Friedrich Merz: Rauschender Alptraum
Friedrich Merz - der König von Deutschland
von Anne-Sophie Chrobok drucken
Kennen Sie das Lied „König von Deutschland“ von Rio Reiser? Bestimmt. Es gehört inzwischen ja schon fast zum deutschen Nationalgut. Dort gibt es eine Textstelle, die folgendermaßen lautet:
„Jede Nacht um halb eins, wenn das Fernsehen rauscht
Leg’ ich mich aufs Bett und mal’ mir aus
Wie es wäre, wenn ich nicht der wäre, der ich bin
Sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin“
Bestimmt haben Sie es jetzt im Ohr. Länger, als es Ihnen lieb ist. Aber es gibt schlimmere Ohrwürmer. Also tragen Sie es mit Fassung.
Nun, was möchte ich Ihnen mit dieser Liedstelle sagen? Ich will Sie lediglich aus der Matrix aufwecken. Denn ich habe folgende These: Während der Corona-Pandemie sind wir alle gestorben, und Gott hat uns zur Bestrafung in einen Fiebertraum von Friedrich Merz geschickt. Seitdem sitzen wir hier fest. Zwischen Talkshows, Krisengipfeln und Pressekonferenzen. Wartend auf das Jüngste Gericht, das laut Benjamin Netanjahu ja offenbar ohnehin kurz bevorsteht. Aber nicht nächsten Donnerstag. Seine Worte. Nicht meine.
Aber zurück zu Merz. Warum gehe ich davon aus, dass Friedrich Merz eigentlich niemals Kanzler hätte werden können?
Liegt es daran, dass seine politische Karriere bereits 2004 beendet schien? Eingestampft von der Mutter der DDR 2.0 – äh, ich meine natürlich der „Freiheits-Mutti der Nation“ Angela Merkel?
Oder liegt es daran, dass er danach hauptsächlich in dubios wirkenden Aufsichtsräten saß und Lobbyarbeit betrieb? Mit horrenden Honoraren, Interessenkonflikten und der Aura eines Mannes, der in Flughafenlounges über „den Wirtschaftsstandort Deutschland“ referiert?
Oder liegt es schlicht daran, dass er aussieht wie Beaker von den Muppets?
Und niemand wählt Beaker. Nicht zum Kanzler. Nicht zum Parteivorsitzenden. Eigentlich nicht einmal zum Elternsprecher.
Merz ist kein Kanzler einer Nation. Er ist der getriebene Wendehals eines wahnsinnigen Systems. Und genau das beweist er derzeit beinahe täglich. Mal stellt er sich hin, gibt den staatsmännischen Souverän und erklärt mit der Ruhe eines schlecht vorbereiteten Geschichtslehrers, der Ukrainekrieg dauere inzwischen länger als der Zweite Weltkrieg. Vier Jahre. Dann weist er eine an Krebs erkrankte Frau zurecht – mit der Wärme eines Gordon Ramsay in der Endphase eines Nervenzusammenbruchs.
Und natürlich darf man auch den Moment nicht vergessen, in dem Herr Merz die letzte Stufe seiner Beaker-Metamorphose erreichte und öffentlich „Mimimi“ sang. Immerhin hatte es noch kein Kanzler jemals so schwer wie er.
Und wissen Sie was? Vielleicht stimmt das sogar.
Es muss furchtbar anstrengend sein, Friedrich Merz zu sein. Dieses permanente Ringen mit der Realität. Diese eigentümliche Beziehung zur Wahrheit, die langsam medizinisch interessant wird. Dieses ständige Zerriebenwerden zwischen Partei, Medien, Umfragen, Wählern und dem Damoklesschwert der AfD. Dauernd Erwartungen. Dauernd Kameras. Dauernd dieses lästige demokratische Drumherum.
Nein. Wir befinden uns nicht in einem schönen Traum von Friedrich Merz.
Eher in einem Albtraum mit flackerndem Fernseher, schlechtem Teppichboden und abgestandener Luft.
Und irgendwo im Hintergrund rauscht weiterhin das Fernsehen.
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.
Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.

