11. Januar 2026 06:00

Sanktionen gegen Russland Geopolitische Eskalation und ein ökonomischer Bumerang

Die westlichen Sanktionen verfehlen ihr Ziel und schwächen stattdessen den globalen Westen

von Antony P. Mueller drucken

Illustration eines geopolitischen Spannungsfelds mit symbolischen Elementen wie Weltkarte, Finanzdaten und brüchigen Währungen, in einer ernsten, nachdenklichen Stimmung, 16:9, Querformat, ohne Text/Schrift/Logos
Bildquelle: Redaktion Illustration eines geopolitischen Spannungsfelds mit symbolischen Elementen wie Weltkarte, Finanzdaten und brüchigen Währungen, in einer ernsten, nachdenklichen Stimmung, 16:9, Querformat, ohne Text/Schrift/Logos

Sanktionen gegen Russland: Geopolitische Eskalation und ein ökonomischer Bumerang

Seit fast vier Jahren dauert der Krieg in der Ukraine an. Ein Frieden ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Die Lage eskaliert weiter. Die westlichen Sanktionen, die Russland wirtschaftlich in die Knie zwingen sollten, haben dieses Ziel verfehlt. Russland ist weder wirtschaftlich kollabiert noch politisch isoliert. Stattdessen entfalten die Sanktionen eine Wirkung, die kaum öffentlich thematisiert wird: Sie schwächen die westlichen Staaten selbst – wirtschaftlich, strategisch und währungspolitisch.

In Deutschland hat die mediale Darstellung des Konflikts vielfach hysterische Züge angenommen. Eine differenzierte geopolitische Analyse gilt als Verdacht auf „Russland-Nähe“. Dabei zeigen die historischen Aufzeichnungen, dass der damalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow einem Deal mit den USA nur zustimmte – inklusive deutscher Wiedervereinigung –, weil ihm zugesichert wurde, die NATO werde sich nicht nach Osten ausweiten.

Die Realität entwickelte sich anders: Vierzehn osteuropäische Länder sind inzwischen der NATO beigetreten. Als schließlich die Ukraine auf einen NATO-Beitritt zusteuerte, reagierte Russland am 24. Februar 2022 mit einer militärischen Intervention.

Seither ist die Ukraine nicht nur Kriegsschauplatz, sondern Austragungsort eines Stellvertreterkonflikts zwischen Russland und der NATO. Zwar sind keine NATO-Truppen offiziell im Einsatz, doch die Beteiligung durch Waffenlieferungen und Wirtschaftssanktionen ist umfassend.

Die eigentliche Wende erfolgte jedoch bereits 2014 mit der sogenannten Maidan-Revolution und der darauffolgenden Annexion der Krim durch Russland. Diese Handlung – verbunden mit dem Georgienkrieg 2008 – markiert eine Zäsur in den russisch-westlichen Beziehungen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bot sich die Chance, eine europäische Friedensarchitektur zu errichten und mit dem Warschauer Pakt auch die NATO aufzulösen. Aber Kriegstreiber in den USA und Europa arbeiteten gezielt darauf hin, Russland zu schwächen und als geopolitischen Machtfaktor vollständig auszuschalten. Bei dieser Zielsetzung arbeiteten der militärisch-industrielle Sektor sowie der finanzielle und der propagandistische eng zusammen. Doch dieses Ziel wurde nicht erreicht – im Gegenteil: Die geopolitischen Spannungen haben sich derart verschärft, dass die Gefahr eines neuen Weltkriegs besteht.

Die Eskalation konnte nicht überraschen. Sehr früh schon warnten prominente geopolitische Analysten wie Henry Kissinger oder John Mearsheimer, dass eine Osterweiterung der NATO – insbesondere in Bezug auf die Ukraine – aus russischer Sicht ein „casus belli“ darstellen würde.

Während der Ausgang des Ukrainekriegs ungewiss bleibt, ist ein geopolitischer Effekt schon jetzt deutlich: Der globale Westen verliert seine ökonomische Glaubwürdigkeit – besonders durch die finanz- und währungspolitischen Sanktionen.

Das internationale Geldsystem wurde als außenpolitische Waffe benutzt. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine verhängten westliche Staaten eine Reihe beispielloser Sanktionen, insbesondere im Finanzbereich:

• Einfrieren von ca. 300 Milliarden US-Dollar russischer Devisenreserven,

• Ausschluss russischer Banken aus dem SWIFT-Zahlungssystem,

• Export- und Importverbote (unter anderem für Hochtechnologie).

Offiziell zielten diese Maßnahmen auf die wirtschaftliche Isolation Russlands. Aus libertärer Sicht offenbaren sie jedoch ein strukturelles Problem: die Politisierung der globalen Finanzinfrastruktur.

Währungsreserven, einst Symbol souveräner Handlungsfähigkeit, wurden von einem Tag auf den anderen blockiert, eingefroren, enteignet. Das betrifft nicht nur Russland: Jeder Staat, der sich nicht dem westlichen Konsens unterwirft, muss künftig mit ähnlicher Behandlung rechnen. Es kam zu einem massiven Vertrauensverlust in den US-Dollar, den Euro – und die westlich dominierte Geldordnung insgesamt.

Als Folge hat sich die Entdollarisierung beschleunigt und die Rolle des Euros als internationale Anlagewährung vermindert.

Russland reagierte auf die Enteignung seiner Devisenreserven mit einem beschleunigten Umbau seiner Währungs- und Reservepolitik:

• Der Anteil der US-Dollar-Reserven sank bereits zwischen 2014 und 2021 von über 40 Prozent auf unter 20 Prozent.

• Nach 2022 wurde auch der Euro als unsicher eingestuft und abgebaut.

• Die Goldreserven wurden massiv erhöht – auf über 2.300 Tonnen, der höchste Stand seit dem Zerfall der Sowjetunion.

• Neue Reservewährungen kamen hinzu, insbesondere der chinesische Yuan.

• Auch kleinere Währungen wie der Singapur-Dollar und die türkische Lira wurden verstärkt gehalten.

Diese Veränderungen sind keine bloßen finanztechnischen Anpassungen – sie sind Ausdruck eines systemischen Vertrauensverlusts. In dem Moment, in dem geopolitische Machtinstrumente über die Verwendung von Geldreserven entscheiden, wird staatliches Geld selbst politisch – und somit unsicher.

Dem Westen steht nun der globale Süden gegenüber.

Die Entdollarisierung betrifft nicht nur Russland. Staaten im globalen Süden und Osten – darunter China, Brasilien, Indien, Saudi-Arabien, Iran und die Türkei – verfolgen ähnliche Strategien:

• Aufbau eigener Abrechnungssysteme (zum Beispiel Chinas CIPS als Alternative zu SWIFT),

• verstärkter Handel in nationalen Währungen (Rubel–Yuan, Rupie–Rial etc.),

• Goldkäufe zur Reservebildung,

• Gespräche über ein alternatives Zahlungssystem der BRICS-Staaten.

Die Sanktionen gegen Russland haben damit eine globale Dynamik ausgelöst, die den Dollar als Weltleitwährung systematisch schwächt. Der Euro verliert parallel an Vertrauen – besonders in Regionen, die sich nicht mehr auf die Neutralität westlicher Finanzarchitektur verlassen wollen.

Das Einfrieren von Staatsreserven eines G20-Mitglieds durch andere G20-Staaten stellt einen historischen Präzedenzfall dar – mit weitreichenden Folgen. Was einmal enteignet werden kann, ist prinzipiell unsicher.

Die westlichen Sanktionen gegen Russland haben das Gegenteil dessen bewirkt, was sie erreichen sollten:

• Russland ist wirtschaftlich nicht zusammengebrochen.

• Die politische Position des Westens als „Hüter neutraler Regeln“ ist beschädigt.

• Das Vertrauen in die westlich dominierte Geldordnung ist massiv erschüttert.

Die zunehmende Flucht aus dem Dollar- und Euro-System ist kein Ausdruck prorussischer Sympathien, sondern ein rationaler Selbstschutz gegenüber einem System, das seine eigene Glaubwürdigkeit untergräbt.

Diese Entwicklungen sind keine Überraschung, sondern die logische Folge eines Systems, das staatliche Macht über Eigentum, Handel und Geld stellt. In dem Moment, in dem Geld politisch wird, verliert es seine zentrale Funktion: als stabiles, neutrales Medium für freien Austausch.

Die Lehre aus der Sanktionspolitik ist klar:

Sie hat gezeigt, dass die Existenz eines staatlichen Geldmonopols nicht nur dazu führt, dass Geld politisch intern missbraucht wird, sondern auch als Waffe nach außen zum Einsatz kommt. Es reicht nicht, dass die staatliche Geldherrschaft binnenwirtschaftliche Krisen verursacht. Durch den Einsatz als Sanktionsmittel wird Geld zu einer außenpolitischen Waffe und somit militarisiert.

Dem Staat das Geldmonopol zu entziehen, ist daher ein Friedensprojekt. Ohne den im Fiatgeldsystem angelegten Zugriff auf willkürliche Geldvermehrung wären großangelegte Rüstungsprojekte – und damit die Enteignung der Bürger durch Inflation – nicht durchführbar. Ebenso wäre der Einsatz als Instrument zur Enteignung ausländischer Eigentümer unmöglich.

In einer freien Ordnung ist Geld kein politisches Werkzeug, sondern ein vertrauensbasiertes Tauschmittel. Der Staat hat – nach klassisch-libertärer Auffassung – weder das Recht, Geld zu monopolisieren, noch es zur Sanktionierung geopolitischer Abweichler zu missbrauchen.

Quellen:

Nicht einen Schritt weiter nach Osten: Amerika, Russland und die wahre Geschichte der Nato-Osterweiterung

Wie Fiat-Geld unsere Wirtschaft und Gesellschaft zerstört - und wie wir es loswerden können: Essenz der Geldkonferenz der ATLAS INITIATIVE


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