„Robustes Christentum“: Geistige Herausforderung des Islam und Kampf gegen säkularen Verfall des Westens
Die Zivilisation durchlebt nicht in erster Linie eine politische, sondern eine tiefe spirituelle Krise
Speakers’ Corner an der nordöstlichen Ecke des Londoner Hyde Park steht sinnbildlich für jenes Rechtsgut, das wohl der wichtigste Grundbaustein der Freiheit ist: die Redefreiheit. Hier darf seit 1827 über alles und jeden offen geredet und debattiert werden. Wie die königliche Familie ist der kleine Flecken in der britischen Hauptstadt ein Relikt aus einer freieren Zeit – toleriert, solange er den wahren Herrschern der westlichen Zivilisation, beziehungsweise ihrer Zerstörer, nicht in die Quere kommt. Hier schützt die Polizei die Meinungsfreiheit auch und gerade vor gewalttätigen Störern. Eine gewisse Gruppe sieht dies als Chance, inmitten des Zerfalls der westlichen Zivilisation beispielhaft zu zeigen, wie dieser aufgehalten und umgekehrt werden kann. Vielleicht schafft sie es sogar, bevor ihr die Herrscherkaste auf die Schliche kommt.
Aufgrund der Segnungen des Internets wird immer bekannter, was für Personen in der „Rednerecke“ seit einigen Jahren rhetorisch die Oberhand haben: Vertreter eines sogenannten „robusten Christentums“ („muscular Christianity“). Nach ihren Angaben ist es ihnen gelungen, die an dem Ort vorher lange Zeit dominierenden Islamisten zu verdrängen. Muslime sind immer noch aktiv dort, aber die führenden Debattierer unter ihnen meiden die Christen, weil, sagen diese, sie ihnen argumentativ unterlegen sind. Führend unter den „robusten Christen“ ist ein junger Mann, der sich in der Öffentlichkeit als „Bob of Speakers’ Corner“ vorstellt. Näheres über seinen Namen, seine Herkunft und seinen Beruf nennt er nicht, denn außerhalb des kleinen Winkels im Londoner Park stehen Polizisten nicht ständig bereit, aufgrund unliebsamer Meinungen durchdrehende Gewalttäter einigermaßen unter Kontrolle zu halten.
Dennoch: Das Beispiel „Bob“ beschämt jene, die in der Tradition der säkularen Aufklärung stehen. Denn im Vergleich zu ihm und Seinesgleichen tun sie bestenfalls nichts, um ihr Erbe zu schützen. Schlimmstenfalls unterstützen sie die illegale Schleusung von Migranten, weil manche sich von der Präsenz vieler Muslime die Vernichtung der letzten Reste der christlichen Fundamente der westlichen Freiheit erhoffen, die sie richtigerweise als Hürden auf dem Weg zum kommunistischen und/oder woken Utopia wahrnehmen. Zu dieser Gruppe zählen natürlich auch jene, die so manche Kirche im Westen infiltriert und entkernt haben. Also Vertreter dessen, was man „schlaffes Christentum“ nennen könnte. Welches Bob und Konsorten selbstverständlich ebenfalls beschämen.
Unten verlinkt sind ein paar Videos, die Bob in Aktion zeigen. Im ersten zeigt er einem Muslim, dass Jesus sehr wohl laut Bibel gesagt hat, er sei Gott. Im zweiten Video legt er dar, dass in islamisch regierten Ländern eine Zweiklassenjustiz herrsche. Eine Justiz für Muslime und eine andere für alle anderen. Wohingegen das Christentum das Prinzip des gleichen Rechts für alle etablierte. In beiden Fällen wird deutlich, dass er „robust“ auftritt, sich nicht dazwischenreden lässt und auf klare Antworten besteht.
So auch im dritten Video, wo er erklärt, dass in diesem historischen Moment der Islam intellektuell auf eine Weise herausgefordert wird wie nie zuvor. Denn nun befinden sich Moslems in großer Zahl in Ländern, in denen es – noch – genug Freiheit gibt, den Islam zu kritisieren und zu hinterfragen. Ob das mit der Herausforderung historisch so stimmt, ist zweifelhaft, aber auch irrelevant. Denn Bob zufolge verliert der Islam bei der aktuellen Konfrontation mit „intellektuellen Christen“ auf ganzer Linie.
Unter dem vierten Link befindet sich ein Video eines Interviews, das der Theologe und Priester Calvin Robinson mit Bob führte. Darin sagt der Hyde-Park-Evangelist Bob, dass er nicht nur radikale Islamisten aus dem Speakers’ Corner verdrängt habe. Sondern er habe darüber hinaus manch einen, den diese vom Islam überzeugt hatten, sowie weitere Muslime zum Christentum bekehrt. Inzwischen sprächen ihn viele Muslime an, die zu ihm mit ehrlichen Fragen und Absichten kommen und die nicht bloß zur Schau debattieren wollen.
Das Interview ist auch insofern bezeichnend, als Bob im Hinblick auf die weitaus mehrheitlich muslimischen „grooming gangs“ in England – Banden, die sich auf das Verführen und Vergewaltigen meist weißer minderjähriger Mädchen aus der Arbeiterklasse spezialisiert haben – einen klaren Unterschied macht zwischen dem Verhalten der Bandenmitglieder und der islamischen Lehre. Aber seiner Ansicht nach sei auch klar, dass das „islamische Milieu“ dazu beiträgt, Leute „mit solchen Neigungen in diese Richtung zu stupsen“.
Was haben diese Anfangserfolge des „robusten Christentums“ mit Freiheit zu tun? Im vergangenen März fand an der Universität Oxford eine Konferenz unter dem Titel „Christian Revival – Our Post-Liberal Hope?“ statt. In ihrer dortigen Rede sagte die dänische, zum Katholizismus konvertierte Theologin Iben Thranholm, dass der Westen nicht in erster Linie eine politische, sondern eine tiefe spirituelle Krise durchlebe. Die Menschen suchten fälschlicherweise Heil, Sinn und Sicherheit in der Politik, in Wahlen und im materiellen Fortschritt – Dinge, die das menschliche Bedürfnis nach Transzendenz und einer höheren moralischen Autorität nicht erfüllen können.
Daher verwundere es nicht, dass in Europa eine Erweckungsbewegung begonnen habe. Derzeit gebe es allerdings darin zwei getrennte Gruppen. Einerseits eine laute, politische und andererseits eine stille, spirituelle Fraktion. Der ersten Gruppe, die durchaus das Christentum als zivilisatorisches Element ihrer Kultur wahrnimmt, gehe es in erster Linie um Loyalität und Kultur und weniger um persönlichen Glauben oder die Forderung nach einer anspruchsvollen moralischen Lehre. In Großbritannien könnte man die Leute um Tommy Robinson und seine „Unite the Kingdom“-Bewegung dazu zählen, in Deutschland wäre die Pegida-Bewegung vor zehn Jahren ein entsprechendes Beispiel.
Die zweite Gruppe dagegen suche leise nach Wahrheit, Metaphysik, Transzendenz und Substanz. Leute in dieser Gruppe spürten eine innere Leere, seien die selbstgemachten Antworten leid und sehnten sich nach einer höheren moralischen Autorität. Sie stellten das Heil ihrer Seelen über die Rettung der Zivilisation.
Thranholm betont, dass die Probleme des Westens begannen, als die Zivilisation wichtiger wurde als die Seelen und als der Staat Gott als höchste Souveränität ersetzte. Im Grunde seit der Französischen Revolution. Christliche Kultur, so die Theologin weiter, sei nicht Selbstzweck, sondern ein Nebenprodukt davon, dass die Menschen Gott an erste Stelle setzen, heilig zu leben versuchen und das Himmelreich anstreben. Mit anderen Worten: Die westliche Zivilisation ist ein segensreiches, ungeplantes Folgeprodukt der ehrlichen Suche nach Gott und eines entsprechenden freiwilligen Verhaltens anderen gegenüber. Eine solche Zivilisation kann nicht aus einem Selbstverständnis des Menschen als von Gott unabhängiges Wesen gestaltet oder auch nur aufrechterhalten werden.
An dieser Stelle wird die Sprecherin politisch, genauer gesagt anti-politisch. Sie warnt davor, die sich anbahnende Erneuerung in ein weiteres politisches Programm zu verwandeln – das sei säkulares Denken. Stattdessen müssten wir zu einem sakralen Denken wechseln: Seelen und Gott an die erste Stelle setzen, die Gnade durch die Menschen wirken lassen und das Christentum alle Bereiche der Gesellschaft – Recht, Kunst, Bildung, Kultur – durchdringen lassen.
Und hier nun der Brückenschlag zu dem, was aktuell am Speakers’ Corner abläuft: Thranholm hebt eine beispiellose Welle von muslimischen Konversionen zum Christentum im Nahen Osten und in der muslimischen Welt hervor. Sie kontrastiert diesen aufgrund der bekannten Gefahren bemerkenswerten Vorgang mit der Radikalisierung, die stattfindet, sobald Muslime den Westen erreichen. Sie deutet an, dass der Islam möglicherweise eine „Züchtigung“ oder ein Weckruf für einen gottlosen, „liberalen“ – gemeint ist: „linken“ – Westen darstellt. Die Schwäche des aktuellen Christentums, das moralischen Verfall und Säkularismus duldet, treibe Muslime in Europa in den radikalen Islam, während ein lebendiger, ernster christlicher Glaube deutlich mehr Konvertiten anziehen könnte.
Sie appelliert an Kirchen, im Hinblick auf Migranten über praktische Hilfe hinauszugehen und ihnen gegenüber offen das Evangelium zu verkünden. Viele Muslime seien offen für Christus, und christliche Konvertiten integrierten sich besser. Sie fragt, wie Europa heute aussehen könnte, wenn Pastoren die Asylsuchenden vor Jahren auch geistlich angesprochen hätten.
Was das alles bedeutet? Die freieste Zivilisation der Menschheitsgeschichte ist ernsthaft bedroht. Die größte Bedrohung geht nicht von Muslimen aus, sondern von jenen Menschen, die die ihnen vererbte Freiheit genutzt haben, um die Zivilisation mittels Steuern, inflationärem Fiatgeld, Regulierungen, Überwachung und Gehirnwäsche in einen Würgegriff zu nehmen und gnadenlos auszupressen. Eines ihrer Instrumente unter vielen ist die unkontrollierte Zuwanderung aus kulturfremden Gebieten. Der damit definitiv kausal verbundene Zuwachs an Anarchotyrannei zersetzt die Kultur des Vertrauens, welche das Christentum über Jahrhunderte aufbaute und die Grundlage eines erfolgreichen, den allgemeinen Wohlstand fördernden Kapitalismus und der kulturell und wirtschaftlich vorherrschenden Gestaltungskraft eines selbstbewussten, unabhängigen Bürgertums war.
Kann dieses anarchotyrannische Instrument umgekehrt werden? Physisch wohl eher nicht. Konzepte zur Remigration überzeugen nicht. „Nun sind sie halt da“, feixte die „Abrissbirne Deutschlands“ (Podcaster Tim Kellner über Angela Merkel). Wie aber, wenn viele andere dem Beispiel des Engländers im Londoner Park folgen? Wenn dieses Instrument, das von „Bob of Speakers’ Corner“ erwähnte „islamische Milieu“, geistlich statt physisch umgekehrt werden kann? Wenn sie es den Missionaren im Nahen Osten und in der muslimischen Welt gleichtun – unter viel ungefährlicheren Bedingungen? Individuum für Individuum. Nicht mit politischen Mitteln, nicht mit Gewalt, sondern mit Wahrheit, Metaphysik, Transzendenz und Substanz. Dann wird sich dieses Instrument von seinen ursprünglichen Manipulatoren abwenden – in vielen individuellen Fällen sogar gegen sie wenden.
Kann das passieren? Gegenfrage: Ist diese Vorstellung mehr oder weniger phantastisch als eine gelungene, friedlich ablaufende, finanziell stemmbare Remigration? Oder als ein friedliches Zusammenleben inkompatibler Kulturen auf engstem Raum?
Politik ist der Kultur nachgelagert. Kultur jedoch ist der Religion nachgelagert. Das allenthalben offensichtliche systemische Scheitern der modernen Politik erfordert eine Überprüfung und einen Austausch ihrer zugrundeliegenden Religion. Diese ist der Säkularismus, und der ist krachend gescheitert. Wird er von einem „robusten Christentum“ ersetzt werden? Die Alternative ist ebenso offensichtlich: Anarchotyrannei.
Quellen:
Calm Muslim Sees RED FLAGS of Dawah script - Bob of Speakers Corner|Debate
Angry Muslim Instantly Regrets Asking This Question - Hyde Park| Speaker's Corner
Christianity or Islam ? Proving Christianity to Agnostic Muslim - Bob of Speakers’ Corner |
Hyde Park's Greatest Christian Defender - Calvin Robinson
There Are Two Christian Revivals Happening - Here’s the Difference
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