01. Juli 2026 06:00

Elitenkrise Die Absteiger

Wie die Fußballkultur erstaunlich präzise den Niedergang der deutschen Parteiendemokratie spiegelt

von Oliver Gorus drucken

Eliten: Von Burgportraits bis Parteiprominenz
Bildquelle: Redaktion Eliten: Von Burgportraits bis Parteiprominenz

Letztes Wochenende habe ich eine Burg besichtigt, dort gab es eine sehr interessante Führung. In einem restaurierten Raum hingen Portraits von Kindern aus Adelsgeschlechtern – der Künstler hatte offensichtlich nur begrenztes Talent, aber man konnte in den Gesichtern sehen, dass die Stammbäume kreisförmig verliefen. Man heiratete innerhalb der Familie.

Die Herrschaft des Adels war das Gegenteil von Meritokratie, nämlich Kakistokratie, die Herrschaft der schlechtesten. Nicht unbedingt der Monarch selbst, aber seine buckligen Verwandten, die die Lehen erhielten, die Burgen bewohnten und das Reich bewachten, knechteten die Bauern zum Teil bis aufs Blut, während sie sich in der Burg am Kachelofen den Hintern wärmten, vor Langeweile vor sich hin stanken und ab und zu aus Langeweile einen Dieb folterten.

Die katholische Kirche verbot um das Jahr 1000 die Verwandtenheirat. Deshalb gab es anders als beim Adel, der sich über dieses Verbot hinwegsetzte oder sich davon freikaufte, bei den Bauern keine systematische und weniger zufällige Inzucht.

Die schwerwiegendsten Probleme der Verwandtenheirat – sichtbare Fehlbildungen, hohe Sterblichkeit in den Herrscherhäusern und sogar das Aussterben ganzer Dynastien – traten eindeutig beim Adel auf. Die Bauern hatten zwar in manchen Regionen höhere lokale Verwandtschaftsraten als heute, aber weder die Intensität noch die dramatischen Folgen wie die regierenden Familien. Die Bürger der Städte waren durch ihre Mobilität und Größe am wenigsten betroffen. Das bestätigen auch historische Quellen, Stammbaumanalysen und moderne populationsgenetische Studien.

Hoppes Idee, dass eine Monarchie besser wäre als die Demokratie, hat den wahren Kern, dass ein Eigentümer pfleglicher und nachhaltiger mit seinem Eigentum umgeht als ein Politiker. Das ist ja völlig richtig. Aber das Feudalsystem darauf zu reduzieren ist naiver Fundamentalismus aus dem libertären Elfenbeinturm. Die Feudalherrschaft war Tyrannis pur.

Geändert hat sich im Kern gar nicht so viel. Die Parteien sind die Adelsgeschlechter von heute, sie führen die konsequente Negativauslese und folglich Degeneration auf nichtbiologischer Ebene fort und produzieren in großer Anzahl leistungsaverse Phänomene wie die politischen Personenmarken Esken, Bas, Klingbeil, Hagel, Merz, Günther, Banaszak, Brantner, Baerbock, Dürr, Buschmann, Strack-Zimmermann, Schwerdtner, Pantisano oder Reichinnek. Wir werden zwangsläufig von den schlechtesten beherrscht, wie im Feudalismus so auch in der Parteienherrschaft.

Die Negativauslese funktioniert in spätherbstlichen Parteiendemokratien auch unterhalb der Herrscherebene und reicht zum Beispiel als Kultur des Abwärtsnivellierens weit in die Wirtschaft, in Familien, Schulen und auch in den Sport hinein.

Die Bild titelte „Deutschland ist nicht mehr Deutschland“ und meinte damit nicht nur das DFB-Team bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Kanzler aber twitterte nach dem grottigsten, peinlichsten Grottenkick, den die deutschen Fußball-Schneeflöckchen seit langem getanzt haben: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, @DFB_Team! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“ Damit zog er sich den Spott der ganzen Welt zu. Seine Kommunikation, die er sich auch dann zurechnen lassen muss, wenn sie von irgendeinem studentischen Social-Media-Manager verbrochen wurde, ist symptomatisch.

Das ist genau die gleiche Sprache wie die von woken Lehrern, die einem Kind von Einwanderern keine schlechte Note geben, weil sie fürchten, sonst als Rassist an den Pranger gestellt zu werden. Oder von Eltern, die den dicken Sören-Malte loben, weil er im Diktat keine 47 Fehler, sondern nur noch 39 Fehler heimgebracht hat … die Lehrerin hat ja auch ein Blümchen druntergestempelt, wo früher die Sechs stand.

In Wahrheit haben Sané, Wirtz, Musiala, Pavlovic, Nmecha, Rüdiger und wie sie alle heißen ziemlich genau so gespielt wie Baerbock die UN-Sitzungen geleitet hat.

Nagelsmann erinnert mit seiner arroganten Pampigkeit an Habeck. Lauterbach jammert, dass der Schiedsrichter schuld gewesen sei, so wie an der deutschen Wirtschaftskrise wahlweise Putin, Trump oder die AfD schuld sein soll. Und Völler will uns Nagelsmann als Top-Trainer verkaufen wie Merz die Rentenzwangsbeitragserhöhung als Beitragssenkung verkaufen will. Fehlt nur noch ein Grüner, der sagt: Unseremannschaft ist ja nicht wirklich ausgeschieden, die restlichen Spiele spielen jetzt halt nur andere Mannschaften.

Es ist überall die gleiche Sprache und überall spulen sich die gleichen Mechanismen der Verantwortungslosigkeit, des Schönredens, der Verschlechterung von Personal und Praxis und des gnadenlosen Weiter-so ab. Deutschland als Gesamtsystem benimmt sich wie ein Buckelwal, der sich immer weiter auf eine Sandbank hochwühlt.

Das darüber liegende Problem dabei: Die deutliche Mehrheit der nicht Zwangs-TV-Glotzend:Innen ist schon seit Jahren der Ansicht, dass es so nicht weitergehen kann, aber gleichzeitig geht es immer so weiter.

Wer mit dem Chef gut kann, der spielt – egal wie schlecht seine Statistiken sind. Und so stehen Neuer, Wirtz, Musiala oder Sané völlig außer Form auf dem Platz, während Baumann draußen sitzt, Undav nur mit der Kneifzange aufgestellt wird und Mittelstädt oder Führich trotz bester Statistiken gleich ganz zuhause bleiben. Auf die gleiche Weise wird der halbseidene Kanzlerkumpel Weimer Kulturstaatsminister und eine völlig unfähige Bas bekommt das fetteste Ministerium.

Pöstchen statt Ergebnisse. Haltung statt Erfolg. Duzen statt leisten. Der führungslose Haufen ohne Grund und Zweck lügt und laviert sich durch und verwaltet den Abstiegskrampf, anstatt zu versuchen, irgendwo irgendwie irgendeinen Fortschritt zu erzielen. Von konstruktiven Visionen, Zielen und Strategien ist seit 20 Jahren, abseits von grünen Wolkenkuckucksklimaluftschlössern, nicht einmal mehr ansatzweise die Rede. Stattdessen wiederholen die Kanzler ihr inhaltsleeres „Wir schaffen das!“ und lassen alles verkommen, was die Deutschen in den kurzen Perioden der Freiheit im 19. und 20. Jahrhundert aufgebaut hatten.

Dabei wäre auf allen Ebenen noch immer reichlich von der alten Substanz vorhanden, um darauf aufbauend einen echten Neuanfang zu wagen. Die Nationalmannschaft mit überproportionalem bzw. vorauseilendem Migrationshintergrund (derzeit 54 Prozent im DFB-Kader, 31 Prozent im Staatsvolk) hat immerhin einen Marktwert von knapp einer Milliarde Euro und ist keineswegs talentfrei. Eine Spielweise, die wieder an die deutschen Tugenden von früher erinnern würde, also konsequent, effizient, schnell, robust und siegeswillig rüberkäme, könnte die mit zunehmender kultureller und ethnischer Diversität natürlicherweise abnehmende Identifikationsfläche zumindest teilweise kompensieren.

Ganz ähnlich auf den Ebenen der Schulen, der Unternehmen und der Verwaltung. Überall bräuchte es einen radikalen Neustart und einen historischen Akt der Befreiung – von den Parteien, von den Politikern, von den Bremsern und Profiteuren, von der Bürokratie und der Überregulierung, vom Wasserkopf der Beamten und des öffentlichen Diensts, von der Überlastung durch Steuern und Abgaben, von der Überschuldung, von Entwicklungshilfe und NGOs, von UN und EU, von Ideologie, von Autoritarismus und den Übergriffen in die bürgerlichen Freiheitsrechte, von Hochmut und Neid.

Ganz ehrlich: Das schaffen die Deutschen nicht. Dafür geht es ihnen noch nicht schlecht genug. Dafür muss eine neue Generation heranreifen, die härter ist als sie. Sie müssen solange wohl erst noch ein paar Ligen absteigen.


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