Es muss Satire sein: „Frühstartrente“
Sozialisten versprechen, Kapital für die Altersversorgung anderer Leute aufzubauen
von Christian Paulwitz drucken
Nächste Woche ist die Sommerpause des Deutschen Bundestags vorbei, und dann werden die ganzen zuvor gefassten ulkigen Kabinettsbeschlüsse wieder ausgegraben, um sie in fidele Gesetze zu gießen, die dem parasitären Bürokratiewasserkopf neue Nahrung geben. Ein besonders lustiger ist die „Frühstartrente“ zum Aufbau von „Startkapital für die Altersvorsorge der jungen Generation“ (siehe Link unten).
Der Politik Kapital anzuvertrauen ist ja bekanntlich etwa so erfolgversprechend, wie einen Straßenhund mit der Bewachung eines Wurstvorrats zu beauftragen und ihn dann damit alleinzulassen. Noch absurder wird es aber, wenn der Straßenhund anderen den Aufbau eines Wurstvorrats verspricht. Hey, da können Sie sich darauf verlassen, dass das klappt – was soll schon schiefgehen?
Schaut man sich an, was das Bundeskabarett sich so ausgedacht hat, findet man beeindruckende Rechnungen. „Der Staat zahlt dafür jeden Monat 10 Euro Förderung, automatisch und für alle Kinder eines Jahrgangs.“ Die 10 Kröten werden den Eltern durch Raub abgenommen oder durch Schulden generiert, die aufgrund der Inflationierung der Geldmenge ein Raub am Geldwert sind. Das ist doch schon einmal ein beeindruckender Anfang für die Fehlstartrente. „Gefördert werden ausschließlich zertifizierte Verträge mit einem effektivem Kostendeckel, sowie ohne Abschluss- und Vertriebskosten bis zur Volljährigkeit.“ Wenn sich die Eltern an der Geldverbrennung beteiligen wollen, dürfen sie auch noch etwas hinterherschmeißen, statt in Geldanlagen außerhalb politischer Kontrolle zu investieren. Dummerweise dürften diejenigen, die noch etwas hinterzuschmeißen hätten, damit angesichts der rasanten volkswirtschaftlichen Kapitalvernichtung der letzten Jahre bereits unter Beweis gestellt haben, dass sie politischen Geldanlagen nicht vertrauen.
Der Straßenköter – oder hier die Politik – sieht die Kompetenzverteilung natürlich ganz anders. Nur die Politik ist selbstverständlich in der Lage, „gute“ Geldanlagen entsprechend zu beurteilen und zu zertifizieren. Je nach wechselnder politischer Mode kann dies über die Jahrzehnte hinweg gewissen Schwankungen unterliegen. Noch vor Kurzem lagen „ökologische“ Anlagen im Trend, derzeit wären es vermutlich eher „klimagerechte“ oder „demokratiefördernde“, doch schon bald könnte wieder der konservative Klassiker der „Kriegsanleihe“ das Rennen machen, wobei man „Krieg“ hier durchaus progressiver interpretieren darf, als dies in Deutschland im letzten Jahrhundert üblich war.
Politik wäre natürlich nicht Politik, wenn sie mit einem Vorhaben nicht auch noch alle möglichen Nebenziele zu verfolgen versprechen würde: „Die Bundesregierung arbeitet zudem derzeit an einer gemeinsamen Strategie zur Stärkung der finanziellen Bildung. Die Einführung der Frühstartrente dient hier als Initialzündung.“ – Lese ich hier eine feine Ironie im Unterton heraus? So etwas im Sinne von „Lernen durch Schmerzen“? – Ach nein, dazu wird das Ganze viel zu schnell floppen. Nicht einmal die politisch abhängige Finanzindustrie wird interessiert sein; nicht einmal dann, wenn die Politik verspricht, die Verwaltungskosten für die neu zu schaffenden Finanzprodukte per Steuern zu finanzieren. Warum nur finde ich so etwas gar nicht mal so abwegig, wenn schwarze und rote Sozialisten Kapitalaufbau versprechen?
Anfangen soll das für die Kinder im Alter von sechs Jahren, jedes Jahr kommt ein Jahrgang dazu. „Allein aus der staatlichen Förderung entsteht bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro.“ – Donnerwetter, da kann man ja schon einmal an die Rente denken. „Daraus können bis zum Renteneintritt ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro werden. Legen Eltern monatlich 10 Euro dazu, kann das Depot bis zum Renteneintritt auf rund 107.000 Euro wachsen.“ Vorausgesetzt, die Eltern leben so lange. Wenn nicht, wird man ja wohl nicht Politikern die Schuld dafür geben wollen, oder? Und schon gar nicht dafür, dass 107.000 Euro in 60 Jahren nach drei Staatspleiten und sechs Währungsreformen nur noch die Kaufkraft von 3,50 € haben. Wenn überhaupt. – Wer um Himmels willen soll denn so etwas heute ahnen können?
Nein, die ganze Idee ist so absurd, das muss Satire sein. Das wird lustig, wenn nach der Sommerpause über die Debatten dazu berichtet wird. Aber Vorsicht! Derartige Satire-Shows dienen erfahrungsgemäß dazu, von wichtigen Dingen abzulenken!
Quellen:
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