Religion: Die westliche Zivilisation und ihr Erbe: Zwischen Auflösung und Auferstehung
Gedanken zur Zukunft nach dem drohenden Dritten Weltkrieg und dem christlichen Erbe
Die westliche Zivilisation ist im Prozess der fortgeschrittenen Auflösung. Der Präsident ihrer führenden Nation repräsentierte ausgerechnet am gestrigen Ostersonntag die gegenwärtig wahre Natur dieser sterbenden Hegemonie perfekt: als obszön und beleidigend daherschwadronierender Loser. Das setzt die Szene für die Überlegung, wie es nach dem jetzt fast unvermeidlichen Dritten Weltkrieg weitergeht. Es folgen ein paar auf Ostern bezogene Gedanken, da jenes historische Ereignis vor fast 2000 Jahren ein wesentliches, ja unverzichtbares Element der westlichen Zivilisation ist.
Jesus kann nicht vom Tod auferstanden sein – das sei biologisch ein Ding der Unmöglichkeit. So tönt es gelegentlich aus atheistischen Kreisen, die meinen, damit ein bombenfestes Argument gegen das Fundament des christlichen Glaubens vorgebracht zu haben. Als ob die Biologie das letzte Wort in dieser Angelegenheit sei.
Es finden viele Dinge in dieser Welt statt, die im Rahmen des materialistischen, zufallsbasierten Paradigmas unmöglich beziehungsweise nicht erklärbar sind. Makroevolution zum Beispiel. Paläontologen wissen seit Jahrzehnten, dass in der Vergangenheit neue Arten in der Regel plötzlich und ohne Übergang auftauchten. „Nun sind sie halt da“, um ein berüchtigtes Zitat zu bemühen. Genau wie bei der Öffnung der Grenzen für Muttis Lieblinge gibt es im Hinblick auf die Entstehung der Arten immer mehr Hinweise auf Absicht und Planung.
Mit anderen Worten: Wie uns die Makroevolution an – staatlich genehmigten, beaufsichtigten oder gar geführten – Schulen beigebracht wird, als allmählicher Wandel der Arten aufgrund von Selektion und zufälliger Mutation, ist schlicht eine Falschdarstellung. Wie, der Staat belügt uns, schon im Kindesalter? Sachen gibt’s. In diesem Fall belügt er uns, um einen längst überholten Wissensstand in Sachen Evolutionsbiologie in unseren Köpfen zu verankern, der bestens seine Existenzberechtigung untermauert. Mehr dazu weiter unten.
Zunächst weiteres zur Unmöglichkeit zufallsbasierter Lebensevolution. Nehmen wir die dynamische Komplexität der Zelle eines Lebewesens. So dynamisch komplex wie eine Stadt, sagen Mikrobiologen heutzutage. Mit unzähligen, für die Funktionsfähigkeit der Zelle unverzichtbaren einzelnen Bestandteilen, die unmöglich unabhängig voneinander und gleichzeitig zufällig evolviert haben können, weil sie alleine für sich keinen Zweck erfüllen können. Unmöglich in dem Sinne, wie Physiker Unmöglichkeit in diesem Universum definieren: Wenn die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses kleiner als zehn hoch minus 50 ist. Das Ereignis, um das es hier geht, ist das plötzliche Vorhandensein einer sich replizierenden Zelle. „Nun ist sie halt da.“
Übrigens: Charles Darwin ging davon aus, dass Lebewesen vom Einfachen zum Komplexen evolvierten. Durch Mikroskope seiner Zeit konnte man Zellen, also die „einfachste“ Lebensform, nur als gallertartige Globuli ohne innere Struktur wahrnehmen. Ob er mit dem heutigen Kenntnisstand der Paläontologie und Mikrobiologie seine Bücher mit der gleichen argumentativen Stoßrichtung schreiben würde, ist zu bezweifeln. Es sei denn, er wäre, wie die meisten Naturwissenschaftler, direkt oder indirekt staatlich bezahlt.
Anderes Beispiel: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Planet alle inneren und äußeren physischen Voraussetzungen dafür besitzt, dass auf ihm Leben für so lange möglich ist, dass Zeit genug für die Entstehung einer hochtechnischen Zivilisation wie die der unseren da ist – bekannt sind inzwischen Hunderte solcher Voraussetzungen, von denen einige in einem bestimmten Zeitablauf vorhanden sein müssen. In diesem Fall ist die Minuszahl der Zehnerpotenz dreistellig, sagt uns der dem christlichen Glauben anhängende Astrophysiker Hugh Ross.
Wenig überraschend ist Ross ein vom Staat unabhängiger Naturwissenschaftler. Der vielfache Autor populärwissenschaftlicher Bücher ist Gründer und lange Zeit auch der Vorsitzende der Non-Profit-Organisation „Reasons to Believe“. Er hat daher die Freiheit, zu sagen, was der derzeitige Wissensstand wirklich ist. Nämlich dass das materialistische Erklärungsparadigma für natürliche Phänomene, also die zufallsgesteuerte Evolution, vor unseren Augen zerfällt. Direkt oder indirekt staatlich versorgte Wissenschaftler haben diese Freiheit nicht. Denn das Festhalten an diesem Glauben, und es ist ein Glaube, ist unverzichtbare Grundvoraussetzung für die Etablierung eines totalen Staates. Also das logische Endziel jedes modernen Staates. Nur der totale Staat, so der Überbau dieses Glaubens, ist in der Lage, zuverlässig Ordnung in das völlig unpersönliche, rein materialistische Chaos der Natur, einschließlich der Natur des Menschen, zu bringen. Und Zuverlässigkeit – wer wollte die nicht?
In jedem modernen Staat sitzt die Keimzelle des Totalitären, denn jeder moderne Staat ist das Produkt jenes Zweiges der Aufklärung, der von der Autonomie des Menschen ausgeht. Der in der Kant’schen Aufforderung, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, die Interpretation hineinlas, dass der menschliche Verstand die Krone einer materialistischen, zufallsbasierten Evolution sei und somit berechtigt, die Regeln des Daseins selbst, also autonom zu bestimmen. Was zwangsläufig auf das „Recht“ des Stärkeren hinausläuft – da hilft langfristig keine noch so ausgefeilt formulierte Verfassung, kein noch so energisches Pochen auf das Naturrecht, kein noch so phantasievolles Träumen vom Sezessionsrecht – sowie auf den Glauben, Gesetze und Vorgaben der Natur ignorieren zu können.
Aus diesem Glaubenskanon erwächst ein Todeskult. Denn: Solange der autonome Mensch den Tod nicht vollständig beherrschen kann, versucht er ihn dennoch irgendwie zu steuern. Von der Normalisierung der Abtreibung bis zur Sterbehilfe als wortwörtliche „Verlegenheitslösungen“ – siehe jüngst den Fall des Gruppenvergewaltigungsopfers in Spanien. Auch die Abtreibung als inzwischen Regelfall ist eine Verlegenheitslösung – weil die chemische Verhütung nicht so praktikabel und zuverlässig ist, wie erhofft.
„In the long run, we are all dead“, tönte zynisch der Vater unserer institutionalisierten Betrugsökonomie, John Maynard Keynes. Sein Gedankengebäude dient dem modernen Totalitarismus als Ausrede für endloses Schuldenmachen und dem Weginflationieren der Währung, mithin also der Versklavung aller. Das systematische Ignorieren der Gegenposition, nämlich die der Österreichischen Schule der Ökonomie, spiegelt das systematische Ignorieren der logischen Konsequenz der neueren Erkenntnisse der Paläontologie und Mikrobiologie: Der autonome, sprich „göttliche“ Mensch ist eine Illusion und Lüge, die aber zum Machtausbau und -erhalt der wenigen „illuminierten“, „aufgeklärten“ „Experten“ unabdingbar ist.
Diese Religion ist in ihren Grundzügen nicht neu. Zu Jesus’ Zeiten war es üblich, dass Herrscher sich als Gottessöhne sahen oder gar selbst als göttlich und als solche gehuldigt werden wollten. Christus drehte den Spieß um: „Wenn jemand der Erste sein will, so sei er von allen der Letzte und aller Diener“, sagte er laut dem Markus- und „wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht“, laut dem Matthäusevangelium. Das ist das paradoxe Prinzip der Marktwirtschaft: Wer den Kunden als König behandelt, wird kommerziellen Erfolg haben und materiell gut leben können – ohne auch nur ein Gebot Gottes brechen zu müssen.
Das aber bedeutet harte Arbeit und Verzicht – also Opfer zu bringen. Abgeschafft aufgrund der Selbstopferung des Herrn sind die performativen, rituellen Opfer. Nicht aber die moralischen Gebote, deren Einhaltung regelmäßig echte Opfer abverlangt. Opfer, die Kain zu bringen nicht bereit war und, statt sich zur Einkehr bewegen zu lassen, autonom von Gott handelte und die Welt seinem Willen unterzuordnen und sich zurechtzubiegen versuchte. Was für ihn katastrophal endete.
So wie derzeit die – vom politischen Materialismus gekaperte – westliche Welt katastrophal endet. Die derzeit in einen Dritten Weltkrieg stolpernde, orientierungslose, materialistische westliche Welt riskiert, dass Jerusalem mal wieder in Schutt und Asche liegt und dort, wo die Kaaba stand, sich eine riesige, radioaktive, geronnene Glasfläche erstreckt. Zudem riskiert sie mit ihrer lasterhaften Verschwendungssucht, die der des verlorenen Sohns aus der bekannten Parabel Jesu in nichts nachsteht, dass ihre Innen- und Vorstädte von wildgewordenen Jugendbanden und Kriminellen diverser Herkunft unsicher gemacht werden. Während sich die Staatsmacht dort in Luft auflöst und allmählich von einem Flickenteppich und Sammelsurium an Warlords, Drogenbossen, Clans und Kalifaten ersetzt wird. Während ferner Hyperinflation die letzten Reste jener Ordnung hinwegzuschwemmen droht, welche mit Hilfe jenes betrügerischen Geldsystems geschaffen werden sollte, das eben diese Hyperinflation in Gang setzte.
Spätestens dann wird die Zeit jener gekommen sein, die glauben, dass stabile Ordnung nicht von Menschen autonom geplant werden kann, sondern im Suchprozess gefunden wird. Eine Ordnung, deren Voraussetzungen vorgegeben, also vormenschlich, anders gesagt: übermenschlich oder eben übernatürlich sind. Dass zu den obersten Geboten dieses Ordnungsrahmens der Respekt des Privateigentums gehört – auch bekannt als: „Du sollst nicht stehlen“. Und zwar ohne den Zusatz: „Es sei denn, die Mehrheit stimmt dafür“, oder: „Es sei denn, du bist der Stärkste“.
Die Frage ist nur: Werden genug Menschen das glauben, wenn die Zeit gekommen ist? Genug, um eine würdige Nachfolgerin und Erbin der westlichen Zivilisation aufzubauen? Nach seiner Auferstehung sagte Jesus laut dem Matthäusevangelium Folgendes: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!“
Er wird das nicht gesagt haben, ohne es genauso gemeint zu haben. Es ist also keine Frage, ob ein würdiges Erbe der westlichen Zivilisation ebenso wieder auferstehen wird wie einst Jesus, sondern nur, wann.
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