Freiheit: Freiheitsimpuls
Immer eine Woche warten … Ruhiger werden durch Empörungsaufschub
von David Andres drucken
Das neue Jahr beginnt mit einer Ereignisdichte, die einem den Atem raubt. Wer auf alles sofort reagieren möchte, wird daher schnell ersticken. Zeit, sich ein wenig Gelassenheit anzutrainieren.
Die neue Staffel der Menschheitsgeschichte ist gerade einmal vier Tage jung, als bereits vier gewichtige Ereignisse dazu anregen, in teils ängstliche, teils zornige Schnappatmung zu verfallen. In Gelsenkirchen haben Unbekannte angeblich am hellichten Tag mit einer Kernbohrung den Schließfachraum einer Sparkasse komplett geleert – ein Vorgang, der so, wie er erzählt wird, niemals stattgefunden haben kann. Details dazu lassen sich in einer lohnenden Viertelstunde auf dem Kanal Blackout Deutschland finden, das Filmchen ist unten verlinkt. Einen Tag später trifft es im westfälischen Halle eine weitere Bank. Begann das Jahr 2025 noch mit vermeintlichen Aliens und Dimensionstoren in einem amerikanischen Einkaufszentrum, möchte man 2026 pünktlich zur geplanten Einführung des digitalen Euro und des gläsernen Bürgers mit elektronischer „Wallet“ offenbar dem Volk signalisieren: Eure echten Werte sind nicht länger sicher. Und vor allem: Wenn ihr überhaupt die auf 10.000 Euro gedeckelte Versicherungssumme erhalten wollt, müsst ihr minutiös nachweisen, woher Gold, Silber, Schmuck und Bargeld in euren Schließfächern stammen. Wollt ihr nicht lieber in die Sicherheit eines Blockchain-basierten Zentralbankgeldes einkehren? Die neue digitale Bankwelt soll freiwillig sein, zunächst, ganz wie der Wehrdienst, es sei denn, man bekommt nicht genug Leute.
Im Iran bricht derweil die Revolution aus, durch die Menschen selbst offenbar, von unten, unter Einsatz ihres Lebens, das sie für die Freiheit aufs Spiel setzen. Hunderte liberaler, libertärer und konservativer Influencer stellen daher die berechtigte rhetorische Frage: Wo seid ihr jetzt, die Aktivisten des Westens, die in Sachen Gaza so laut „Menschenrechte!“ schrien? Wo stellt ihr euch an die Seite der iranischen Frauen und freiheitsliebenden Männer? Oder kann es sein, dass ihr gar keine Freunde der Freiheit seid, sondern Freunde des Islamismus, der Judenfeindlichkeit und des antiwestlichen Ressentiments? Freunde jenes vermeintlich „warmen Kollektivismus“, den der neue, islamische Bürgermeister von New York nun in der ehemals würdevollen US-Metropole einführen möchte?
Apropos Kollektivismus: Unter amerikanischem Einfluss ist in Venezuela der sozialistische Diktator Nicolás Maduro gestürzt, und wie es aussieht, feiert die Mehrheit der gebeutelten Bevölkerung diese Befreiung von einem autoritären, kollektivistischen System. Westliche Linke schütteln den Kopf darüber und können diese Freude gar nicht verstehen. Die öffentlich-unrechtlichen Medien sind voll von Empörung über den „Bruch des Völkerrechts“ und weinen Tränen darüber, dass es erneut einen Sozialisten aus dem Amt gekegelt hat.
Das vierte Ereignis schließlich bildet ein langwieriger Stromausfall in einigen Berliner Stadtteilen, verursacht offenbar durch den Sabotage-Akt einer linksextremistischen Vereinigung namens Vulkangruppe. Oder auch nicht, denn auch hier springt der innere Aluhut wieder an, und man fragt sich, ob das System neben der Angst, jederzeit seine privaten, anonymen Wertgüter verlieren zu können, auch noch die Angst streuen möchte, dass man im Winter nicht einmal der Heizung und dem Licht sicher sein kann. Gefahr von rechts, Gefahr von links, Gefahr von Bankräubern, Gefahr von Kriegen – alles, um die Menschen endlich gedanklich waidwund genug zu schießen, um die angestrebte, digital organisierte Weltregierung installieren zu können.
Oder ist alles ganz anders?
Was ist davon zu halten, dass mit den Bankeinbrüchen zugleich medial transportiert wurde, wie es in Sachen Schließfachgütern hauptsächlich migrantische Mitbürger traf? Steuern internationale Geheimdienste die (so oder so erfreulichen) Proteste gegen die Mullahs im Iran? Welche Interessen stecken hinter dem US-Eingriff in Venezuela, denn so schön es auch immer ist, wenn ein Sozialist abgesetzt wird, so geht es bei derlei Interventionen niemals ernsthaft um idealistische Ziele. Und was erzählt uns die Sabotage in Berlin – egal, wer sie begangen hat – ganz praktisch über die Infrastruktur unseres Stromnetzes?
Empörung, Sarkasmus und bitterböser Kommentar zum Zeitgeschehen gehen zügig. Echte Antworten auf diese Fragen erfordern Recherche und zumindest erst einmal die Ruhe, das Geschehen eine Weile zu beobachten. Daher mein erster Freiheitsimpuls für 2026: Lassen Sie jedes Ereignis mindestens eine Woche lang erst einmal unkommentiert. Äußerlich sowieso, aber sogar innerlich. Verzögern Sie. Bleiben Sie ruhig. Befreien Sie sich aus der Sklaverei, angeblich sofort reagieren und eine Meinung haben zu müssen.
In diesem Sinne: Kommen Sie weiterhin gut und gelassen rein.
Quellen:
KEINE BOHRUNG! - Sie kamen von INNEN...
Schließfächer in Sparkasse in Halle aufgebrochen: Täter schlugen am helllichten Tag zu
Proteste im Iran - Wenn soziale Wut auf geopolitische Machtspiele trifft
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