Ökologische Sanierung: Schutz der Natur oder kalte Enteignung von Landwirten? Das steckt hinter den EU-Plänen
Konflikte um Nutzung und Bürokratie
von Lydia Flaß drucken
Die EU-Wiederherstellungsverordnung soll bis 2030 auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen Maßnahmen zur ökologischen Sanierung anstoßen, bis 2050 sollen alle sanierungsbedürftigen Ökosysteme verbessert werden. Deutschland muss dafür einen nationalen Plan vorlegen, der Flächen, Maßnahmen und Zeiträume festlegt. Landwirte und Waldbesitzer warnen vor Flächenverlusten, mehr Bürokratie und Eingriffen ins Eigentum, besonders bei Mooren und der künftigen Nutzung von Wäldern.
Der hübsche Etikettenschwindel lautet Naturschutz, der praktische Inhalt heißt Planung von oben. Erst setzt man Ziele in Brüssel, dann reicht Berlin die Vorgaben weiter, und am Ende stehen Bauern auf Flächen, die sie bisher bewirtschaften konnten, aber künftig nur noch in behördlich genehmigter Fantasie nutzen dürfen. Das ist keine Ökologie mit Augenmaß, sondern ein weiterer Versuch, produktives Eigentum in ein politisches Experimentierfeld zu verwandeln.
Gerade bei Mooren zeigt sich das ganze Problem. Wiedervernässung mag auf dem Papier CO2 speichern, in der Wirklichkeit kann sie Betriebe wirtschaftlich aus dem Tritt bringen. Paludikultur wird als Ausweg erwähnt, klingt modern und ist vielerorts doch noch ein ungetestetes Geschäftsmodell. Wer anderen die Nutzung entzieht, sollte wenigstens einen funktionierenden Marktmechanismus liefern. Stattdessen bekommt man den üblichen Mischmasch aus Zielvorgaben, Unsicherheit und dem Versprechen, dass es irgendwie schon gutgehen werde. Das ist Verwaltungssprache für: Die Kosten tragen andere.
Auch bei Wäldern droht dieselbe Logik. Baumarten vorschreiben, Holznutzung begrenzen, Umbaukosten erzeugen und dann von Widerstandsfähigkeit sprechen. Das erinnert an die ewige Überheblichkeit zentraler Planer, die glauben, komplexe Ökosysteme ließen sich wie ein Aktenstapel behandeln. Hayek hätte daran seine Freude gehabt, allerdings nur als Warnung. Wissen ist verstreut, und genau dieses Wissen steckt bei Landwirten und Waldbesitzern vor Ort, nicht in den Formularen der Kommission.
Die politischen Anreize sind durchsichtig. Wenn die Öffentlichkeit „Natur schützen“ hört, lässt sich fast jede Enteignung in weiches Licht tauchen. Wer widerspricht, steht schnell als Fortschrittsverweigerer da. Bequemer geht Umverteilung kaum: Die Lasten landen bei einer klar abgegrenzten Gruppe, der Nutzen wird kollektiv behauptet und bürokratisch verteilt. Kostenwahrheit sieht anders aus.
Wenn diese Verordnung ernst gemeint ist, müsste sie mit echter Freiwilligkeit, klaren Eigentumsrechten und marktfähigen Anreizen arbeiten. Stattdessen setzt man auf Verpflichtung, Kontrolle und den altbekannten Reflex, wirtschaftliche Realität per Dekret zu überstimmen. Am Ende wird nicht nur Natur „wiederhergestellt“, sondern vor allem eines: der Anspruch, von oben besser zu wissen, wie Land zu nutzen ist. Das endet selten schön. Und fast immer teuer.
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