Geld: Der digitale Euro soll bis 2029 kommen
Bargeldabschaffung als Schritt staatlicher Kontrolle
von Yorck Tomkyle drucken
Bis 2029 soll der digitale Euro schrittweise eingeführt werden. Die Europäische Zentralbank und die Politik in Brüssel treiben das Vorhaben voran, um den europäischen Zahlungsverkehr unabhängiger von US-Anbietern wie Visa, Mastercard und PayPal zu machen. Zugleich wird über technische Fragen gestritten: über Datenschutz, die Ausgestaltung der Wallet, die Kopplung an Bankkonten und die Höhe der Beträge, die dort liegen dürfen. In den Mitgliedstaaten ist die Skepsis unterschiedlich groß, doch die Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Regierungen laufen bereits auf Tempo.
Man erkennt an solchen Vorgängen den Zustand einer Gesellschaft. Was als praktische Modernisierung verkauft wird, ist in Wahrheit der nächste Schritt in Richtung Verwaltung des Geldes, also der Verwaltung des Lebens. Der Bürger soll nicht mehr einfach zahlen, sondern in ein System eintreten, das von Zentralbank, Politik und Banken gemeinsam geordnet, begrenzt und technisch kontrolliert wird. Schon die Sprache verrät viel: Souveränität, Zugriff, Infrastruktur. Dahinter steht nicht Freiheit, sondern Besitzanspruch über einen Bereich, der bisher durch Bargeld wenigstens teilweise dem direkten Zugriff entzogen war.
Bargeld ist mehr als ein technisches Relikt. Es ist ein Rest bürgerlicher Selbstbestimmung, ein Mittel anonymer, unmittelbarer, unaufdringlicher Tauschfreiheit. Wer es zurückdrängt, schafft keine bessere Ordnung, sondern eine glattere Form der Abhängigkeit. Der digitale Geldbeutel im Smartphone mag bequem sein, doch Bequemlichkeit ist in der Politik oft nur das freundliche Gesicht der Entmündigung. Heute heißt es, man wolle unabhängiger von amerikanischen Konzernen werden. Morgen liegt derselbe Zahlungsverkehr fester in den Händen europäischer Behörden und ihrer Partnerbanken als je zuvor.
Auffällig ist auch der Reflex, den Bürgern erst einmal zu erklären, was sie angeblich brauchen. Der Staat tritt hier nicht als Diener des Marktes auf, sondern als Erziehungsinstanz, die Zahlungsgewohnheiten ordnet, Schranken setzt und mit technischen Schwellenwerten hantiert. Selbst die Debatte um die Wallet dreht sich nicht um Freiheit, sondern darum, wie viel Geld man dort halten darf. Genau an dieser Stelle endet der schöne Rede von der Souveränität und beginnt die alte Geschichte der Kontrolle.
Wer Bargeldabschaffung, digitale Zentralisierung und öffentliche Bezahlsysteme zusammendenkt, sieht keine Zukunftsvision, sondern eine müde Republik im Vollzug ihrer Verwaltungslogik. Je mehr das Bezahlen in regulierte digitale Bahnen gedrängt wird, desto kleiner wird der Raum, in dem der Bürger noch ohne Erlaubnis handeln kann. Freiheit verschwindet selten mit einem großen Knall. Meist kommt sie als Update.
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.
Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.

