23. März 2026 16:00

Rücktritt des US-Terrorismusbekämpfers Joe Kent Unterstützung für Israel in den USA schwindet

Was bedeutet das für die Zukunft der Freiheit?

von Robert Grözinger drucken

Irankrieg: Politische Spannungen im Nahen Osten wirken sich negativ auf die Unterstützung der Amerikaner für Israel aus
Bildquelle: e-Redaktion Irankrieg: Politische Spannungen im Nahen Osten wirken sich negativ auf die Unterstützung der Amerikaner für Israel aus

Der Irankrieg, wie auch die aufgrund dessen noch unheilvolleren Aussichten für die globale Wirtschaft, halten die ganze Welt in Atem. Ebenso das erratische Verhalten der einzigen Person, die dem Treiben am Persischen Golf ein Ende bereiten kann, bevor noch mehr Zivilisten gewaltsam sterben, Preise und Arbeitslosigkeit noch weiter in die Höhe schnellen und der ohnehin fragile Zusammenhalt innerhalb vieler, auch westlicher Staaten, endgültig zusammenbricht.

Im Hintergrund läuft ein eigenes, wiewohl mit dem obigen Schreckensmenü eng verknüpftes Drama ab. Der Ausgang dessen verspricht langfristig von mindestens so großer Tragweite zu sein wie das gleichzeitig im Nahen Osten ablaufende. Die Rede ist vom Zusammenbruch der Unterstützung für Israel in den USA. Die Demokraten sind in dieser Hinsicht schon lange von Bord gegangen. Nun verabschieden sich auch die Republikaner. Jedenfalls viele Trump- oder Maga-Republikaner. Verrückte Welt: Die „Never-Trumper“ dieser Partei, die Donald Trump verachten, weil er in seinen Wahlkämpfen immer wieder sagte, keinen neuen Krieg beginnen zu wollen, unterstützen den Präsidenten jetzt rückhaltlos.

Während in Umfragen die MAGA-Republikaner noch überwiegend für den Präsidenten sind, wenden sich wichtige, ja entscheidende Unterstützer von ihm ab, nämlich die Betreiber unabhängiger Medien. Podcaster wie Tucker Carlson, Candace Owens und Joe Rogan haben den Krieg vom ersten Tag an verurteilt, denn er diene nicht amerikanischen Interessen. Sie haben ein eher konservativ gestimmtes Millionenpublikum, dessen Stimme sie sein wollen.

Ein weiteres deutliches Zeichen für den fortgesetzten Verfall der Unterstützung Israels in den USA ist der Rücktritt des Leiters des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, aus Protest gegen den Irankrieg. In einem Interview mit Carlson kurz nach seinem Rücktritt am 17. März sagte Kent, dass aus seiner Sicht vom Iran keine unmittelbare Bedrohung für die USA ausging – der einzige politisch akzeptable Grund für einen militärischen Angriff. Er beschrieb ferner, wie Vertreter israelischer Sicherheitsbehörden ungehinderten und ungefilterten Zugang zum Präsidenten haben.

Kent ist für die Republikaner bei Wahlen zum Repräsentantenhaus angetreten und zweimal knapp gescheitert. Er trat mit 17 Jahren in die Armee ein und absolvierte laut Wikipedia elf Kampfeinsätze, die meisten davon im Irak, aber auch in Jemen und Nordafrika. Seine erste Ehefrau, ebenfalls eine Armeeangehörige, wurde 2019 bei einem Selbstmordattentat in Manbidsch, Syrien, getötet.

Als im Jahr 2003 der damalige US-Außenminister Colin Powell Aussagen über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak machte, die sich später als Lügen herausstellten, sagte sich Kent, wie er im besagten Interview ausführte, dass er, sollte er jemals in eine ähnliche Lage kommen, so etwas nicht machen würde. Die Massenvernichtungswaffenlüge diente als Grundlage für die Invasion im Irak, in dessen Verlauf und während der jahrelangen Kämpfe danach etwa 5.000 US-Soldaten getötet wurden.

Nun sei dieser Moment gekommen, denn überall werde die Parole herausgegeben, der Iran stelle eine unmittelbare Gefahr dar. Möglicherweise für die umliegenden Länder, nicht aber für die USA, so Kent. Das aber sei der einzige vertretbare Grund für einen Angriffskrieg seines Landes.

Ein weiterer MAGA-Unterstützer, der Trump den Rücken kehrt, und das aus gleichem Grund, ist John Yep, Gründer und Vorsitzender der Organisation von „Catholics for Catholics“. In einem kürzlich veröffentlichten Interview mit Jimmy Dore spricht Yep davon, 2024 „die historisch größte Wählerbewegung von Katholiken hin zu den Republikanern“ organisiert zu haben. Yep sagte, der Grund dafür, dass Trump den Krieg mit Iran losgetreten hat, trotz Widerstandes aus seinen eigenen Reihen, nicht zuletzt auch vom im September ermordeten höchst einflussreichen jungen Republikaner Charlie Kirk, sei das, was Yep einen „Krebs in Amerika“ nennt, und der heiße „Zionismus“. Es gehe ihm dabei nicht um Juden, sondern um einen „Feind im Land“. Die Hälfte der Leute im modernen Staat Israel nennen sich „atheistische Juden“, sagt Yep weiter. Was heiße das überhaupt? Diese seien es, die nicht mit der Wimper zucken, wenn es darum ging, Wohnblocks in Gaza zu vernichten, und jetzt im Libanon. Diese beziehungsweise ihre Unterstützer in den USA hielten Amerika im Würgegriff.

Kein Zweifel, in verschiedenen amerikanischen Wählerkreisen wächst der Verdacht, dass die Regierung und verschiedene Behörden der USA, wenn es um Israel geht, die Interessen der Amerikaner hinter denen des israelischen Staates stellen. Zunehmend mehr äußern diesen Verdacht ohne Angst vor dem Vorwurf des Antisemitismus. Egal, wie man dazu steht, das wird langfristige Auswirkungen haben, die auch Europa betreffen.

Zunächst noch etwas zu Joe Kent. Und zu Charlie Kirk. Denn die explosivste Aussage Kents im Interview mit Carlson war diese: Seine Behörde wollte untersuchen, inwiefern der Mord an Kirk einen terroristischen Hintergrund hatte – und ob er aus dem Inland oder dem Ausland stammte. Doch Anfragen nach entsprechenden Informationen in anderen Ämtern wurden entweder nicht beantwortet oder auf die lange Bank geschoben.

Nun ist bekannt, dass vieles rings um den Mord an Kirk sehr seltsam ist. Von der Unwahrscheinlichkeit, dass die angebliche Tatwaffe tatsächlich gebraucht wurde, über das untypische Verhalten mancher Mitarbeiter Kirks unmittelbar nach dem Anschlag, der Überpflasterung des Tatortes wenige Tage später bis hin zur sehr fragwürdigen Vergangenheit seiner Ehefrau Erika und ihrer, sagen wir mal, ungewöhnlichen Art zu trauern. Das alles wäre einen eigenen Artikel wert, soll aber hier nicht das Hauptthema sein.

Zur Erinnerung: Kirk führte die Multimillionen-Dollar-Organisation für konservative junge Menschen namens „Turning Point USA“ an und hatte sich zum Angstgegner linker Akademiker in US-Hochschulen entwickelt. Seine Kampagnen sollen entscheidend für den Wahlsieg Trumps 2024 gewesen sein. Kirk hatte in den Monaten vor seinem Mord im vergangenen September nachdrücklich vor einem Krieg mit dem Iran gewarnt und wurde deshalb persönlich bei Trump im Weißen Haus vorstellig. Es ist belegt, dass er zunehmend irritiert war vom Druck superreicher, israelfreundlicher Spender auf ihn, von Äußerungen zum Iran abzulassen. In diesem Zusammenhang lässt die Aussage Kents über Behinderung von Ermittlungen aufhorchen. Viele in Amerika werden aufhorchen.

Wie also wird es weitergehen mit der Unterstützung Israels durch die USA? Je länger sich der Irankrieg hinzieht, desto mehr Amerikaner werden diese Unterstützung verweigern. Eine signifikante Minderheit, nämlich die sogenannten „zionistischen Christen“, werden am Ende fast allein übrigbleiben. Mit anderen Worten: Mit demokratischen Mitteln wird diese Unterstützung nicht mehr so aufrechtzuerhalten sein – dabei ist es in diesem Fall egal, ob die Demokratie nur Staffage ist oder nicht.

Was kommt dann? Der Irankrieg und die gegenwärtige Entwicklung des sogenannten „Zionismus“ reihen sich in einen längerfristigen und viel breiteren Trend im ganzen Westen ein: Verlust von Freiheiten, Verlust von Kaufkraft, mehr technokratische statt demokratische Entscheidungsstrukturen, mehr rohe Gewalt und ihre Androhung, mehr Zerstörungswut und Vandalismus, mehr Rechtlosigkeit auf den Straßen, mehr als Wissenschaftsgläubigkeit getarnte Förderung von Konformität. Immer weniger echtes Wachstum, Verfall der Kultur und die Verbreitung des Gefühls, in einem Freiluftirrenhaus zu leben.

Angesichts dessen ist der wachsende Widerstand in den USA gegen den Irankrieg ein Hoffnungsschimmer. Der herbe Beliebtheitsverlust, den Israel jetzt dabei erleidet, ist nicht zu vermeiden. Es mag im Interesse einiger – nicht aller – Israelis sein, das Mullah-Regime zu kippen, auch wenn dann der ganze Nahe Osten in Flammen steht. Im Interesse der allermeisten Amerikaner – und auch der allermeisten Europäer – ist eine solche Entwicklung nicht.

Quellen:

Joe Kent Drops BOMBSHELL About Charlie Kirk's Death; YouTube

Vollständiges Interview von Tucker Carlson mit Joe Kent; YouTube 

Catholics Turn Against Trump AND Israel! w/ John Yep; YouTube

Bret Weinstein's Thoughts on Charlie Kirk and Iran; YouTube


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