gespielt werden, nur nicht von real in der Vertikalen etwas kurz geratenen Personen.
Als letzterer Umstand noch vor Herausgabe durchgestochen wurde, war der Film eigentlich schon wie durch Blattschuss erledigt. Aber Disney hörte den Schuss nicht und ersetzte die realen, sehr unzwergigen Zwergdarsteller schnell durch computeranimierte zwergähnliche Figuren. Die Grundzüge der Märchenverfälschung blieben bestehen. Der Medienkonzern ließ außerdem die Hauptdarstellerin auf die Öffentlichkeit los, wo sie verkündete, in der alten Version von 1937 – der erste Animationslangfilm der Welt, noch dazu in Farbe, der historische Durchbruchserfolg der Firma – sei der Prinz ein „Stalker“ gewesen. Das Ergebnis: Laut Wikipedia schätzt man, dass Disney mit diesem Machwerk einen Verlust von 115 Millionen Dollar eingefahren hat.
Doch Hollywood hat aus seinem woken Megaflop nicht gelernt. Oder es glaubt, nicht lernen zu müssen. Denn nun ist einiges über den demnächst erscheinenden Film über die Odyssee bekannt geworden. Kein Geringerer als Christopher Nolan, der kürzlich unter anderem mit dem Film über den Atombombenentwickler Robert Oppenheimer brillierte, führte hier Regie.
Nun, da der Trailer raus ist, kommt das Gerücht auf, dass die Figur des Achilles von Transmann Elliot Page gespielt wird. In der Sage über den Trojanischen Krieg, welcher der Odyssee vorgelagert ist, ist Achilles der gefürchtetste aller griechischen Krieger. In gewisser Weise ist er der griechische Siegfried. Beziehungsweise Siegfried ist der deutsche Achilles. Beiden wurde aufgrund eines Bades in einer magischen, den Tod symbolisierenden Flüssigkeit eine – fast – vollständige Unverwundbarkeit zuteil. Genau diese Ausnahme wurde jeweils beiden zum Verhängnis. Eine solche, von Männlichkeit strotzende Symbolfigur wird möglicherweise im neuen Film durch eine Transperson dargestellt, die physiognomisch wie ein Schwachmat erscheint. Wie gesagt, im Moment ist das noch ein Gerücht. Zuzutrauen ist es „denen“ jedoch. Wenn wahr, dann lautet die unterschwellige Botschaft: Männer und Frauen sind nicht nur gleichzustellen, sondern ununterscheidbar gleich. Basta.
Helena – nach altgriechischer Vorstellung die schönste Frau der Welt, aufgrund derer Entführung die zehnjährige Belagerung und schließlich Vernichtung Trojas in Gang gesetzt wurde – wird von einer Schwarzen gespielt. Kann man ja machen. Die rassistische Botschaft dahinter: Es ist besser für die Welt, wenn die Weißen verschwinden. Basta.
Ein bekannter Rapper spielt einen Barden. Kann man ja machen. Nolan selbst erklärte dazu, diese Besetzung sei ein Hinweis darauf, dass die Odyssee ursprünglich als mündliche Dichtung überliefert wurde, was mit Rap vergleichbar sei. In der Tat: Wo der Wokismus diktiert, dass Grenzen, Unterschiede, Anstand und Hierarchien immer und überall missachtet werden müssen, kann man gegenwärtigen Rap auch mit Jahrtausende alter antiker epischer Erzählung gleichsetzen. Basta.
Nolan soll als Grundlage für den Film eine neue englische Übersetzung der klassischen Sage herangezogen haben. Die Verfasserin davon heißt Dr. Emily Wilson. In Videoclips sieht man die Altphilologin über die „Heteronormativität“ und „Misogynie“ des Originals und der bisherigen, allesamt von Männern verfassten Übersetzungen klagen. In der Einführung zu ihrer Version nennt sie das Verhalten des Odysseus „problematisch“, berichtet ein Rezensent. Wie Achilles repräsentiert Odysseus also „toxische Maskulinität“. Die wollte Wilson offenbar der alten Sage austreiben und sie völlig neu „imaginieren“. Frauen hingegen werden erhöht. Aus „elende Schlampe“ wird bei Wilson „Geliebte“ („suitor“), berichtet ein weiterer Rezensent. Helena klagt nicht mehr am Ende der ebenfalls von Wilson übersetzten Ilias, dass die ganze Tragödie des trojanischen Krieges ihre Schuld sei. Und nun bringt die Filmindustrie ausgerechnet ihre Interpretation der Odyssee auf Zelluloid.
Der Film hat laut Wikipedia ein Budget von 250 Millionen Dollar. Das, was davon bisher bekannt ist, wird derzeit in den sozialen Medien geschreddert. Warum riskiert Hollywood schon wieder einen woken finanziellen und reputationsmäßigen Megaflop?
Die Antwort liefert uns ein Blick auf die Ursprungsideologie des Wokismus, die sogenannte „Kritische Theorie“ (KT) der sogenannten Frankfurter Schule. Sowohl ihre Vorgängerideologie, der Marxismus, als auch die KT selbst sahen beziehungsweise sehen in der westlichen Zivilisation mit ihren zwei tragenden Säulen Christentum und griechisch-römischer Kultur eine zu überwindende, ja zu vernichtende Hürde auf dem Weg zur Utopie des globalen Kommunismus beziehungsweise, im Fall der KT, einer Gesellschaft der strukturlosen Freiheit der menschlichen Persönlichkeit.
Der Marxismus glaubte, der Mensch könne die gegebene Realität zu seinen Gunsten umgestalten. Die KT dagegen versteht die Realität keinesfalls als „gegeben“. Stattdessen greift sie unsere tatsächliche Beschränktheit auf, in Bezug auf die Fähigkeit, Realität objektiv wahrzunehmen. Auf dieser durchaus zutreffenden Basis negiert sie jedoch jegliche objektive Realität völlig. Sie behauptet, dass jeder Glaube an eine gegebene Realität ein soziales Konstrukt sei. Ein Konstrukt, das allein der Herrschaftsausübung einiger weniger und Unterdrückung aller anderen dient. Macht sei der einzig wahre Antrieb des Menschen, schließt die KT. Hierarchien – nicht nur von Personen, sondern auch von Werten – dienen den Menschen nicht etwa dazu, sich in der Welt zurechtzufinden und Rat von jenen zu suchen, deren Urteilskraft sie vertrauen, sondern seien allein dazu da, um Machtausübung zu sichern und zu verfestigen. Die KT verneint, dass wir uns mittels Forschung und Erfahrungssammlung der objektiven Wahrheit annähern und unser Leben einer Optimierung zuführen können. Sie verneint schlicht die Existenz einer objektiven Wahrheit.
Daher der Glaube der KT, die Kategorien zum Beispiel von „Mann“ und „Frau“, „männlich“ und „weiblich“ seien unterdrückerische Konstrukte, die es, auf dem Weg zur „echten“ Freiheit, notwendigerweise zu dekonstruieren gilt. Wer da nicht mitmacht oder sich dem gar widersetzt, ist ein Büttel einer altüberkommenen unterdrückerischen Gesellschaftsstruktur und somit quasi vom Teufel. Da die KT leugnet, dass zum Beispiel Aufopferungswille und Nächstenliebe ebenso wie das Machtstreben zu den Grundantrieben menschlichen Verhaltens gehören, steht ihren Fürsprechern der Hass, den sie anderen vorwerfen, oft buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Oder in ihren Werken, zum Beispiel in einer Übersetzung eines klassischen Textes eines toten weißen Mannes, der bisher nur von anderen toten weißen Männern übersetzt worden ist.
Dass der Wokismus und die KT so irrational rüberkommen, empfinden deren Fürsprecher gar nicht als Schwäche, im Gegenteil. Anders als im Marxismus, der sich was auf seine vermeintliche Wissenschaftlichkeit und Rationalität in der Tradition der Aufklärung einbildete, ist Irrationalismus in der KT „a feature, not a bug“ – ein Wesensbestandteil, kein unbeabsichtigter Fehler. Denn, wie gesagt, Realität ist laut der KT nicht gegeben, sondern vollständig konstruiert und somit nach Belieben formbar. Wenn diese Realität irgendwem irgendwo körperlich oder psychisch wehtut, muss also sträfliche Nachlässigkeit, wenn nicht gar böse Absicht dahinterstehen.
In seinem neuen Buch „Think Christianly“ schreibt der Theologe Dr. Joseph Boot über die KT, dass diese Bewegung aus „der Desillusion mit der der Aufklärung spezifischen Form des Rationalismus und der daraus entstandenen Kultur“ erwuchs. Weiter führt er aus: „Für alle Anhänger der Kritischen Theorie ist die westliche Zivilisation mit ihrer historisch christianisierten Gesellschaftsordnung ein unterdrückerisches Joch, von dem die Menschen befreit werden müssen.“ Die vorangegangene, rationalistische „Befreiung“ des Menschen vom Christentum in der Aufklärung habe letztlich zu Pessimismus und dem Gefühl der Sinnlosigkeit geführt. Statt diesen Sinn in einer Rückwendung zum Christentum zu finden, werde er stattdessen in einer revolutionären Wendung nach innen hin zu psychologischen und radikal personalisierten „Sinngehältern“ gesucht. Statt in naturwissenschaftlichem Wissen Macht zu sehen, sei laut der KT in der Neuschaffung der Realität revolutionäre Macht zu erlangen.
Die KT ist zu einem gewissen Grad eine verständliche Reaktion auf einen entscheidenden Webfehler der Aufklärung. Nämlich den Reduktionismus, die szientistische Mentalität, alles und jeden auf beherrschbare Quantitäten reduzieren zu können. Der Fehler der KT sei es laut Boot, einfach einen anderen Reduktionismus zu akzeptieren, nämlich den, dass zur Erlangung der Freiheit allein der personalisierte Sinngehalt zählt.
Und so ist der Westen kulturell nun dort gelandet, wo er ist: Alles muss dekonstruiert werden. Christliche Kirchen, schon während der Aufklärung geschwächt, nun durch die KT weitgehend erfolgreich eingeschüchtert, unterwandert, entkernt oder umgepolt, werden von den Kulturrevoluzzern derzeit größtenteils links liegen gelassen. Diese attackieren nun stattdessen jenes andere zentrale kulturelle Standbein der westlichen Zivilisation: das Gedankengebäude der griechisch-römischen Antike.
Hat sich der handwerklich hervorragende Filmregisseur Nolan für ein niederträchtiges Kulturkampfprojekt lediglich instrumentalisieren lassen? Laut Wikipedia ist der Engländer auf die elitäre Privatschule Haileybury gegangen. Dort finden jährlich „Model United Nations“-Simulationen der Arbeit der Vereinten Nationen statt. Ein akademisches Umfeld also, in dem KT-Gedanken mehr als nur gedeihen können. Zudem sind Geisteswissenschaften und Kunst schon lange Beute der KT. Die Absolventen dieser und anderer Schulen, natürlich auch der Universitäten, werden auf eine ahnungslose Öffentlichkeit losgelassen.
Viele Bürger des Westens tragen noch immer internalisierte Wertvorstellungen in sich, die ihre Zivilisation jahrhundertelang aufrechterhielten und ihnen und ihren Vorfahren in größtmöglicher Zahl eine steigende Lebensqualität bescherten. Diesen Werten fehlen aber nun redegewandte, furchtlose und reichweitenstarke Fürsprecher, insbesondere in den Medien, gerade auch in Großformaten wie epischen Filmen. Sie sind von den Geldgebern dieser Medien ausgesiebt worden, offenbar schon in den Schulen. Es fehlen also jene, die diese Werte geistig füttern und somit am Leben halten könnten.
Dieser Zustand wird einen zivilisatorischen Zusammenbruch zur Folge haben, der die Vernichtung Trojas im Großen widerspiegeln wird. Daraufhin wird eine Odyssee jenes Überrests stattfinden, der sich auf einen langen, gewundenen und herausfordernden Weg „nach Hause“, ihren geistigen und geistlichen Wurzeln, begeben will. Dieser Überrest wird ein zusammengewürfelter Haufen sein. Nicht zu ihm gehören werden Leute, die keinen Unterschied erkennen (wollen) etwa zwischen einer „elenden Schlampe“ und einer „Geliebten“. Diese werden stattdessen zwischen Skylla und Charybdis zerrieben oder zu Hausschweinen bezirzt werden, Sirenengesängen verfallen oder möglicherweise Zyklopen als Nahrung dienen.
Quellen:
Woke Librarians Attacking Homer's The Odyssey With Anti-PATRIARCHY Translation - YouTube
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