Wirtschaftskrise: Die Kunst, einen Weltmarktführer zu ruinieren
Wie die Regierungen der letzten 20 Jahre versuchten, das Traditionsunternehmen Trumpf zu zerstören
von Oliver Gorus drucken
Trumpf sitzt in Ditzingen. Drei Stationen von dort mit der S-Bahn S6 und Sie sind bei Porsche in Zuffenhausen. Eine halbe Stunde mit der Buslinie 638 und Sie sind beim Bosch auf der Schillerhöhe in Gerlingen. Diese drei Punkte auf der Landkarte, Trumpf, Bosch, Porsche, ergeben ein einzigartiges Industriedreieck im Norden Stuttgarts, eines der innovativsten Hightech-Zentren Europas, mit Fahrzeug- und Systemtechnik, Batterietechnik, Lasertechnik, 3D-Drucktechnik, Software und Industrie 4.0, gespickt mit Weltklasse-Zulieferern. Ich kenne die Ecke und wie man dort lebt, ich bin genau da aufgewachsen.
Der Aufstieg von Trumpf ist typisch für die deutsche Wirtschaft: Der Kaufmann Christian Trumpf erwarb 1923 eine mechanische Werkstätte in Stuttgart, die biegsame Wellen herstellte zum Antrieb von Bohrern und anderen Werkzeugen. Das Unternehmen expandierte, wurde führend mit Maschinen zur Blechbearbeitung, der Patensohn des Gründers, Berthold Leibinger, machte dann in der Wirtschaftswunderzeit aus dem schwäbischen Mittelständler einen weltweit operierenden Hightech-Industriekonzern. Heute führt seine Tochter Nicola Leibinger-Kammüller das Unternehmen, und zwar extrem erfolgreich: Sie trieb die exzellente Marktstellung und die Innovationskraft von Trumpf noch weiter voran.
Trumpf liefert den einzigen CO₂-Laser-Amplifier, der die EUV-Lithografie-Maschinen von ASML zum Laufen bringt. Kein Konkurrent auf dem Globus konnte diese Technologie bislang kopieren. Ohne diesen Laser von Trumpf wäre es derzeit weltweit nicht möglich, Chips mit kleineren Strukturen als die der 7-Nanometer-Technologie zu produzieren. Ohne solche Chips gäbe es keine nächste KI-Generation, denn es gäbe keine High-End-Prozessoren in hohen Stückzahlen für die Rechenzentren der Welt.
Die Frage, die Deutschland dabei ist zu beantworten, lautet: Wie bekommt ein handelsüblicher Parteipolitiker so ein brutal starkes Unternehmen kaputt?
Viel ist nicht mehr zu tun, denn bei Trumpf kriselt es bereits: 2024/25 meldete die Konzernleitung 16 Prozent weniger Umsatz bei 4,3 Milliarden Euro, sieben Prozent weniger Aufträge bei 4,2 Milliarden und ein operatives Ergebnis, das von 501 auf 59 Millionen Euro abrutschte. Die Führung spricht von Talsohle und Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Ein solches Unternehmen in Schwierigkeiten zu bringen, ohne es direkt anzufassen, ist gar nicht einfach. Das erfordert System.
Die führenden Parteipolitiker der letzten zwanzig Jahre haben genau das hinbekommen. Sie brauchten nur eine Reihe von Entscheidungen, die jeweils für sich gut über den Rentnerfunk als hilfreich, edel und gut verkäuflich waren, um Pöstchen und Pensiönchen bei den lästigen, aber unvermeidlichen Wahlen zu sichern. Alle Entscheidungen zusammen konnten dann die Rahmenbedingungen für Industrieunternehmen wie Trumpf hoch effektiv verschlechtern.
Merkel steuerte den Durchbruch für die im Kabinett Schröder beschlossene grüne Energiewende bei. Ihre größte Leistung beim Zerstören der Industrie ist die beschleunigte Abschaltung der Kernkraft kombiniert mit der systematischen Verteuerung von Energie durch den Verzicht auf russisches Pipeline-Gas und den Vorrang für wetterabhängige Stromproduktion.
Außerdem hat sie natürlich den Staatsapparat aufgebläht und die Staatsausgaben in immer neue Höhen getrieben. Im Resultat ist der Industriestandort Deutschland Weltspitze bei der Steuern- und Abgabenlast, was die Produktivität der Arbeiter und die Attraktivität des Arbeitsmarkts für Fachkräfte in den Keller jagte – ein cleverer Schachzug, der Industrieunternehmen so richtig wehtut.
In die Merkeljahre gehört auch die systematische Ideologisierung und Schwächung des Bildungssektors. Der Nachwuchs studierte Gendern und Geschwätz und verlernte nach und nach Rechnen und einfachste technische Grundkenntnisse. Das ist ideal, um einen Hightech-Wirtschaftsstandort zu planieren. Da fehlte nur noch der forcierte Import von Bildungsfernen und das Abschrecken von Hochqualifizierten, die in anderen Ländern viel mehr Geld verdienen können, weil sie nicht durch Umverteilung Millionen von Arbeitsscheuen mitfinanzieren müssen. Merkel lieferte zuverlässig. Die Ampel knüpfte nahtlos an und engagierte sich für Transsexuelle statt für Physiker und Maschinenbauer.
Die ganze Industrie geriet in Schieflage. Kunden von Trumpf – Maschinenbauer, Automobilzulieferer, Halbleiterfirmen – schoben Investitionen auf. Weniger neue Anlagen bedeuten weniger neue Laser und weniger Werkzeugmaschinen von Trumpf. Die Quittung für das Treiben der Politiker kam pünktlich in den Auftragsbüchern in Ditzingen an.
Parallel häuften die Politiker in Bund und EU fleißig Vorschriften an. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, die EU-Taxonomie, die Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD und eine Flut weiterer Regeln aus Berlin und Brüssel banden Kapazitäten, so dass sich die knappen Ingenieure nicht mit neuen Technologien für Kunden befassen konnten, sondern mit dem Regulierungsdschungel, Nachweisen und Audits für Politiker befassen mussten. Genial. Das ifo-Institut beziffert den jährlichen Produktivitätsverlust durch Bürokratie auf bis zu 146 Milliarden Euro.
Keine der Regierungen der letzten zwei Jahrzehnte hat den Fehler gemacht, diesen Berg an Bürokratie und Regulierung ernsthaft abzutragen. Die Politiker wussten instinktiv: Wenn wir da mit der Heckenschere durchgehen, entsteht plötzlich so viel Freiheit für die Unternehmen, dass die mehr Gewinn machen, investieren und Erfolg haben. Also hat jede neue Regierung wieder neue Regulierungsschichten draufgelegt und die alten stehen lassen. Das Ergebnis ist ein Standort, der berühmt ist für seinen völlig zugewucherten Papierkramladen. Das ist perfekt, denn es behindert nicht nur die inländischen Unternehmen, sondern es hält auch das ausländische Kapital wirksam davon ab, in Deutschland zu investieren.
Gleichzeitig betrieben dieselben Regierungen eine China-Politik, die Gift für die heimischen Spitzenunternehmen war. Schröder und Merkel setzten auf „Wandel durch Handel“. Deutsche Technologieunternehmen bauten brav Geschäft in China auf. Als die politisch gewollte Abhängigkeit von China spürbar wurde, weil chinesische Unternehmen plötzlich selbst zum Konkurrenten wurden – mit staatlich subventionierten Maschinen und wachsender Präsenz auf Drittmärkten –, war es schon zu spät. Trumpf spürt heute sowohl die schwache Nachfrage aus China als auch die chinesische Konkurrenz anderswo empfindlich. Die Politiker haben vermutlich bis heute nicht begriffen, wie effektiv sie China geholfen und die eigenen Unternehmen hinter die Fichte geführt haben.
Politiker, die das Ganze jetzt noch einen Schritt weiter treiben wollen, müssen nur so weitermachen. Weitere Berichtspflichten draufpacken. Die Energiewende weitertreiben und so den Strom weiter verteuern und die Energieversorgung unsicherer und abhängiger von den USA machen. Die Steuern und Abgaben weiter erhöhen. Ganz generell die individuelle Freiheit und den Privatsektor weiter einschränken, damit die wenigen gut ausgebildeten jungen Leute entweder Beamte werden wollen oder zum Auswandern getrieben werden. Stattdessen noch mehr Einwanderer aus Afrika und Asien ins Sozialsystem locken. Die Bürokratie ein wenig umorganisieren, aber auf jeden Fall weiter ausbauen. Also eigentlich gar nichts ändern, nur so weitermachen, wie Merkel es vorgemacht hat.
Starke inhabergeführte Unternehmen wie Trumpf halten sich zwar sicher länger als schwache, aber sie wachsen wenigstens langsamer, investieren vorsichtiger und verlieren irgendwann den Vorsprung, den ihre Technologie ihnen eigentlich verschaffen sollte. Und dann ist es geschafft: Dann sind sie halt weg.
Trumpf hat bisher noch überlebt, weil es sich über Jahrzehnte genau die Eigenschaften bewahrt hat, die in der Politik oft fehlen: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Innovationskraft und technische Besessenheit, Verantwortungsübernahme und Führungsstärke. Solche Firmen sterben nicht schnell. Aber die Politiker wissen: Wir schaffen das!
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