Gewerkschaft der Polizei: Jede dritte Wache ist marode
Zwischen Anspruch und Realität
Die Gewerkschaft der Polizei beklagt, daß bei der Bundespolizei offenbar jede dritte Dienststelle erhebliche Mängel hat oder marode ist. Genannt werden tropfende Decken, Schimmel, Ungeziefer, fehlende Büros, Unterkünfte und Parkflächen. Die GdP fordert Geld für Sanierungen, Neubauten und bessere Unterkünfte und will dazu in dieser Woche eine Kampagne starten.
Natürlich nur zu unserem Besten, heißt es dann immer, wenn der Staat seine eigene Hausmeisterrolle wieder einmal nicht im Griff hat. Während in Berlin von „moderner Sicherheitsarchitektur“ geredet wird, stehen Beschäftigte in Wachen mit Eimern unter der Decke. Das ist keine Pointe, sondern der Alltag einer Institution, die erst Anspruch auf allgegenwärtige Ordnung erhebt und dann bei der eigenen Infrastruktur an tropfenden Rohren scheitert.
Man muß sich diese Logik auf der Zunge zergehen lassen: Mit großem Ernst wird über Sicherheit gesprochen, als wäre sie ein technisches Meisterwerk aus Ministerium, Strategiepapier und Pressetext. In der Wirklichkeit fehlt es an Dächer, Sozialräumen und funktionierender Infrastruktur. Der Bürger soll Respekt vor einer Ordnung haben, die schon an ihren eigenen Gebäuden scheitert. So sieht Fürsorge aus, wenn sie ein Formular trägt.
Die GdP nennt Sanierungen eine Frage von Motivation und öffentlicher Sicherheit. Das ist nachvollziehbar. Wer in schimmelnden, überalterten und schlecht ausgestatteten Dienststellen arbeiten muß, bekommt weder Lust auf Dienst noch Vertrauen in den Laden. Aber genau darin liegt das eigentliche Problem: Nicht zu wenig Pathos, sondern zu viel zentrale Zuständigkeit bei zu wenig funktionierender Verantwortung. Wenn am Ende jede dritte Wache marode ist, dann ist das kein Betriebsunfall. Dann ist es ein Symptom der üblichen politischen Prioritätensetzung.
Für Prestigeprojekte und neue Schlagworte findet sich in der Regel immer irgendwo Geld und Aufmerksamkeit. Bei Erhalt und Alltagspflege wird es plötzlich kompliziert, langwierig, vertagt. Die Bürokratie entdeckt ein Problem, das ohne sie deutlich kleiner wäre, und fordert dann mehr Mittel, um das Ergebnis ihrer eigenen Vernachlässigung zu reparieren. Elegant. Fast schon bewundernswert in seiner Schlichtheit.
Besonders aufschlußreich ist der Ton der Forderung: bessere Unterkünfte, bessere Sozialräume, bessere Umkleiden, bessere Infrastruktur. Das klingt nach Mindestmaß, nicht nach Luxus. Gerade deshalb wirkt der marode Zustand so entlarvend. Wer den Anspruch auf Kontrolle und Sicherheit hat, aber nicht einmal seine eigenen Dienststellen in ordentlichem Zustand hält, sollte mit Belehrungen über „öffentliche Sicherheit“ etwas sparsamer sein.
Am Ende bleibt der bekannte Befund: Der Apparat verlangt mehr Geld, um den Verschleiß seiner eigenen Unordnung zu verwalten. Der Bürger zahlt, die Wachen tropfen weiter. Das nennt man dann Reform.
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