17. Juni 2026 14:00

Rechts/Links Der „Überreichtum“ der Milliardäre

Feindbild der Linken ist der Reichtum, nicht die Armut

von Andreas Tögel drucken

Reichtum: Unternehmer als Motor der Innovation
Bildquelle: e-Redaktion Reichtum: Unternehmer als Motor der Innovation

Mangelndes Reaktionsvermögen kann man der Neidgenossenschaft nicht vorwerfen. Kaum katapultiert sich der visionäre Jahrhundertunternehmer Elon Musk durch den Börsengang seines Weltraumunternehmens „SpaceX“ als erster Mensch in die Klasse der Billionäre, kursieren im Netz auch schon Memes der Partei „Die Linke“ mit dem Inhalt „Es sollte keine Billionäre geben“.

„Überreichtum“ sei schädlich und müsse – mutmaßlich nach dem Gutdünken einer linken Räteregierung – verteilt werden. Linke haben, wie es scheint, keine Probleme mit der Armut, deren Beseitigung am besten durch ein marktwirtschaftlich organisiertes System ermöglicht wird, sondern mit dem Reichtum, den besonders begabte Zeitgenossen – wie eben Elon Musk – zu schaffen imstande sind. Inwiefern dieser „Überreichtum“ der Milliardäre (oder des Billionärs Musk) schädlich sein soll, wie von der Linken behauptet wird, liegt im Dunkeln. Ehe nämlich Kapitalakkumulation durch Sesshaftigkeit und die „Erfindung“ des Geldes möglich wurde, lebte die Menschheit von der Hand in den Mund. Erst der Aufbau von Kapital ermöglicht Fortschritte durch die Verwirklichung großer Projekte. Die Jagd auf Milliardäre ist vor diesem Hintergrund absurd. Sie wird durch die Persönlichkeit Elon Musks besonders deutlich, da er sein Vermögen nicht etwa für einen extravaganten Lebensstil verkonsumiert, sondern in technische Innovationen steckt.

Wie Linke ticken, wurde exemplarisch bei einer im Jahr 2020 abgehaltenen Strategiekonferenz der Partei Die Linke deutlich, als eine der Teilnehmerinnen folgendes von sich gab: „…wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben…“ Der damalige Parteichef Bernd Riexinger versuchte einen flügellahmen Rettungsversuch und erwiderte: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein.“ Die beiden Statements verraten das Denken der Nachwuchsbolschewiken, die ihr Utopia, wenn schon nicht nur durch Erschießungskommandos, dann wenigstens mittels Gulags und Zwangsarbeit des Klassenfeindes zu erschaffen gedenken. Unglaublich, dass es nach allen düsteren Erfahrungen mit dem realen Sozialismus immer noch Narren gibt, die ein solches System herbeisehnen.

Karl Marx unterteilte die Menschheit in unternehmerische Ausbeuter und ausgebeutete Proletarier. Zwischen diesen beiden Klassen bestünden Gegensätze, die mittels Gewalt – im Zuge einer Revolution – überwunden werden müssten. Dass sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber wertschöpfend tätig sind und auf derselben Seite der Barrikade stehen, ist ihm nie in den Sinn gekommen. Der wahre Klassengegensatz besteht nämlich nicht zwischen Unternehmern und deren Mitarbeitern, sondern zwischen Produktiven und Unproduktiven. Klassenfeind aller Produktiven, die als Unternehmer und Unselbständige unter Marktbedingungen arbeiten, ist die parasitär lebende Polit-Nomenklatura und die Staatsbürokratie.

Erstaunlicherweise ist die Chimäre von einer Staatsentstehung mittels Gesellschaftsvertrags nicht umzubringen. Staatswerdung war und ist (abgesehen vom Ausnahmefall einer friedlichen Sezession, wie sie 1993 im Fall der einstigen Tschechoslowakei erfolgte) stets ein Gewaltakt, in dem eine Gruppe die andere unterwirft und in der Folge tributpflichtig macht. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass Tribute heute unter den Titeln Steuern und Abgaben firmieren, die nicht mehr an den Adel, sondern an den gefräßigen Wohlfahrtsstaat fließen. Der schon im Ansatz fehlerhafte Klassenbefund, den Karl Marx in seiner schwerfälligen Prosa vorgelegt hat, spukt leider noch heute in den Köpfen der woken Linken.

Im Unterschied zu den Zeiten des unseligen Trierer Scharlatans, als Linke politisch noch nichts zu melden hatten, sitzen sie – den Handlungsanweisungen ihres visionären Vordenkers Antonio Gramsci (1891 – 1937) folgend und nach der 68er-Revolution – heute an allen relevanten Schalthebeln der Macht. Sie sind die herrschende Klasse, die den anderen, die die Arbeit tun (© Helmut Schelsky), nicht nur in ausbeuterischer Manier die Früchte ihrer Arbeit raubt, sondern zudem rigoros vorgibt, was sie zu tun und zu lassen und was sie zu denken und zu sagen haben und was nicht. Ihre Unduldsamkeit kennt dabei kaum Grenzen. Wer nicht spurt, wird mundtot gemacht oder kann sich, falls er etwa durch unbotmäßige Postings in den sozialen Medien auffällt, auf nächtliche Besuche durch die Polizei gefasst machen.

Zurück zum Feindbild Milliardäre: Man braucht kein Experte in Verhaltenspsychologie zu sein, um folgendes festzustellen: Keiner der schärfsten Kritiker des „Überreichtums“ hat jemals etwas geleistet, wofür ein bei Sinnen befindlicher Mensch freiwillig sein eigenes Geld auszugeben bereit wäre. Falls sie überhaupt etwas gelernt haben, sind es Fähigkeiten, für die auf der freien Wildbahn des Marktes keinerlei Bedarf besteht. Wozu sollten beispielsweise Gender- Politik- und Kommunikationswissenschaftler gebraucht werden?

Nur das Vorhandensein eines – trotz inzwischen jahrzehntelanger rotgrüner Umtriebe – immer noch recht produktiven Privatwirtschaftssektors ermöglicht die Existenz dessen, was der bereits weiter oben apostrophierte Philosoph Helmut Schelsky (1912 – 1984) als „Priesterherrschaft der Intellektuellen“ bezeichnet hat.

Die einstige Zweiteilung der arbeitsteiligen Gesellschaft in „Wertproduzenten“ einerseits und „Sinnstifter“ andererseits existiert nicht mehr. Die intellektuelle Elite vermeintlicher Sinnstifter ist in weiten Teilen zu einer steuerfinanzierten Gemeinschaft linker Produzenten galoppierenden Unsinns verkommen – gleich, ob es um Gendergaga, Klimahysterie oder totalitäre Tendenzen in Richtung DEI (Diversity, Equity, Inclusion) geht. Narreteien dieser Kategorien werden niemals von in der Privatwirtschaft tätigen Menschen, sondern ausschließlich von Angehörigen des akademischen Lumpenproletariats in NGOs, Universitäten und deren medialen Echokammern entwickelt. Wem hat jemals ein Tischler, Elektromonteur oder Taxifahrer etwas über die Existenz von 63 Geschlechtern oder die unmittelbar bevorstehende Verkochung der Welt erzählt?

Gottseidank gibt es Multimilliardäre wie Jeff Bezos (Amazon, Blue Origin), Peter Thiel (PayPal, Palantir) oder – in Österreich werden eben kleinere Brötchen gebacken als in den USA – die Familie Porsche/Piech oder Mark Mateschitz (Red Bull). Diese Leute haben ihre Vermögen nicht gestohlen, sondern durch die erfolgreiche Umsetzung der richtigen Ideen erworben – zum Wohle derer, die für sie arbeiten, und derer, die aus freien Stücken ihre Produkte nutzen.

Die sich geistig und moralisch überlegen wähnenden Linksintellektuellen dagegen können nicht den geringsten Nutzen vorweisen, den sie ihren Mitmenschen jemals gestiftet haben.


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