02. Juni 2026 18:00

Politik/Wirtschaft Die Rechten scheitern am fehlenden Extrem

Libertäre finden ebenfalls keinen verbindlichen Anker

von Sascha Blöcker drucken

Grok
Bildquelle: Eigenes Bild Grok

Selten verlasse ich mein geliebtes Feld der Filmkritiken, aber heute möchte ich mal darüber schreiben, wie ich die Welt betrachte, rund um Links, Rechts und Libertär. Um das zu erörtern, werde ich Ideen angreifen, die sich in Deutschland manifestiert haben. Ganze politische Einordnungen und Vorstellungen, die allein auf den Handlungen einer einzelnen Person und deren Nachahmern beruhen. Ich möchte ihnen versuchen darzulegen, warum es bei Rechten kein Störgefühl auslöst, wenn sich offen sozialistische Kräfte bei ihnen einnisten. Das galt für das politische Vorfeld der AfD ebenso wie für die Partei selbst. Den Rechten fehlt das Extrem. Die Rechten scheitern, nicht nur, weil sie keine Extrem haben, sondern weil sie nicht mal einen Extremismusbegriff haben. Auch uns Libertären fehlt ein Extrem. Was allerdings nichts Schlimmes ist, sondern nur die logische Konsequenz unserer Überzeugung. Welcher Extrem uns und den Rechten fehlt und warum die Liken die einzige politische Richtung mit einem vollständigen Katalog an Extremen ist, erkläre ich in diesem Artikel.

Warum macht die CDU jetzt linke Politik und warum zieht die AfD nach?

Warum macht die CDU linke Politik? Nun, das ist relativ einfach. Sie ist nicht wirklich rechts, sie ist eine formbare Masse, die mittlerweile über sich selbst sagt, dass sie die Partei des Kompromisses ist. Sie ist weder rechts noch links, sie ist ausschließlich postenorientiert. Bei der AfD ist das Ganze schon erheblich spannender. Die AfD ist eine rechte Partei. Es ist nicht lange her, da habe ich die politische Welt in Gesellschaftspolitik und Wirtschaftspolitik unterteilt. Davon sehe ich inzwischen ab und das tue ich, weil ich erkannt habe, dass ich (und viele andere) das Extrem der Libertären bin. Ich als Anarchist bin das wirtschaftliche Extrem der Libertären, eine Position, die sich in Form eines Minimalstaats aufweicht, in der Gestalt, dass der Staat, der bei allem versagt, von nun an nur noch bei den wichtigsten Feldern versagen soll. Simpel formuliert: Mein Extremismus sagt 100 Prozent Markt und 0,0 Prozent Staat.

Die Linken hingegen

Die Linken hingegen möchten in Form von Heidi Reichinnek ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn, das sich zu 100 Prozent in Staatsbesitz befindet, noch verstaatlichen. Wenn wir uns kurz dem Humor zuwenden wollten, so könnte man sagen, der Wirtschafts-Extremismus von links will die Deutsche Bahn zu 200 Prozent in Staatsbesitz sehen. Natürlich handelt es sich beim linken Wirtschaftsextremismus um die Vorstellung, dass Unternehmen zu 100 Prozent in Staatsbesitz sein sollten. Es ist Teil der sozialistischen Vorstellung. Und auch wenn du, werter Leser, es längst weißt, so kann ich es nicht unerwähnt lassen. Dieser Weg führt zu Kindern, die für deutlich zu wenig Essen stundenlang Schlange stehen müssen.

Und die Rechten?

Wie genau gestaltet sich denn der Wirtschaftsextremismus der Rechten? Ich höre die eine Hälfte von ihnen sagen: „Vielleicht hat er da einen Punkt“ und die andere Hälfte sagt: „Der Minimalstaat ist das rechte Wirtschafts-Extrem.“ War Adenauer ein Rechter? Zweifellos war er das, aber in seinen Anfangsjahren hatte die CDU noch den sogenannten „christlichen Sozialismus“ im Parteiprogramm. Der Fairness halber kursieren Geschichten darüber, dass Adenauer selbst nicht ganz happy mit der christlich-sozialistischen Ausrichtung war. Getragen hat er es dennoch. Die CDU hat die Marktwirtschaft erst dann zu ihrer gemacht, nachdem Ludwig Erhard damit die deutsche Wirtschaft in unerwartete Höhen katapultierte. Dies tat er gegen den Willen des Volkes, gegen den Willen der Amerikaner, gegen den Willen der CDU und gegen den Willen seines Kanzlers Konrad Adenauer. Im Nachhinein wollte es natürlich jeder in der CDU schon vorher gewusst haben. Fakt ist: Ludwig Erhard stand in Kontakt mit Ludwig von Mises. Seine Handlungen entsprechen dessen Schriften. Das „Wirtschaftswunder“ wurde von einem Libertären veranlasst, der zu diesem Zeitpunkt kein CDU-Mitglied war. Man schreibt es den Rechten zu, aber sie haben damit rein gar nichts zu tun. In den Folgejahren bis heute wurde die CDU zunehmend marktfeindlich und Deutschland ging Stück für Stück den Bach runter. Dann wurde eine neue Partei gegründet und man nannte sich AfD. Gegründet von Professoren mit ökonomischem Sachverstand und einem Verständnis von dem, was Ludwig Erhard tat. Heute ist eben diese AfD die größte deutsche Rechte-Partei und gemessen an der Gründung wird damit der Mythos gefüttert, rechts hätte ein gesundes Marktverständnis. Inzwischen findet innerhalb der AfD ein Kampf statt, der sich so gestaltet, dass Geschichtslehrer mit ihren Wachsmalstiften im Wirtschaftsteil des Parteiprogramms rumkritzeln. Wer es nicht glaubt, sollte sich mal Höckes dilettantischen Versuch eines Rentenprogramms ansehen. Dass ein bekennender Vertreter des preußischen Sozialismus sich in der AfD wohlfühlt und beliebt ist, findet seinen Ursprung in dem Mangel eines wirtschaftlichen Extrems, von dem man in leichten Abstufungen eine grobe Marschrichtung ableiten könnte.

Gesellschaftspolitik

Gesellschaftspolitisch haben wir Libertären nichts vorzuweisen und das ist gut so. Ich suche mir meine Gesellschaft alleine aus und was die anderen tun, geht mich nichts an. Wir pflegen nicht, den Menschen nach unseren Vorstellungen zu formen. Die Linken haben natürlich einen gesellschaftspolitischen Extremismus und diesen brauchen sie auch, da es den neuen Menschen benötigt, um die zum Scheitern verurteilte Wirtschaftspolitik aufrechtzuerhalten. Das Nicht-Einfügen in die gesellschaftlichen Vorstellungen endet sehr gerne hinter Zäunen oder hinter Gittern. Wenn nichts funktioniert und es nur Mängel zu beklagen gibt, dann sollte doch wenigstens der Mensch nach meinen Vorstellungen handeln.

Das rechte Thema

Die Rechte inszeniert und definiert sich in ihrer Gesamtheit ausschließlich über die Gesellschaft. Sie alle haben eine klare Vorstellung davon, wie andere leben sollten. Mal weniger, mal mehr. Von ziemlich freiheitlich, aber bitte mit weniger Ausländer, bis zum Blick in die Schlafzimmer und ganz ohne Ausländer finden sich hier die verschiedensten Vorstellungen. Und ich sag ihnen was. Ich lebe mein Leben nach relativ konservativen Vorstellungen. Ich tue dies allerdings, weil ich das für mich als das Beste erkannt habe. Die Natur ist nicht links, wie Fair-Talk-Moderator Christian Schneider zu sagen pflegt. Damit hat er auch verdammt nochmal recht. Aber die Natur lässt sich auch langfristig nicht kontrollieren. Wenn ich also aus freien Stücken konservativ lebe, dann tue ich das gerne. Wenn sich aber die politischen Vorstellungen eines Shlomo Finkelstein durchsetzen, dann ist es meine Pflicht, dagegen zu rebellieren. Insbesondere deswegen, weil ein konservativer Lebensstil zwar durchaus attraktiv ist, wenn man die 30 ins Auge fasst, aber zwischen 14 und 16 darf das Leben gerne auch ein paar Abenteuer beinhalten. Zumindest wünsche ich mir das auch für meine Söhne. Sie sollen unter keinen Umständen in einem Umfeld aufwachsen, in dem der pure Gedanke an Zweisamkeit zwischen Mann und Frau eine Verkrampftheit auslöst, dass es nur ein Stück Kohle zwischen den jeweiligen Arschbacken bräuchte, um einen lupenreinen Diamanten zu pressen. Für den Rechten ist jede Form von Politik nur ein Tool, um klempnerisch an der Gesellschaft tätig zu werden. Die Ideen drumherum sind austauschbar. So hat sich Shlomo den YouTuber Agitator der zentralen Planwirtschaft (eigentlich Agitator der sozialen Marktwirtschaft) an die Seite geholt, da dieser ihm verspricht, dass jede Summe, welche er für seine klempnerischen Vorhaben benötigen würde, einfach gedruckt werden könne. „Glauben Sie mir, Herr Finkelstein, das wird sich in keinster Weise negativ auf die Gesellschaft auswirken.“ Alles außerhalb der Geschäftspolitik ist für die Rechten beliebig und austauschbar. Es fehlt der Anker, es fehlt am Extrem.

Fazit

Das Extrem dient als Anker. Wenn dieser Anker fehlt, dann kann das Schiff überall enden. Was gesellschaftspolitisch kein großes Problem ist, solange ich vermeiden kann, in irgendeiner Art und Weise mit den dysfunktionalen Teilen der Gesellschaft verbunden zu sein. Bereits bestehende Verbindungen sind kein Grund, mir mehr Freiheiten zu nehmen, sondern nur ein weiterer Grund, das Zwangskollektiv zu beerdigen. Rechte werden vermutlich nie einen ökonomischen Anker besitzen und am Ende immer in sozialistischen Ideen enden. Der Sozialismus suggeriert Gestaltungsoptionen und von denen können Rechte einfach nicht die Finger lassen. Sozialistische Gestaltungsoptionen ziehen auch sozialistische Gesellschaftsklempner an und wenn die AfD dagegen kein Mittel findet, wird sie unweigerlich zur CDU 2.0. Ihre Unterwanderung ist bereits sehr weit fortgeschritten und im Gegensatz zur FDP haben wir keine genauen Zahlen. Bei der FDP sind es ca. 40 Prozent Sozialisten, aber wie ist es bei der AfD?


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.