07. Juli 2026 11:00

Freiheitsimpuls Die Schlüsselfrage

… um von jetzt auf gleich den libertären Funken zu zünden

von David Andres drucken

Für eine echte Kneipe gäbe es Bedarf.
Bildquelle: ink_lee0 / Pixabay Für eine echte Kneipe gäbe es Bedarf.

Ob Flüchtlingsheim, öffentliches Fernsehen oder Mangoldblätter – wer ganz offen die Frage stellt, was Menschen freiwillig bezahlen würden oder von sich aus dringend haben wollen, regt Freiheitsdenken an.

Neulich war ich zu Gast bei Bekannten in einer ländlich liegenden Kleinstadt, die man eigentlich Dorf nennen müsste. Etwas über 5000 Einwohner, Schützenverein, Landesligafußball, die Post als Schalter im Schreibwarenladen und, nun ja, die Kirche im Dorf. Am Ostrand breiten sich die Neubaugebiete aus, die ersten Häuser ohne Klinker, als weiße, kubische Mini‑Villen gedacht, die genausogut in Kalifornien stehen könnten. Die anderen Ränder sind unverbaubar, dank eines bereits recht vollen Gewerbegebiets und den weitläufigen Feldern der Landwirte. Nur eine Wiese soll sich bald verwandeln und einen Komplex aus mehreren Häusern erhalten, in dem eine dreistellige Zahl von sogenannten Flüchtlingen unterkommt, Migranten also, vor allem Männer aus Afghanistan und Syrien.

„Ganz ehrlich“, sagte mein Bekannter, „niemand möchte das.“ Seine Frau arbeitete sich, mit den Händen wedelnd, aus dem Hintergrund heran, um die Aussage zu präzisieren. Was sie sagte, war keine übliche, politisch korrekte Abschwächung, sondern der Anlass für diese Folge meiner Kolumne. „David, es geht nicht um die Frage, ob wir denen allen nur Böses unterstellen. Ob wir sie mögen oder nicht. Es geht darum, würdest du die Leute im Dorf fragen, was sie sich wünschen und was sie wirklich brauchen, kein einziger würde sagen: ‚Ich sehe mich nach der interkulturellen Begegnung mit jungen Männern aus krisengeschüttelten Ländern, in denen der fundamentalistische Islam regiert. Verstehst du? Ich kenne Leute, die würden sogar nach Syrien fahren, um sich Damaskus einmal anzusehen. Aber niemand hat das Bedürfnis, Damaskus bei sich kennenzulernen. Es gibt keinen Bedarf.‘“

Ich musste fast lachen bei dieser Wortwahl, doch wie treffend ist sie zugleich? Für das, was die Politik den Menschen aufzwingt, gibt es keinen Bedarf. Nicht für den vermeintlichen Multikulturalismus, nicht für die Sendungen des zwangsgebührenfinanzierten Einordnungsfernsehens, nicht für einen Großteil dessen, was den Kindern in der Schule vermittelt wird, die ebenso verpflichtend ist. Gibt es einen Bedarf in dem Dorf für das öffentlich betriebene Jugendzentrum, in dem meine Bekannten nur selten mehr als zwei, drei Jugendliche sehen? Womöglich, ein Anlaufpunkt in dem Alter ist nicht verkehrt. Doch ob sich dort jemals einer jener „queeren Flüchtlinge“ gemeldet hat, die es per Plakat ganz besonders willkommen heißt?

Einen Bedarf in diesem Dorf, den gäbe es für eine echte Kneipe, seit vor Jahren selbst die letzte geschlossen hat. Nicht weil sie keinen Zustrom hatte, allein die Kegelbahn war stets gut gebucht, sondern weil die Politik es den Menschen, die wirklich etwas Gewünschtes anbieten, besonders schwer macht. Ein Gasthof, er hätte Gäste. Doch wer es wagt, der muss horrende Energiekosten stemmen, regelmäßig Papierberge ausfüllen und Personal finden, das es nicht mehr gibt, weil den jungen, einheimischen Menschen die Arbeit für das kapitalistische Schweinesystem ausgeredet wurde und die jungen Männer aus dem fernen Osten oftmals nicht nur keine Ingenieure sind, sondern auch keine Köche oder Kellner. Es gäbe Bedarf für eine Art großen Kiosk, der auch sonntags geöffnet hat und kleinere Preise macht als die Tankstelle. Es gäbe Bedarf für einen zweiten Hausarzt. Derzeit gäbe es sogar den Bedarf, dass die familiengeführte Pizzeria, die wie eine Ersatzkneipe der Ersatztreffpunkt für Geselligkeit ist, die Spiele der WM zeigen würde. Doch selbst für jene, die in ARD und ZDF laufen, müssten sie teure Lizenzgebühren an Sky zahlen, denen für Public Viewing alle Rechte gehören. Der Schreibwarenladenbesitzer wiederum drückt eine Grundgebühr an die GEMA ab, obwohl er gar keine Musik oder Radio laufen lässt. Es reicht allerdings, dass ein Laptop hinter der Theke steht, der in der Theorie dazu fähig wäre.

Der Freiheitsimpuls dieser Woche lautet daher: Fragen Sie Ihre Mitmenschen immer mal wieder danach, ob sie die Waren, Dienstleistungen, Institutionen oder Umstände, die ihnen aufgezwungen werden, auch dann sehnlichst herbeiwünschen oder gar bezahlen würden, wären sie keine Verpflichtung. Im lokalen Supermarkt können sie schließlich beobachten, wie Markt – also Freiheit – tatsächlich funktioniert. Immer wieder testet der Eigentümer dort neue Waren aus … und nimmt sie wieder aus dem Sortiment, wenn sie keinen Zuspruch finden. Mangold zum Beispiel hat keine Chance und die Garantie zum Verwelken. Der Bauernladen an der Landstraße allerdings wird jederzeit eine große Tüte dieser riesigen, spinatartigen Blätter los, bei denen die Verarbeitung mehr Energie verbrennt als das Essen derselben – hier findet sich die winzige Zielgruppe eben ein. Freiwillig. So muss das laufen und alles andere, das nennen wir Sozialismus.


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