Energie: Analyse der Stromnetzbetreiber – Rekordrenditen und massive Kritik
Branche klagt über Investitionsstau und fehlende Kontrolle
Die größten Stromnetzbetreiber in Deutschland erzielen nach einer Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft 2024 Eigenkapitalrenditen auf Rekordniveau. Genannt werden unter anderem Westnetz, Bayernwerk Netz und Mitnetz mit Werten deutlich über den regulierten Vorgaben. Zugleich gibt es aus der Branche der Erneuerbaren deutliche Kritik: Netzbetreiber investierten zu wenig in Digitalisierung und Netzausbau, während Netzentgelte und Gewinne hoch blieben. Die Bundesnetzagentur soll erst ab 2029 mehr Kontrollbefugnisse bekommen.
Das ist der Preis eines Systems, in dem ein hochreguliertes Kartell sich mit juristisch polierten Renditen und politischer Rückendeckung bequem eingerichtet hat. Man nennt es Versorgungssicherheit, Gemeinwohl oder Energiewende. Gemeint ist ein Geschäftsmodell, bei dem die Kunden zahlen, die Betreiber kassieren und die Kontrolleure freundlich nicken, solange die Tabellen sauber aussehen. 45 Prozent Rendite bei Westnetz, 38 Prozent bei Bayernwerk, 43 Prozent bei Mitnetz: Das sind keine Nebengeräusche, das ist ein Alarmsignal mit eingebautem Goldrand.
Besonders hübsch ist die Erzählung, man könne die hohen Gewinne nicht so einfach bewerten, weil Regulierung und Bilanzlogik kompliziert seien. Gewiss, wenn man mit staatlich geschaffenen Sonderregeln arbeitet, wird fast jede Zahl elegant unübersichtlich. Genau darin liegt ja der Trick. Wer den Markt durch Vorgaben ersetzt, erzeugt ein Geflecht aus Ausnahmen, Bewertungsregeln und Zuständigkeiten, in dem sich Verantwortung auflöst wie Zucker im Tee. Am Ende darf der Bürger bezahlen, während die Experten erklären, warum das alles leider viel komplexer sei.
Noch absurder wird es bei den angeblich schwierigen Netzentgelten. Wenn laut Analyse Hunderte Millionen Euro Gewerbesteuer über die Entgelte eingezogen werden, von denen wohl der Großteil gar nicht beim kommunalen Empfänger landet, dann zeigt sich die ganze Schönheit des Systems: Abkassieren im Namen der Allgemeinheit, Durchreichen über Gebühren, Kontrolle mit Verspätung. Natürlich nur zu unserem Besten.
Und dann die Digitalisierung. Neue PV-Anlagen sollen sich teils über Monate oder gar länger als ein Jahr in den Mühlen der Netzbetreiber verlieren, obwohl vier Arbeitstage vorgesehen sind. Wer so arbeitet, müsste sich am Markt erklären. In der geschützten Welt der regulierten Netze hingegen reicht es offenbar, später von „zusätzlichen Kapazitäten“ zu sprechen. Das klingt nach Fortschritt, riecht aber eher nach Schadensbegrenzung mit Pressemappe.
Besonders entlarvend ist der neue Reflex, nicht die Trägheit der Netzbetreiber zu sanktionieren, sondern erneuerbare Erzeuger per „Redispatch-Vorbehalt“ zu disziplinieren. Wenn das Netz lahmt, sollen die Anlagen zahlen oder verzichten. Der Bürger darf frei entscheiden, solange er richtig entscheidet. Man nennt es Schutz. Gemeint ist Kontrolle. Und solange die Gewinne gesichert sind, wird aus jeder Störung ein weiteres Argument für mehr Eingriff, mehr Regulierung, mehr Macht. Das Netz ist dann nicht nur technisch veraltet. Es ist auch politisch verkrustet.
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