24. September 2026 13:00

Digitalisierung Kabinett beschließt Gesetzentwurf für digitalen Kassenbon ab 2028

Handel drohen Kosten und neue Kontrollpflichten

von Kaspar Rosenbaum drucken

Digitalisierung: Einzelhandel unter Druck
Bildquelle: Redaktion Digitalisierung: Einzelhandel unter Druck

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, nach dem Kassenbons ab 2028 grundsätzlich digital statt auf Papier ausgegeben werden sollen. Verbraucher sollen digitale Belege per E-Mail oder QR-Code erhalten, ohne sie annehmen zu müssen. Zugleich sind elektronische Kassensysteme für größere Betriebe geplant, mit Ausnahmen etwa für kleine Umsätze und bestimmte Sonderfälle. Das Finanzministerium verspricht weniger Bürokratie, weniger Papier und weniger Steuerbetrug; der Einzelhandel warnt vor Kosten und zusätzlichem Aufwand.

Wieder einmal verkauft der Staat die Ausweitung seiner Erfassungslogik als Entlastung. Weniger Bürokratie, heißt es. In Wahrheit kommt natürlich eine neue Pflichtenschicht für Unternehmen, nur diesmal in hübscher, digitaler Verpackung. Papier weg, Kontrolle her. Der Bürger darf frei entscheiden, solange er richtig entscheidet. Wer keinen Bon will, muss keinen nehmen. Wer verkaufen will, muss sich künftig aber mit digitalen Vorgaben, technischen Standards und Ausnahmen per Verordnung herumschlagen. So sieht die moderne Befreiung von der Zettelwirtschaft aus: weniger Zettel, mehr Zugriff.

Das Argument vom Kampf gegen Steuerhinterziehung klingt auf den ersten Blick vernünftig. Doch der bekannte Reflex bleibt derselbe: Weil einige tricksen könnten, wird die gesamte Infrastruktur enger gemacht. Aus Misstrauen gegenüber wenigen wird ein System für alle. Das ist der klassische Weg des dirigistischen Denkens. Nicht gezielte Verfolgung von Betrug, sondern flächendeckende Datenerfassung. Nicht Vertrauen in freie Wirtschaft, sondern die technische Durchleuchtung des Geschäftsalltags. Natürlich nur zu unserem Besten.

Besonders hübsch ist die moralische Begleitmusik: Die Ehrlichen sollen nicht die Dummen sein. Ein netter Satz, solange man übersieht, wer hier eigentlich als Dummkopf behandelt wird. Kleine Betriebe sollen investieren, Systeme umstellen, Schnittstellen schaffen und sich an neue technische Vorgaben anpassen, weil der Gesetzgeber gerade Lust auf digitale Sauberkeit hat. Der Einzelhandel nennt die Kosten. Das ist keine Nebensache, sondern der eigentliche Punkt. Jeder neue Regulierungsmodus trifft zuerst jene, die keine Rechtsabteilung und kein IT-Budget im Keller haben.

Dazu kommt der bekannte Verwaltungswitz: Erst schafft man eine Regel, dann erklärt man ihre Abschaffung zur Reform, und am Ende bleibt die Pflicht in modernisiertem Gewand erhalten. Der Papierbon verschwindet, der Registrierungszwang bleibt. Die Bürokratie entdeckt ein Problem, das ohne sie deutlich kleiner wäre, und nennt die Lösung Fortschritt. Ein digitaler Bon ist eben kein Sieg über Bürokratie, wenn er nur das Eingangstor zu mehr Kontrolle ist. Der Bürger bekommt keinen freien Markt, sondern einen QR-Code mit Beipackzettel.


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