Jugendschutz: Großbritannien plant Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
Kritik an staatlicher Fürsorge und Entmündigung
von Yorck Tomkyle drucken
Großbritannien will den Zugang zu sozialen Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verbieten. Die geplante Regelung soll Anfang des kommenden Jahres greifen und unter anderem Plattformen wie TikTok, Instagram, Facebook, YouTube, X, Snapchat, Threads, Twitch, Kick und Reddit betreffen; Messengerdienste wie WhatsApp und Signal sollen ausgenommen bleiben. Auch andere Staaten, darunter Australien und Kanada, gehen in diese Richtung, in Deutschland werden ähnliche Einschränkungen geprüft.
Man erkennt an solchen Vorgängen den Zustand einer Gesellschaft, die auf jede Schwierigkeit mit Verboten antwortet. Wo früher Eltern, Schulen und vor allem das eigene Urteil gefragt waren, tritt nun der politische Reflex ein, ganze Lebensbereiche per Altersgrenze zu sperren. Das klingt fürsorglich, ist in Wahrheit aber ein weiterer Schritt in Richtung betreuter Bürger. Wer Jugendlichen den Zugang zu digitalen Räumen pauschal verweigert, behandelt sie nicht als Heranwachsende mit wachsenden Fähigkeiten, sondern als Verwaltungsobjekte, die man sicher verwahrt, bis sie „reif“ genug für die nächste Genehmigung sind.
Dass soziale Medien Probleme schaffen können, ist unbestritten. Doch daraus folgt nicht automatisch ein staatliches Totalverbot für eine ganze Altersgruppe. Eine freie Ordnung lebt von Maß, Verantwortung und konkreter Zurechnung. Pauschale Sperren ersetzen diese Kultur der Mündigkeit durch das stumpfe Werkzeug der Regelung. Was früher Erziehung hieß, heißt heute Alterskontrolle; was früher die Aufgabe von Eltern und Umfeld war, wandert in die Zuständigkeit von Behörden und digitalen Gatekeepern. Aus Bürgern werden Klienten, die man schützt, indem man sie einschränkt.
Besonders auffällig ist die Sprache der politischen Fürsorge. Es werde ein „besseres Verhältnis zwischen Eltern und Kindern“ geben, heißt es sinngemäß, wenn der Staat den Zugang reguliert. Das ist eine seltsame Logik: Erst wird Verantwortung nach oben gezogen, dann wird das Ergebnis als Fortschritt verkauft. Doch eine Gesellschaft gewinnt keine Stärke, wenn sie immer mehr Lebensbereiche unter Vorbehalt stellt. Sie verliert an Urteilskraft, an Selbstbeherrschung und an Vertrauen in die Familie als erste Instanz menschlicher Orientierung.
Wer Jugendlichen den Umgang mit der digitalen Welt vollständig verwehrt, weil einige damit nicht zurechtkommen, verwechselt Schutz mit Entmündigung. Am Ende steht nicht die robustere Jugend, sondern die gewohnte Verwaltungsgesellschaft: sicherer im Ton, schwächer im Geist.
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