Geldpolitik: Inflation: EZB steht vor der nächsten Zinserhöhung
Folgen treffen Investoren und Haushalte
von Naomi Braun-Ferenczi drucken
Die Europäische Zentralbank dürfte den Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent anheben, weil die Inflation im Euroraum zuletzt auf 3,3 Prozent gestiegen ist. Als Treiber gelten vor allem die höheren Energiepreise infolge des Iran-Kriegs. Die Notenbank will mit teureren Krediten die Nachfrage bremsen und die Teuerung dämpfen.
Entscheidend ist die Frage der Zuständigkeit. Die Preissteigerung kommt nicht aus dem Nichts, und sie lässt sich auch nicht durch einen administrativen Knopfdruck beseitigen. Wenn Energie durch geopolitische Schocks teurer wird, zeigt sich vor allem eines: Knappheit kann man nicht wegverordnen. Die EZB reagiert darauf mit dem klassischen Instrument der Geldpolitik, also mit einem Eingriff in den Kreditpreis. Das mag kurzfristig die Nachfrage drücken. Es ändert aber nichts daran, dass die Ursache außerhalb ihrer Kontrolle liegt und dass ihre Maßnahmen vor allem jene treffen, die investieren, arbeiten und kalkulieren müssen.
Wer den Kredit verteuert, greift in freiwillige Verträge und in reale Zukunftsplanung ein. Unternehmen, die expandieren wollen, zahlen mehr. Haushalte, die Finanzierung brauchen, werden belastet. Das ist keine neutrale Technik, sondern eine Umverteilung von Handlungsspielräumen. Der Verweis darauf, Sparer könnten profitieren, verdeckt den Kern nicht. Auch hier wird kein Schaden beseitigt, sondern nur ein Teil der vorherigen Geldentwertung relativiert. Wer zuvor durch Inflation Kaufkraft verloren hat, erhält kein Recht auf Kompensation durch eine weitere staatliche Steuerung des Geldes.
Die eigentliche Fehlstelle liegt tiefer. Ein zentrales Geldsystem, das auf politischer Steuerung beruht, lädt dazu ein, reale Knappheiten durch geldpolitische Eingriffe zu beantworten. Genau dadurch wird Verantwortung verwischt. Produzenten, Konsumenten und Sparer müssen sich an die Folgen anpassen, während die Entscheidungsmacht bei einer Institution liegt, die selbst keine Kosten aus ihrem Irrtum trägt. Wer entscheiden darf, muss auch haften. Diese Verbindung fehlt hier.
Preissteigerungen sind ein Signal. Sie zeigen, wo Güter knapp werden und wo sich Nachfrage und Angebot verschieben. Die Versuchung, dieses Signal mit Zinsmanipulation zu glätten, führt nur zu mehr Distanz zwischen wirtschaftlicher Realität und politischer Reaktion. Die Grenze legitimer Gewalt verläuft dort, wo friedliche Verfügung über eigenes Eigentum und eigene Verträge nicht länger respektiert wird. Genau dort beginnt die geldpolitische Anmaßung. Freiheit braucht stabile Eigentumsrechte und ehrliche Preise, nicht die nächste Runde zentraler Korrekturen.
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