Menetekel: Kollabierende Automobilindustrie am Standort Deutschland
Hohe Kosten und China-Strategie führen zu Massenentlassungen
von Andreas Tögel drucken
Im Buch Daniel des Alten Testaments erhält der babylonische König Belsazar die göttliche Warnung, sein Reich sei „gezählt, gewogen und für zu leicht befunden“ und dem Untergang geweiht. Genau so kam es: Belsazars Reich verschwand.
So tragisch muss es für die deutsche Automobilindustrie zwar nicht kommen, aber die Zeichen an der Wand sind unübersehbar. Der nach Toyota größte Autobauer der Welt, VW, kämpft mit schwerwiegenden Absatz-, Kosten- und Ertragsproblemen. Und der Volkswagenkonzern steht damit nicht alleine da. Auch Mercedes, BMW und Porsche haben schon bessere Zeiten gesehen. Der vollelektrische Porsche Taycan ist ein Ladenhüter – vor allem im Hoffnungsmarkt China. Auch die vollelektrischen Mercedes-Modelle stoßen dort kaum auf Interesse: Die chinesische Kundschaft ist nicht bereit, überhöhte Premiumpreise zu bezahlen.
Alle großen deutschen Hersteller bauen am Standort Deutschland Personal ab und verlagern Teile ihrer Produktion ins Ausland. VW hat angekündigt, in Deutschland bis zu 100.000 Arbeitsplätze einzusparen.
Der prestigeträchtige Tuareg soll künftig komplett in China gefertigt und weiterentwickelt werden, da die Herstellungskosten dort deutlich unter denen in Deutschland liegen. Zudem nimmt die Produktentwicklung dank geringerer Regulierung und weniger Zulassungshürden deutlich weniger Zeit in Anspruch. Außerdem ist China der Zukunftsmarkt schlechthin, was eine Präsenz vor Ort verlangt. Minimiert wird auch das internationale Lieferkettenrisiko, das sich während der Covid-19-Pandemie zeigte.
Es ist absehbar, dass dem Tuareg mittelfristig auch andere VW-Baureihen folgen werden. Der neue Schlachtruf der Automobilindustrie lautet: „local for local.“ Die Reise geht weg von „Made in Germany“ zu „Entwickelt und produziert, wo es sich verkauft“.
Die hohen Standortkosten in Deutschland zwingen die Firmen zu drastischen Schritten, denn der internationale Konkurrenzdruck wird immer härter. Die Gründe dafür, Deutschland zu verlassen:
- Hohe Arbeitskosten: 45 Euro durchschnittlicher Stundenlohn gegen knapp 20 Euro in Tschechien
- Hohe Kosten für elektrische Energie: Industriestrom kostet in Deutschland pro Kilowattstunde 0,18 Euro, in Tschechien 0,12 Euro, in China 0,10 Euro und in den USA 0,08 Euro
- Überbordende Bürokratie und Regulierung
- Transformation zur Elektromobilität: Nötige Investitionskosten sind im Ausland niedriger.
Einen Teil der Ursachen für den Niedergang der deutschen Produzenten haben sie sich selbst zuzuschreiben. So haben sie etwa die Bedeutung der ideologiegetriebenen Transformation zur Elektromobilität unterschätzt. Gegen die verheerende Politik des „Green Deal“, dessen Folgen an Industrieruinen erkennbar werden, haben sie sich nicht zur Wehr gesetzt, sondern versucht, mittels „Appeasements“ und durch das späte Aufspringen auf den Elektrozug doch irgendwie durchzukommen.
Doch die entscheidenden Gründe für das Debakel der einst führenden deutschen Autobauer liegen in der autodestruktiven, ja irrwitzigen Energiepolitik seit der Tsunamikatastrophe in Japan, der auf keinerlei Evidenz basierende „Green Deal“, der inzwischen den Charakter eines religiösen Kults mit dem Sakrament der CO2-Vermeidung angenommen hat, und die Lohnpolitik, die jede Produktion aus dem Markt preist.
Was leider zu wenig Beachtung findet: Es geht nicht nur um ein paar Hunderttausend Stellen bei den Automobilproduzenten, die dauerhaft verschwinden. Vielmehr folgen jedem hier verlorenen, mit hoher Wertschöpfung und entsprechender Steuerleistung verbundenen Arbeitsplatz, drei bis vier weitere in anderen Branchen.
Mit der Verlagerung der Fahrzeugproduktion ins Ausland sind beispielsweise schwerwiegende Konsequenzen für die Zulieferindustrie verbunden. Um nur drei betroffene Betriebe zu nennen: Bosch erzeugt Motorsteuergeräte, Sensoren, Einspritzsysteme und Starter, etc., Mann+Hummel baut Filtertechnik und Erich Jäger Steckverbindungen, Kabelstränge und elektronische Steuergeräte. Alle drei Betriebe reduzieren ihr Personal in Deutschland und verlagern ihre Produktion in die Nähe der neuen Produktionsstätten ihrer Kunden. Damit geht am Standort Deutschland wertvolles, in vielen Jahrzehnten akkumuliertes Kapital und Know-how dauerhaft verloren. Denn wer heute hier wegzieht, kommt so bald nicht zurück.
Ein nur schwacher Trost für diejenigen, die in der deutschen Autoindustrie ihren Arbeitsplatz verlieren, ist, dass es auch den italienischen Autobauern schlecht geht. Deren Produktion bricht massiv ein: 2025 wurden in Italien nur rund 300.000 Fahrzeuge produziert – ein Rekordtief. Stellantis verliert in bella Italia mit den Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia und Abarth ein Drittel der Produktion: Von Januar bis September 2025 gingen die Produktionszahlen um 31,5 Prozent zurück, bei Pkw sogar um 36,3 Prozent. Und der Markt schrumpft weiter: Die Neuzulassungen liegen 2025 um rund 20 Prozent unter dem Niveau von 2019. Fazit: Die unter der Regie von Stellantis agierende Automobilindustrie Italiens befindet sich in einer historischen Schwächephase. Die Gründe dafür sind die gleichen wie in Deutschland: Hohe Lohn- und Energiekosten, schrumpfende Produktivität und stark veränderte Wettbewerbsbedingungen. Der kürzlich präsentierte, elektrisch angetriebene Ferrari „Luce“ zum kolportierten Schnäppchenpreis von 550.000 Euro wird keine Trendwende einleiten.
Interessanterweise zeigt sich in Frankreich ein anderes Bild: Die Produktion der Stellantis-Marken Citroën, Peugeot und DS-Automobiles legte im Jahr 2025 um 17 Prozent zu, wobei die beiden SUVs Peugeot 3008 und 5008 das Wachstum maßgeblich antreiben. Die Elektroautos des Konzerns spielen eine immer größere Rolle: Stellantis erreicht im Segment der vollelektrischen Fahrzeuge rund 13 Prozent Marktanteil. Frankreich gehört zu den stärksten Elektrofahrzeugmärkten des Konzerns.
Zurück zu Deutschland: Die Politik bildet ihre Schwerpunkte an den falschen Fronten. An CO2-Vermeidungs- und Genderfestivals, an der Verteidigung einer gegen eine erfolgreiche Oppositionspartei errichteten „Brandmauer“, die an den „antifaschistischen Schutzwall“ der „DDR“ gemahnt, und vom Verschenken von Milliardenbeträgen an ein korruptes Regime in Osteuropa, wird Deutschland nicht genesen. Vielmehr muss die internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen und eine Renaissance deutscher Ingenieurskunst eingeleitet werden – Hand in Hand mit der Befreiung der Unternehmen von würgenden Regulativen und Steuerlasten. Denn wenn die industrielle Produktion zusammenbricht, verschwindet auch die Finanzierungsbasis für die Brot-und-Spiele-Politik des hypertrophen Wohlfahrtsstaates, womit jeder Sozialromantik ein jähes Ende droht. Wenn das Bürgergeld für Millionen von Müßiggängern ausbleibt, ist Feuer auf dem Dach!
Den herrschenden Blockflötenparteien ist die dringend notwendige Systemwende nicht zuzutrauen. Nachdem diese politischen Kräfte aber unter Rückgriff auf allerlei demokratiepolitisch dubiose Tricks eine Regierungsbeteiligung der stärksten Oppositionspartei verhindern, wird am Ende die normative Kraft des Faktischen die Trendwende auf schmerzhafte Weise erzwingen.
Armes Deutschland! Das haben die vielen arbeitssamen, aber naiven, in Fragen der Ökonomie unterernährten und von falschen Propheten verführten Bürger nicht verdient.
Kommentare
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