04. August 2026 17:00

Grundrechte Regierung bereitet neuen Zivildienst vor

Musterung beginnt – Verbände melden Kapazitäten

von Yorck Tomkyle drucken

Zivildienst: Wartende junge Männer bei Musterung
Bildquelle: Redaktion Zivildienst: Wartende junge Männer bei Musterung

Die Bundesregierung bereitet nach Angaben des zuständigen Ministeriums Vorkehrungen für einen neuen Zivildienst vor, falls die Wehrpflicht zurückkehrt. Dazu wurden 23 große Verbände und Organisationen befragt, welche Kapazitäten sie für Wehrdienstverweigerer bereitstellen könnten. 22 von ihnen erklärten sich grundsätzlich dazu bereit. Parallel gilt seit Jahresbeginn ein neuer Wehrdienst mit verpflichtender Musterung für junge Männer ab Jahrgang 2008.

Man erkennt an solchen Vorgängen den Zustand einer Gesellschaft, die den Zugriff auf das Leben junger Menschen wieder zur Normalität machen will. Erst wird die Wehrpflicht als historische Last „ausgesetzt“, dann wird der nächste Apparat schon vorsorglich aufgebaut. Die Logik ist alt: Wenn der Staat einmal Personal braucht, soll der Bürger verfügbar sein. Wenn er niemanden direkt in Uniform stecken kann, dann wenigstens in einen Ersatzdienst, organisiert, registriert und zugeteilt.

Gerade der Zivildienst war immer mehr als eine Hilfslösung. Er war Ausdruck derselben Denkweise wie die Wehrpflicht selbst: Der Einzelne schuldet dem Kollektiv seine Zeit, seine Pläne und einen Abschnitt seines Lebens. Wer jung ist, soll nicht selbst über Ausbildung, Arbeit oder Lebensweg entscheiden, sondern in eine staatlich definierte Pflichtkette eintreten. Dass dafür schon jetzt Verbände abgefragt werden, zeigt die Richtung. Nicht Freiheit wird vorbereitet, sondern Verwaltung.

Die Sprache der Vorkehrung klingt nüchtern, fast vernünftig. Tatsächlich ist sie ein Symptom der betreuten Republik. Der moderne Staat tritt nicht mehr nur als Ordnungsmacht auf, sondern als Erziehungsanstalt, die im Voraus sortiert, plant und disponiert. Erst die Musterung, dann der mögliche Wehrdienst, dazu gleich der passende Zivildienst im Hintergrund: So wächst aus einer Sicherheitsfrage ein ganzes System der Verfügbarmachung.

Dabei wäre die ehrlichere Frage eine andere: Mit welchem Recht wird überhaupt über die Zeit und den Körper junger Menschen verfügt? Wer den Zwang normalisiert, weil er angeblich für Krisen vorsorgen will, baut an einem geistigen Notstand mit. Freiheit zeigt sich nicht erst im Ausnahmefall, sondern gerade dort, wo man Menschen nicht vorsorglich in Reserve hält.

Das ist der eigentliche Preis solcher Pläne: Sie gewöhnen eine müde Republik daran, dass Pflicht vor Wahl kommt. Und wo Pflicht wieder als Tugend verkauft wird, ist der Weg vom Bürger zum Untertan nicht mehr weit.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.