Künstliche Intelligenz: Musk scheitert gegen OpenAI
Klage wegen Täuschung abgewiesen
Elon Musk ist mit seiner Klage gegen OpenAI in Oakland gescheitert. Er hatte dem Unternehmen und Chef Sam Altman vorgeworfen, ihn über die angeblich gemeinnützige Ausrichtung getäuscht zu haben, und verlangte neben Schadenersatz in Milliardenhöhe auch Altmans Absetzung sowie eine Rückumwandlung von OpenAI in eine rein gemeinnützige Organisation. Das Gericht wies die Klage ab, weil die Vorwürfe aus Sicht der Geschworenen verjährt waren.
Der Fall ist ein Lehrstück darüber, wie unerquicklich es wird, wenn große Namen, große Erwartungen und große Geldsummen zusammenfallen. Musk hatte 38 Millionen Dollar investiert, stieg aus, schaute später offenbar mit wachsender Verärgerung zu, wie aus der ursprünglichen Idee ein anderes Gebilde wurde, und griff dann zum ganz großen Hebel: bitte einmal 114 Milliarden Euro, dazu den Chef austauschen, und wenn schon, dann die Unternehmensform gleich mit. Das ist kein Rechtsstreit mehr, das ist ein ausgewachsenes Machtballett mit Silicon-Valley-Parfüm.
Interessant ist weniger der persönliche Zoff als die übliche Heuchelei rund um „gemeinnützige“ Konstruktionen. Wenn ein Unternehmen mit moralischem Selbstglanz wirbt, aber im nächsten Atemzug auf Wachstum, Kapital und strategische Allianzen schielt, dann sollte niemand so tun, als wäre Enttäuschung eine exotische Reaktion. In einer freien Ordnung würde man solche Versprechen nicht mit Heiligenschein behandeln, sondern wie jedes andere Geschäft: Wer einsteigt, trägt das Risiko. Wer sich auf schöne Worte verlässt, bezahlt oft Lehrgeld.
Gerade deshalb ist Musks Forderung nach Milliardenentschädigung schwer verdaulich. Ausgerechnet ein Milliardär, der selbst gern die Pose des unbequemen Wahrheitsverkünders pflegt, versucht hier, eine frühe Beteiligung in einen juristischen Goldesel zu verwandeln. Das erinnert an die ewige Fantasie, Verträge, Erwartungen und Marktentscheidungen nachträglich durch richterliche Großzügigkeit zu reparieren. Wer so handelt, demonstriert vor allem eines: Kapitalismus für mich, aber bitte mit Sicherheitsnetz und nachträglicher Korrektur, wenn die Geschichte nicht elegant genug verläuft.
Dass das Gericht auf Verjährung abgestellt hat, ist immerhin ein kleiner Dämpfer gegen das endlose Nachkarteln. Auch wer sich betrogen fühlt, kann nicht beliebig lange warten und dann bei Gelegenheit die Milliardenkeule auspacken. Gerade in der Welt der Tech-Eliten, in der jeder schon im Voraus die Legende seines eigenen Genies verkauft, wäre etwas mehr Eigenverantwortung wohltuend. Wer investiert, tut das nicht in einen moralischen Kindergeburtstag, sondern in ein Unternehmen mit Interessen, Anreizen und späteren Kurswechseln.
OpenAI mag von seinen Gründungsversprechen abgewichen sein. Musk wirkt in dieser Geschichte dennoch nicht wie der tapfere Rächer der Integrität, sondern wie ein Mann, der spät merkt, dass auch glänzende Deals nur Deals sind. Und Deals leben davon, dass man sie ernst nimmt, solange sie laufen. Danach hilft kein Pathos, sondern allenfalls ein guter Anwalt.
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.
Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.

