Digitale Verhaltensmodifikation: Psychologisches Zuckerbrot statt Peitsche: Der neue digitale Gulag der Verhaltensmodifikation
Wie von Aldous Huxley angemahnt
Als Aldous Huxley, Bruder von Julian Huxley und Nachfahre von Thomas Henry Huxley, der mit seinem „X-Club“ maßgeblich dazu beitrug, dem materialistisch-reduktionistischen Weltbild in den Wissenschaften zu einer historisch langwährenden Dominanz zu verhelfen, die heuer allerdings allmählich die überfällige, dringend nötige Aufweichung erfährt, bei einem Vortrag vor Studenten an der Universität von Kalifornien in Berkeley Anfang der 1960er Jahre sagte, die Herrscher der Zukunft würden subtilere Methoden des Regierens ersinnen, dachte er sicher noch nicht an Internet, globale Datenkonzerne und KI-gesteuerte Systeme des Nudgings.
Vielleicht hatte er eine leise Ahnung – schließlich hatte sich Herbert George Wells viele Jahre vor ihm ein „elektronisches Weltgehirn“ gewünscht, das heute bereits existiert: eben das Internet, ein weltweit gespanntes digitales „Nervensystem“, sozusagen, mit dessen Hilfe so manche Vision früherer Machteliten praktikabel wurde. Mit den wuchtigen Wohnzimmerschränken der ersten Computer, die im Vergleich zu heutigen Systemen natürlich regelrecht primitiv waren, die noch mit Lochkarten gefüttert und von menschlichen Ingenieuren gepflegt und gehegt und mit allerlei Daten gefüttert werden mussten, war ein „World Brain“ natürlich undenkbar. Und ohne globale Kommunikation, vulgo Internet, ist eine globale Datenerfassung, -analyse und -bewertung in Echtzeit ebenso witzlos.
Jedenfalls sagte Aldous damals, im Jahre 1962, die Herrscher der Zukunft würden nicht mehr auf veraltete und grobschlächtige Methoden wie physische Gewalt, kurz, Schlagstöcke und Stiefel zurückgreifen:
„Heute stehen wir, glaube ich, vor dem, was man die ultimative Revolution nennen könnte, die letzte Revolution, bei der der Mensch direkt auf den Geist-Körper seiner Mitmenschen einwirken kann … wir sind dabei, eine ganze Reihe von Techniken zu entwickeln, die es der kontrollierenden Oligarchie, die es immer gegeben hat und vermutlich immer geben wird, ermöglichen, die Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben. Das ist, wie mir scheint, das Nonplusultra bösartiger Revolutionen, wenn man so will, und das ist ein Problem, das mich seit vielen Jahren interessiert und über das ich vor dreißig Jahren eine Fabel geschrieben habe, Brave New World, eine Darstellung der Gesellschaft, die alle verfügbaren Mittel und einige der Mittel, die ich für möglich hielt, einsetzt, um vor allem die Bevölkerung zu standardisieren, unangenehme menschliche Unterschiede auszubügeln, um, sagen wir, massenhaft produzierte Modelle von Menschen zu schaffen, die in einer Art wissenschaftlichem Kastensystem geordnet sind.“
Et voilà, wir schreiben das Jahr 2026, und Huxleys Worte lesen sich wie eine Beschreibung der Welt von heute. In der Tat: Man ist dabei, „eine ganze Reihe von Techniken“ zu entwickeln, um die Steuerwollepflücker auf der drangsalierten und zunehmend strangulierten Wirtschaftsplantage glauben zu lassen, ihr Käfig sei gar keiner, sondern das Nonplusultra an Freiheit und Wahlmöglichkeiten. Einige dieser Techniken sind bereits vorhanden, an anderen wird fleißig gearbeitet – wie zum Beispiel dem „Programmierbaren Geld“, vor allem aber der Ideologie, die man der breiten Bevölkerung verfüttert: Es ist doch in deinem eigenen besten Interesse. Rettung des Planeten und so, Erreichung des 2.06531-Ziels, kurz, die „vorübergehende Diktatur des klimakonformen Proletariats“ – Sie kennen das Programm, Sie haben das alles schon mal gehört, ich weiß.
Der Unterschied ist also, dass die Propagandamethoden von früher von außen auf Menschen einwirkten. Dann ging man dazu über, sie von innen wirken zu lassen. Man könnte hier von der „Inception-Methode“ sprechen, so ähnlich, wie Chris Nolan sie im gleichnamigen Film geschildert hatte: Wie pflanzt man eine Idee so in einen menschlichen Kopf, dass er sie für seine eigene hält?
„Traditionelle Propaganda sagt Ihnen, was Sie denken sollen“, heißt es in „Kybernetik zweiter Ordnung“ des Blogs „ESC“ (den man nicht oft genug lobend erwähnen kann), dem derzeit besten Artikel zur technokratischen Architektur, den man im Internet findet. Die derzeit entwickelte Architektur aber, so heißt es darin weiter, „prägt die Entwicklung Ihrer Denkfähigkeit und sorgt dafür, dass Ihr reifes, autonomes Urteilsvermögen zu den »richtigen« Schlussfolgerungen gelangt. Sie kontrollieren sich selbst – nicht aus Angst, sondern aus Stolz auf Ihre moralische Entwicklung und Ihre Rolle in etwas, das größer ist als Sie selbst.“
Mark Keenan wiederum, der früher als Technikberater für die UN arbeitete und heute als freischaffender Publizist werkelt, erklärt dieses neue System wie folgt:
„In einem solchen System wird Einfluss weniger durch direkte Verbote ausgeübt, sondern vielmehr durch Einbeziehung oder Ausschluss, die im System selbst verankert sind:
– günstige Konditionen für Aktivitäten, die den Vorgaben entsprechen.
– höhere Kosten oder eingeschränkter Zugang für diejenigen, die als nicht konform gelten.
Auf lange Sicht kann dies die Ergebnisse ebenso wirksam beeinflussen wie formelle Regulierung – oft sogar noch stärker, da es kontinuierlich und weniger sichtbar wirkt.“
Und wie macht man das? Wie lässt man die Herrschaftsmethodologie selbst möglichst unsichtbar werden? Wie lässt sie sich möglichst geschickt tarnen? In „Der neue Technogott: Herrschaft ohne Gesicht“, dem dritten und letzten Band meiner Trilogie zur Technokratie, finden interessierte Leser eine detaillierte historische Herleitung dazu. Welcher Methoden – vor allem technischer, aber auch psychologischer Natur des „Nudgings“, der Narrativkontrolle im „Öffentlichen Diskurs“, der Einflussnahmen auf Wissenschaft und Forschung, der massenmedialen Propaganda, der finanzsystemischen und wirtschaftspolitischen Einflussnahme und Steuerung – bedient sie sich? Im Wesentlichen läuft es darauf hinaus, die Herrschaft zwischen Codezeilen verschwinden zu lassen – die „Algokratie“, wie Corbett sie nennt, gewinnt durch KI-basierte Systeme historisch neu- und einzigartige Reichweite und Durchsetzungskraft.
Keenan liefert eine gute Kurzübersicht. Die im Englischen sogenannte „Compartmentalisation“, also die Aufteilung oder „Zersplitterung“ in einzelne systemische Wirkebenen, die für sich genommen das Gesamtsystem nicht erkennen lassen (was gewollt ist), aber funktional zusammenwirken wie die berühmten Zahnräder in einer großen Maschine und auf den erwünschten Endpunkt (möglichst umfassende Kontrolle) konvergieren, erfährt hier ihre Maximierung.
„Für sich genommen“, so Keenan, „ist keine dieser Entwicklungen besonders dramatisch. Jeder einzelne Schritt lässt sich ganz konkret erklären: bessere Daten, verbessertes Risikomanagement, effizientere Kapitalallokation. Zusammengenommen deuten sie jedoch auf etwas Größeres hin. Das Wirtschaftsleben wird zunehmend von Systemen bestimmt, die:
– akzeptables Verhalten definieren.
– die Übereinstimmung mit diesen Definitionen messen.
– die Ergebnisse mit finanziellen Konsequenzen verknüpfen
[…]
Das Ergebnis ist eine – zwar subtile, aber dennoch bedeutende – Veränderung in der Art und Weise, wie Kontrolle funktioniert. Anstatt sich in erster Linie auf sichtbare Regeln und Institutionen zu stützen, ist Einfluss in die Strukturen eingebettet, über die wirtschaftliche Aktivitäten ablaufen. Dadurch ist er schwerer zu erkennen, schwerer anzufechten und in seinen Auswirkungen allgegenwärtiger. […] [Dies] hat dazu beigetragen, eine neue Art der Organisation des Wirtschaftslebens einzuführen und zu normalisieren: eine, in der Verhalten durch integrierte Finanzsysteme kontinuierlich bewertet, klassifiziert und beeinflusst wird.“
Keenan meint damit speziell die „Sustainable Development Goals“ und die ESG-Kriterien, die ja auf der Erzählung vom anthropogenen Klimawandel aufbauten, allerdings wird das System zufolge noch darüber hinausgehen:
„Was als Reaktion auf ein spezifisches Umweltproblem begann, entwickelt sich zu etwas Umfassenderem – einem Rahmenwerk, das über verschiedene Bereiche, Ziele und Gesellschaften hinweg angewendet werden kann. Das Klima war nicht das Endziel. Es könnte sich herausstellen, dass es nur das Pilotprojekt war.“
Die „pädagogischen“ Maßnahmen zur Verhaltensmodifikation, aber vor allem der -kontrolle, sind bereits auf algorithmischer Ebene in das System integriert, das keine menschlichen Kontrolleure mehr braucht, keine Verwaltungsbeamten und keine externen Strafmaßnahmen:
„Traditionelle Regulierung wirkt von außen. Regierungen erlassen Gesetze, Regulierungsbehörden setzen sie durch, und Einzelpersonen oder Unternehmen reagieren darauf – manchmal mit Befolgung, manchmal mit Widerstand, oft mit Anpassungen, die die Regulierungsbehörden nicht vorhergesehen haben. In jüngerer Zeit hat sich etwas anderes herausgebildet. Anstatt Verhalten nachträglich zu regulieren, werden Systeme aufgebaut, die Verhalten im Voraus gestalten können – nicht durch direkte Verbote, sondern durch die Veränderung der Bedingungen, unter denen wirtschaftliche Aktivitäten stattfinden. Im Klimabereich hat dies eine vertraute Form angenommen. Finanzinstitute bewerten das Risiko von »Klimarisiken«. Unternehmen sind verpflichtet, Emissionen und Nachhaltigkeitskennzahlen offenzulegen. Investitionsströme werden danach ausgerichtet, wie stark Aktivitäten mit definierten Umweltzielen übereinstimmen. […] Neu ist die zunehmende Integration von Klassifizierung, Berichterstattung und finanziellen Konsequenzen in einen einzigen Prozess – einen Prozess, der kontinuierlich und nicht nur punktuell abläuft.“
Kurz: Das derzeit aufgebaute System soll in Echtzeit beispielsweise eine Finanztransaktion auf Konformität mit den vorab aufgestellten und programmiertechnisch integrierten Regeln prüfen – „ESG-Kriterien“ beziehungsweise Regeln, die von den mächtigsten Finanzinstitutionen der Welt aufgestellt werden (BIZ, IWF, Weltbank) – nicht von Ökologen. Es wird immer deutlicher, dass, wie Keenan richtig andeutet, das „Klima“ nur ein Vorwand oder eben „Pilotprojekt“ für noch viel weitreichendere (vor allem finanzielle und wirtschaftskybernetische) Kontrollsysteme war. Im Artikel „Global Mutirão: Die Menschheit vereinen in einer globalen Mobilisierung gegen den Klimawandel“ des exzellenten Substack-Blogs „ESC“ heißt es über ein Dokument, das auf der COP30-Klimakonferenz 2025 vorgestellt wurde:
„Der wichtigste Teil des Dokuments sind die letzten drei Seiten. Darin wird eine beschleunigte Umsetzung gefordert, die in großem Umfang ausgeweitet werden soll. Während im Vergleich dazu im Kopenhagener Abkommen relativ bescheidene 100 Milliarden Dollar gefordert wurden, verlangt dieser langwierige Betrug nun 1,3 Billionen Dollar pro Jahr bis 2035; Gelder, die in erster Linie von den westlichen Steuerzahlern stammen und von großen »philanthropischen« privaten Partnern durch gemischte Finanzierungsvereinbarungen in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Zentralbanken umgehend monetarisiert werden. [...] Aber über die unglaublich schamlosen Forderungen nach öffentlichen (Steuerzahler-)Geldern hinaus gibt es auch indirekte Forderungen nach weiteren »Klimaschutzmaßnahmen«, die auch andere Treibhausgase einbeziehen sollen – mit anderen Worten: eine Ausweitung der gesamten Überwachungs-, Bilanzierungs- und Monetarisierungspipeline auf andere »Treibhausgase« und nicht nur auf Kohlendioxid. Bald wird zweifellos die gesamte Palette der »planetarischen Grenzen« berücksichtigt werden. Dies spiegelt übrigens – rein zufällig – die Forderung wider, die in den UNCTAD-Berichten von 1992/94 mit dem Titel »Combating Global Warming« gestellt wurde, in denen über Kohlenstoff und Schwefeldioxid hinaus auch die mögliche Monetarisierung von Luft und Wasser untersucht wurde.“
Bis nächste Woche.
Quellen:
https://cop30-klimakonferenz2025.org
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