03. Juni 2026 06:00

Das bundesrepublikanische Endspiel Frei bin ich nur als ich

Wie die Grünen den Freiheitsbegriff vergewaltigen und warum sie so gefährlich sind

von Oliver Gorus drucken

Freiheit: Symbolische Debatte um Gemeinschaft und Individuum
Bildquelle: Redaktion Freiheit: Symbolische Debatte um Gemeinschaft und Individuum

Die Grünen machen sich mal wieder die Welt, wie sie ihnen gefällt. Bei der Veranstaltung „IM/PULS 2026 – Forum für Zukunft“ der Grünen am 29. Mai in Berlin-Neukölln traten die beiden temporären Kerzen auf der grünen Torte Brantner und Banaszak als Gastgeber und Redner auf. Brantner schwurbelte sich dabei einen Freiheitsbegriff zurecht, der nichts mit Freiheit, aber viel mit der DDR und den Nationalsozialisten zu tun hat. Genau sagte sie: „Frei ist nicht, wer alleine vor sich hin kämpft. Frei ist, wer spürt: Ich gehöre dazu. Mein Leben zählt. Meine Sorgen werden gesehen. In einer Zeit, in der so viele Menschen sich abgehängt, überfordert oder allein fühlen, ist das mein politischer Auftrag. Denn niemand ist frei allein. Frei sind wir nur als wir.“

Brantner bezog sich in ihrer Rede frecherweise ausdrücklich und ausgerechnet auf Hannah Arendt, lieh sich von ihr das Wort „Freiheit“ und verbog es, bis es wie astreiner Kollektivismus aussah: „Gemeinwohl vor Eigenwohl“ krähten die Preußen, später die Nationalsozialisten, dann die DDR-Stalinisten und heute die Grünen. Das würzte Brantner mit einer großen Prise Lifestyle-Schmackofatz: „Freiheit“ sei eng mit dem Gefühl verknüpft, „okay zu sein, so wie man ist“, „Freiheit“ sei irgendwas gegen Einsamkeit und Abgehängtsein und so. – Ja, ja, so werben Sekten um Mitglieder.

Sie kritisierte natürlich einen reinen Wirtschaftsliberalismus und verband „Freiheit“ mit Themen wie Klimaschutz, denn Angstfreiheit vor der Klimakatastrophe ist ja auch irgendwie Freiheit, sowie sozialer Absicherung und Gemeinschaft in Dorf, Verein, Firma und Land, denn Freiheit ist halt irgendwie so „wir“.

Das ist stimmig, denn „Freiheit“ ist für die Grünen schlicht Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der guten Menschen. Wobei sie gleich praktischerweise selbst definieren, wer und was gut ist. Aus Erfahrung weiß ich: Das grüne „Wir“ will nicht die Integration der pluralistischen Gesellschaft, sondern das grüne „Wir“ ist gleich: Alle minus AfD-Wähler minus Freiheitliche minus Ungeimpfte minus Reiche minus Unternehmer minus Verbrennerfahrer minus Nicht-Klimapaniker minus Kernkraftbefürworter minus Familienmenschen minus Landbevölkerung minus Fleischesser minus Nicht-Ukraineunterstützer minus Entwicklungshilfegegner … ist gleich: Wir Grünen!

Die von Brantner geistig vergewaltigte Arendt hatte etwas ganz anderes im Sinn, als sie ihren eigenen Freiheitsbegriff formulierte, der einer der zentralen und originellsten Aspekte ihres politischen Denkens ist. Er unterscheidet sich vom liberalen und libertären negativen Freiheitsverständnis „Freiheit von …“ und vom stoischen oder philosophischen Freiheitsbegriff. Arendts Freiheit ist eine positive „Freiheit, um zu …“

Für Arendt ist echte Freiheit kein innerer Zustand wie Gedankenfreiheit oder Willensfreiheit, kein bloßes Frei-sein von Zwang oder Not und auch kein privates Recht. Freiheit entsteht und zeigt sich für sie nur im öffentlichen Raum durch Handeln. Solange man handele, sei man frei, sagte Arendt. Handeln und Freisein waren für sie ein und dasselbe.

Sie machte einen Unterschied zwischen Befreiung (liberation, liberty) und Freiheit (freedom). Befreiung ist für sie die Beseitigung von Unterdrückung, Not und Furcht, was dem libertären Denken nahe ist. Aber Freiheit selbst ist für Arendt die positive Möglichkeit, als Gleichberechtigter am politischen Leben teilzunehmen und die gemeinsame Welt mitzugestalten. Eine Gesellschaft kann somit für sie von Tyrannei befreit sein und trotzdem unfrei bleiben, wenn es keinen öffentlichen Raum der Freiheit gibt.

Freiheit braucht für Arendt (im Gegensatz zu den Grünen) Pluralität, also die Tatsache, dass Menschen verschieden sind, eben Individuen sind, sowie einen institutionell gesicherten öffentlichen Raum.

Die Grünen sind mit ihrem vulgären Kollektivismus und Elitismus ideengeschichtlich die Nachfolger einiger der schmutzigsten und tödlichsten Bewegungen der Geschichte. Sie sind als Etatisten das Gegenteil von bürgerlich, obwohl so viele, vor allem ältere, aus dem bürgerlichen Milieu auf sie hereinfallen.

Aber weil die Grünen das Individuum dem Gemeinwohl opfern, sind sie mit ihrem staatlichen Zwang, ihrem Dirigismus, ihrer Obrigkeitsstaatlichkeit, ihrem Zentralismus, ihrer Regelungswut, ihrer Ablehnung spontaner Ordnungen und des Markts, ihrem missionarischen Moralismus und ihrem volkserzieherischen Protestantismus, ihrem bürokratischen Verwaltungsstaat, ihrem kadavergehorsamen Konformitätsdruck und nicht zuletzt auch ihrem stupiden Militarismus eben auch die preußischste aller Parteien. Das macht sie so deutsch.

Die Grünen sind die deutscheste und modernste der linken Parteien, darum werden sie gemäß der aktuellen Trends bis zur nächsten Wahl mit gewisser Wahrscheinlichkeit nach der AfD die zweitstärkste Partei werden und die linke Hälfte des Parlaments anführen. Dabei werden sie die verwesenden Reste der ehemaligen Volksparteien CDU, SPD und SED im Schlepptau hinter sich herschleifen und zur Mehrheitsbildung ausweiden. Das zukünftige Parteiensystem sieht so aus: AfD gegen den grünsozialistischen Block.

In meinen pessimistischen Episoden tippe ich darauf, dass es 2029 auf diese Weise für einen grünen Kanzler knapp reichen könnte. Sie werden dann den Sauertopf und Universaldilettanten Habeck reaktivieren, denn niemand verkörpert mit seiner grenzenlosen Arroganz die Grünen so gut wie er.

Danach ist dann endgültig Feierabend mit der Bundesrepublik. Und anschließend beginnt ein neues Spiel, vielleicht ein völlig anderes.

Bis dahin bleibt mir die Gewissheit: Frei bin ich nur als ich.


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