03. Juni 2026 15:00

Wirtschaft Inflation in der Eurozone steigt im Mai auf 3,2 Prozent

EZB vor entscheidender Zinsentscheidung

von Naomi Braun-Ferenczi drucken

Geldpolitik: EZB unter Druck wegen Energiepreisen
Bildquelle: Redaktion Geldpolitik: EZB unter Druck wegen Energiepreisen

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Mai nach erster Schätzung von Eurostat um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Als wesentlicher Treiber gelten höhere Energiepreise infolge des Iran-Kriegs. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Europäische Zentralbank, den Leitzins anzuheben; eine Entscheidung dazu steht in der kommenden Woche an.

Entscheidend ist die Frage der Zuständigkeit. Preissteigerungen, die aus einem Ölpreisschock entstehen, sind kein Signal für politische Steuerung, sondern für Knappheit. Wer darauf mit Zinsmanipulation reagiert, behandelt die Symptome und verschärft oft die Last für diejenigen, die bereits unter gestiegenen Energie-, Kredit- und Lebenshaltungskosten stehen. Die EZB kann Kaufkraft nicht schaffen. Sie kann nur in bestehende Verhältnisse eingreifen und damit neue Verzerrungen erzeugen.

Die Hoffnung, eine Zentralbank könne ein solches Ereignis „ausgleichen“, beruht auf einem Grundirrtum. Geldpolitik ersetzt keine reale Verfügbarkeit von Energie, Transport und Waren. Wenn Unternehmen höhere Kosten weitergeben, dann zeigt sich schlicht, dass sie nicht unterhalb ihrer Kosten produzieren können. Das ist kein moralischer Defekt des Marktes, sondern Ausdruck ökonomischer Realität. Eingriffe in den Zins ändern daran nichts Grundsätzliches. Sie verteuern Finanzierung, bremsen Investitionen und treffen vor allem jene, die auf Kredit angewiesen sind.

Auffällig ist auch die Selbstwidersprüchlichkeit des Systems. Dieselben Zentralbanken, die über einen Zielwert von 2,0 Prozent wachen, leben davon, den Geldwert laufend zu verändern. Wer den Maßstab selbst verformt, kann keine verlässliche Stabilität versprechen. Die Inflation ist daher nicht nur Folge eines äußeren Schocks. Sie wird durch ein geldpolitisches Arrangement begünstigt, das den Wert des Geldes der zentralen Verfügung einer Behörde unterstellt.

Besonders deutlich wird die Haftungsfrage. Für die Folgen der Teuerung haften nicht jene Stellen, die über Leitzinsen und Geldschöpfung verfügen, sondern Sparer, Arbeitnehmer und Konsumenten. Wer entscheiden darf, muss auch haften. Genau diese Verbindung wird im Zentralbanksystem unterbrochen. Die Kosten politischer Steuerung werden nach unten gereicht, während die Entscheidungsmacht oben bleibt.

Die Grenze legitimer Gewalt verläuft dort, wo die friedliche Verfügung über eigenes Eigentum durch monetäre Willkür entwertet wird. Stabiler Wohlstand entsteht nicht durch Zentralplanung des Geldes, sondern durch verlässliches Eigentum, freie Preise und Haftung für eigenes Handeln.


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