07. April 2026 11:00

Freiheitsimpuls Einfach mal woanders kaufen

… oder auch gar nicht

von David Andres drucken

Nicht echt, aber wahr - zugespitzte Nachtstimmung an der freien Tankstelle
Bildquelle: Pexels / Pixabay Nicht echt, aber wahr - zugespitzte Nachtstimmung an der freien Tankstelle

In den sozialen Medien häufen sich die Videos empörter Männer vor Tankstellen. Zugleich kann man voller Seelenfrieden in einen uralten Tabakladen spazieren. Zeit für Entscheidungen.

Die deutsche Sprache ist von bewundernswerter Präzision. Ent-scheiden. Man scheidet das eine von dem anderen, trennt es ab, legt es zur Seite, so dass nur eines übrig bleibt. Man könnte auch sagen: Es geht um Prioritäten. Wer den Libertarismus nur oberflächlich als Feindbild in den Massenmedien wahrnimmt, könnte ja glauben, gerade wir predigten Wachstum und Konsum um jeden Preis – und für jeden Preis. Weit gefehlt!

Derzeit steigen die Spritpreise ins Realsatirische. Die meisten Influencer sowie einige Nachrichtenmagazine reagieren darauf, indem sie sich um Punkt 12 Uhr vor den Preistafeln der Tankstellen filmen. High Noon, denn nach der sogenannten Spritpreisbremse der Politik dürfen die Betreiber den Preis nur noch einmal täglich um diese Zeit hinaufschrauben. Damit es für alle Fälle reicht, schlagen sie ordentlich auf … doch im Laufe des Tages sinkt der Preis wieder, mit Tiefstständen am späten Abend sowie am nächsten Vormittag, kurz vor zwölf.

Einen konstruktiven Umgang damit schlug kürzlich Andy Mörker von OSUS TV vor. Er erläuterte, dass unter allen Anbietern Aral derjenige ist, der mit seinen Preisen den Ton angibt und die Benchmark für die Mitkonkurrenten setzt. Man kennt das als preisbewusster Koffeinsüchtiger von den Discountern – hier ziehen alle dem Preis nach, den ALDI für einen Fund seines Kaffees ansetzt. Die Lösung laut Mörker: Aral meiden. Für ein, zwei, drei Wochen, nicht nur beim Sprit, sondern vor allem bei den Waren aus dem Shop, die den eigentlichen Umsatz der Tankstellen ausmachen.

Tatsächlich ist es so, dass sich diese Strategie nicht nur lohnt, um dem Platzhirsch eine Grenze aufzuzeigen. Apps, welche die Preise der Region in Echtzeit angeben – ich empfehle hier tankste! – zeigen schnell, dass es zwischen den verschiedenen Ketten und erst recht zwischen ihnen und den freien Tankstellen teils Preisunterschiede von 20 Cent pro Liter gibt. So fuhr ich dieser Tage am späten Abend raus und machte mir das Auto sowie diverse Reservekanister an namenlosen Zapfsäulen voll, die oftmals an Werkstätten oder Autohäuser angeschlossen sind und den einzigen Nachteil bilden, dass man den EC-Kartenbetriebenen Tankautomaten benutzen muss. Orte wie Krimikulissen, an abgelegenen Landstraßen oder in verlassenen Gewerbegebieten. Ein spannender Ausflug.

Woanders kaufen oder boykottieren – das ist mein Freiheitsimpuls für diese Woche. Was für Sprit gilt, lässt sich dabei auf alle Waren ausweiten. Es geht nicht immer nur ums Bestrafen von Kartellen, sondern ums Unterstützen der passionierten Kleinen, denen doch ohnehin in Wahrheit die Liebe von uns Freiheitlichen gilt.

So waren es ebenfalls die sozialen Medien, die mich auf den letzten, reinen Tabakladen von Wuppertal aufmerksam machten, betrieben von einem Mann, der schon aussieht wie der perfekte Genussraucher des Pfeifchens. Roland Zander hat den seit 1960 existierenden Laden von seinem Vater übernommen. Die Regale stammten aus der Vorkriegszeit, als sie durch waren, hat er sie originalgetreu nachbauen lassen. Wegen des Internethandels könnte jeder Stammkunde seinen Tabak mittlerweile auch woanders bekommen und sich ebenfalls ausführliche Videos fremder Rauchsomeliers anschauen. Doch sie halten dem Geschäft die Treue, damit es bleibt. Womöglich auch, weil der Vater dem Sohn ein regelrecht libertäres Credo mit auf den Weg gegeben hat: „Jeden Menschen respektieren und so nehmen, wie er ist.“

Das ist dann so ein Geschäft, bei dem ich als Nichtraucher sogar in Erwägung ziehe, aus purer Sympathie das erste Mal einen Zug zu riskieren. Halten Sie Ausschau nach dem, was Sie mögen und was Sie meiden wollen – und handeln Sie durch den Handel.

Ach ja, ein PS aus dem Auto: Während einer meiner Erledigungsfahrten hörte ich dieser Tage einen Mann im zwangsgebührenfinanzierten Deutschlandfunk angesichts der Auswirkung der „Spritpreisbremse“ sagen, politische Eingriffe in die Wirtschaft würden in den meisten Fällen scheitern. Es gibt Hoffnung …

Quellen:

Folgen des Iran-Kriegs: „Von Spritpreisbremse kann man eigentlich nicht sprechen. Preise steigen in eskalierender Weise“ - Video - WELT

https://www.instagram.com/p/DWltxDHDHlK/

tankste! - Deine Tankpreis App - Apps bei Google Play

Roland Zander - Der Mann, der Wuppertals letzten Tabakladen führt


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