06. September 2026 18:00

Autoindustrie Der Sozialismus fährt Dienstwagen

Warum wir den deutschen Automanagern keinen Cent schulden

von Volker Ketzer drucken

Den Kurs haben Politik und Konzernspitzen gemeinsam bestimmt. Die Rechnung soll ausgerechnet der bezahlen, der nie mit am Tisch saß: der Steuerzahler.
Bildquelle: Eigenes Bild Den Kurs haben Politik und Konzernspitzen gemeinsam bestimmt. Die Rechnung soll ausgerechnet der bezahlen, der nie mit am Tisch saß: der Steuerzahler.

Erst devot vor der Politik katzbuckeln, das Verbrenner-Aus als „historische Chance“ beklatschen und Kritikern den Mund verbieten – und heute, wo das Kartenhaus zusammenbricht, mit dem Bettelhut nach dem Steuerzahler rufen. Was wir derzeit in den Führungsetagen der deutschen Autoindustrie erleben, ist kein Versagen der Marktwirtschaft, es ist das peinliche Schauspiel einer verwöhnten Manager-Kaste, die den freien Wettbewerb fürchtet wie der Teufel das Weihwasser und den Wohlfahrtsstaat für Vorstände neu erfunden hat.

Ich will nicht, dass BMW, Mercedes oder VW irgendwann nur noch hübsche Markenrechte in den Portfolios chinesischer Staatskonzerne sind. Ich will nicht, dass deutsche Ingenieurskunst abgewickelt wird und ganze Regionen ihre industrielle Basis verlieren. Aber was ich noch weniger will: dass der ehrliche Steuerzahler für den politischen Opportunismus maßgeschneiderter Anzugträger bluten muss.

Gerade deshalb gehört das Verhalten jener Führungskräfte scharf verurteilt, die sich mit der Politik auf einen folgenschweren Zerstörungskurs eingelassen haben und sich hinterher als ahnungslose Opfer inszenieren.

Wer Verantwortung für ein Unternehmen trägt, sollte dessen Zukunft durch Innovation, kaufmännische Vernunft und Marktverständnis sichern, nicht durch die eigene Anschlussfähigkeit an die jeweils angesagte politische Erzählung.

Meine Kritik richtet sich nicht gegen den Ingenieur, den Facharbeiter oder das Unternehmen, das Generationen durch Fleiß und Erfindergeist aufgebaut haben. Sie richtet sich gegen angestellte Vorstände, die politische Nähe mit unternehmerischer Weitsicht verwechseln, und gegen Politiker, die erst Märkte mit Regulierungswut zertrampeln und anschließend den Retter spielen wollen, selbstverständlich auf unsere Kosten.

Wer mitgelenkt hat, war kein Beifahrer, sondern saß am Steuer

Die aktuelle Debatte offenbart die ganze Verkommenheit dieses korporatistischen Deals. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas knüpft staatliche Unterstützung an Standort- und Beschäftigungsgarantien. Volkswagen-Chef Oliver Blume fordert Zölle auf Hybridfahrzeuge aus China.

Unterstützung gegen Wohlverhalten, Schutz vor Konkurrenz: Der Staat soll gleichzeitig Geschäftspartner, Absatzhelfer, Subventionsgeber und Türsteher werden.

Bevor wir darüber sprechen, wer nun welchen Scheck aus der Staatskasse bekommen soll, lohnt sich der Blick in die Vergangenheit.

Im Juni 2022 erklärte der damalige Volkswagen-Chef Herbert Diess zum geplanten Verbrenner-Aus ab 2035 stolz: „Es kann kommen – wir sind am besten vorbereitet.“ Das war keine Kapitulationserklärung eines verzweifelten Unternehmers. Das war demonstrative, vorauseilende Ergebenheit gegenüber einem politischen Verbot.

Volkswagen stellte den staatlich erzwungenen Wechsel zur Elektromobilität damals als unumkehrbar und als einzig sinnvollen Weg dar.

Mercedes begrüßte den Parlamentsbeschluss grundsätzlich ebenfalls. Bedeutende Teile der Branche standen keineswegs mit geballter Faust im Hintergrund, sie trugen den staatlichen Dirigismus mit breiter Brust vor sich her. Sie hofften, dass die Keule der Regulierung die kleineren Wettbewerber härter treffen würde als sie selbst.

Es gab auch Widerspruch: BMW stellte sich gegen vorzeitige Verbrennerverbote, der VDA kritisierte die fehlende Technologieoffenheit. Gerade diese Gegenbeispiele entlarven die Ausrede der anderen: Widerspruch war möglich! Man musste sich nicht einreden lassen, wirtschaftliche Vernunft bestehe darin, politische Vorgaben möglichst begeistert nachzubeten. Doch Mut war in den Konzernzentralen offenbar Mangelware, politische Wohlverhaltensnoten brachten kurzfristig mehr Prestige, mediales Schulterklopfen und fette Boni.

Von einer echten Unternehmensführung erwarte ich mehr als die Fähigkeit, auf Polit-Gipfeln die richtigen Floskeln aufzusagen. Wer seine Produkte und Märkte kennt, muss einer Regierung auch widersprechen können – vor allem dann, wenn sie technische Entwicklungen nicht fördert, sondern deren Ergebnis per Dekret erzwingen will. Wer lieber mitmacht, darf später nicht sämtliche Verantwortung Richtung Berlin und Brüssel abschieben. Man kann nicht erst den politischen Steigbügelhalter spielen und hinterher behaupten, man sei entführt worden.

Der politische Gehorsam ist das Gift, nicht die Technik

Ein Elektroauto kann ein hervorragendes Produkt sein. Ein Hersteller darf davon überzeugt sein, voll darauf setzen und damit erfolgreich werden. Das ist unternehmerische Freiheit, die ich voll und ganz unterstütze. Doch zwischen einer eigenen Geschäftsentscheidung auf eigenes Risiko und dem Jubel über ein staatliches Verbot konkurrierender Antriebe liegt ein moralischer und ökonomischer Abgrund.

Wer die bessere Technik hat, gewinnt Kunden im freien Wettbewerb. Wer stattdessen begrüßt, dass andere Möglichkeiten politisch aussortiert werden, verlässt den Markt.

Er setzt darauf, dass die Politik den Kunden die Entscheidungsfreiheit raubt, damit die eigenen Fehlentscheidungen nicht auffallen. Genau das verurteile ich. Nicht den Bau von Batterien oder modernen Fabriken, sondern die Bereitschaft, die unternehmerische Strategie mit staatlicher Bevormundung abzusichern. Es ist Korporatismus in seiner reinsten, hässlichsten Form.

Hier offenbart sich das klassische Principal-Agent-Problem moderner Großkonzerne: Angestellte Manager haften selten mit ihrem privaten Vermögen. Sie kassieren Millionengehälter, wenn die politische Welle sie oben mitträgt, und streichen im Zweifel noch eine fürstliche Abfindung ein, wenn der Karren an die Wand fährt. Die Zeche zahlen die Aktionäre, die Belegschaft und am Ende die Allgemeinheit.

Dass Volkswagen Ende 2025 plötzlich den Vorschlag begrüßte, das faktische Verbrennerverbot wieder aufzuweichen, setzt dem Schauspiel die Krone auf. Kurskorrekturen sind vernünftig. Nur sollte mit der Korrektur nicht gleich die Erinnerung an die frühere Zustimmung gelöscht werden. Wer die Welle geritten hat, darf nicht jammern, wenn er jetzt nasse Füße bekommt. Und wer Schutzzölle fordert, will nichts anderes, als die eigenen Kunden dafür zu bestrafen, dass die Konkurrenz bessere oder günstigere Autos baut. Schutzzölle sind eine Sondersteuer auf Bürger, um Managementfehler zu vertuschen.

Kein Sozialismus für die Chefetage!

Natürlich trägt die Politik eine massive Mitschuld. Wer Entscheidungen politisch verengt, Subventionsblasen aufpumpt und mit Verboten hantiert, zerstört Märkte und vernichtet Wohlstand. Doch daraus folgt eine klare Forderung: Nehmt die schädlichen Eingriffe zurück! Schafft die Marktverbote ab! Senkt die Abgabenlast! Lasst Hersteller entwickeln und Kunden frei entscheiden!

Daraus folgt aber niemals: Überweist denjenigen Steuergeld, die diesen Kurs begeistert mitgetragen haben!

Sonst etablieren wir eine bequeme Unkultur der Schamlosigkeit: Die Politik setzt die Richtung, Konzernführungen richten sich danach aus, und sobald die Rechnung nicht aufgeht, wird aus ihrer gemeinsamen Fehlentscheidung eine „nationale Rettungspflicht“. Gewinne werden privatisiert, Verluste vergesellschaftet. Und der Steuerzahler wird zum Kunden letzter Instanz gemacht. Dem einzigen Kunden, der nicht Nein sagen darf, weil der Staatsapparat die Hand in seiner Tasche hat.

Andauernd stellen sich linke Medien und Politiker hin und schwadronieren vom „Versagen des Kapitalismus“. Welcher Kapitalismus denn bitte? Eine staatliche Risikoabsicherung für Konzernvorstände ist das genaue Gegenteil von Kapitalismus. Kapitalismus bedeutet nicht nur die Freiheit, Gewinne zu machen, er bedeutet zwingend auch die Pflicht, für Verluste zu haften. Ohne das Risiko der Pleite gibt es keine Vernunft im Markt. Wer seine Gewinne behalten und seine Fehlentscheidungen vom Bürger finanzieren lassen möchte, ist kein Unternehmer, sondern ein Privilegienjäger. Wer sich mit der Politik ins Bett legt, soll dem Steuerzahler hinterher nicht auch noch das Hotelzimmer in Rechnung stellen.

Echte Märkte kennen keine Kumpanei

Ich wünsche mir eine deutsche Autoindustrie, deren Erfolg auf hervorragenden Produkten, Effizienz und hoher Qualität beruht und nicht auf regelmäßig erneuerten politischen Schutzversprechen.

Sollte ein deutscher Hersteller infolge schwerer Fehlentscheidungen seine Eigenständigkeit verlieren oder an einen chinesischen Konzern gehen, wäre das bitter. Es wäre ein schmerzhafter Verlust an industrieller Substanz.

Aber etwas nicht zu wollen bedeutet nicht, dass ich das Recht habe, die Zeche dafür anderen Menschen aufzuzwingen. Wenn Eigentümer und Führung ein Unternehmen in eine Lage bringen, in der nur noch Verkauf, Sanierung oder ein harter Umbau bleiben, dann sind das die unweigerlichen Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen.

Als Libertärer muss ich hier unerbittlich klar sein: Ich stehe für freie Märkte, Privateigentum und echtes Unternehmertum. Das verpflichtet mich jedoch zu keinerlei Gefolgschaft gegenüber jedem Mann mit Vorstandstitel. Ein Nadelstreifenanzug macht aus der Forderung nach Staatsknete keine marktwirtschaftliche Position. Ich verteidige das System der freien Marktwirtschaft, nicht die Besitzstände der aktuellen Wirtschafts-Nomenklatur.

Der Mitarbeiter am Band verdient Respekt und ehrliche Rahmenbedingungen. Der kleine Zulieferer im Mittelstand ebenfalls. Der Mittelständler leidet unter denselben irrsinnigen Energiepreisen, derselben Bürokratie und derselben Steuerlast wie die Großkonzerne, nur bekommt er keinen Rettungsschirm, keinen Direktkontakt ins Kanzleramt und keine maßgeschneiderten Regulierungen. Warum soll der mittelständische Betrieb, der ohne Sonderhilfe durch den Sturm steuern muss, die Absicherung eines Großkonzerns mitfinanzieren? Sind seine Beschäftigten weniger wichtig, nur weil sein Geschäftsführer nicht beim nächsten Gipfeltreffen im Kanzleramt am Tisch sitzt?

Die Antwort muss lauten: Beste Bedingungen für ALLE: Steuersenkungen, bezahlbare Energie durch Marktwirtschaft, radikaler Bürokratieabbau, Regulierungsstopp, aber keine politische Vorauswahl der Gewinner!

Innerhalb der Unternehmen müssen zuerst jene Verantwortung übernehmen, die über Strategie und Kapital entschieden haben, nicht jene, die die Steuern zahlen sollen.

Wer deutsche Industrie bewahren will, muss sich auch mit jenen anlegen, die sie schlecht führen. Kritik am Management ist kein Angriff auf den Markt, sie ist seine schärfste Verteidigung.

Bleib frei im Kopf.


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