16. Juni 2026 11:00

Freiheitsimpuls Einfach die WM gucken …

… als wäre es nur Fußball

von David Andres drucken

Kein WM-Stadion, aber ein Bild des Gefühls.
Bildquelle: Pixel-Sepp / Pixabay Kein WM-Stadion, aber ein Bild des Gefühls.

Es gibt ein kindliches Bedürfnis, eine Fußball-WM als festes Ritual im Leben weiterhin so zu genießen, wie man es schon in Kindheitstagen getan hat. Wer sich das erlaubt, tut sich und sogar der Welt was Gutes.

Es ist wieder so weit. Die Fußball-Weltmeisterschaft hat begonnen. Millionen Menschen sitzen vor den Bildschirmen, den großen wie den kleinen, überall möchte man das Geschehen verfolgen, selbst in den Rasthöfen beugen sich die Menschen über ihre Smartphones, aus denen die Geräusche der Spiele ertönen. Kinder kleben Panini-Bilder ein. Erwachsene kaufen das Sonderheft vom „kicker“ und studieren Mannschaftskader und Siegchancen. Zeitgleich geschieht allerdings auch etwas, das inzwischen ebenfalls zu jedem großen Ereignis gehört – die „satanic panic“, wie ich es heute mal freimütig nennen möchte.

Kanäle wie „reality.revolt“ des außerordentlich fleißigen Dimitri Oswald schnappen sich die Eröffnungsfeier und legen mal wieder minutiös dar, welche verborgenen Botschaften sie enthalten hat. Die unvermeidliche Dreieckshandgeste mit dem allsehenden Auge. Die Hure Babylon. Der Wirbel auf dem Schild eines Tänzers, der einen alten Azteken darstellt, soll analog zu einem Zeichen der Pädophilen sein. Der Fußball, der in Sechsecken die gesamte Welt enthält, steht für die Dominanz des Bösen auf dieser Erde, für die Geheimbünde, für die irdischen Diener Baphomets und Baals. In anderen Videos wird einem aufgezeigt, dass Weltstar Cristiano Ronaldo ein besonders willfähriger Jünger der bösen Entitäten sein soll; immerfort hat er entsprechende Handzeichen oder Körperhaltungen verwendet. So geht es zu im medialen Milieu der – nennen wir sie mal – tiefen Mustererkenner. Der Mainstream wiederum politisiert die WM auf seine gewohnte, offizielle Weise. Christian Streich, der nebenberuflich über ein Jahrzehnt Trainer des SC Freiburg war, vor allem aber als wandelnder Ethikrat auf zwei Beinen agiert, echauffiert sich über das seitens der US-Behörden erwirkte Einreiseverbot für den somalischen Schiedsrichter Omar Artan, dem die FIFA übrigens dennoch die volle WM-Gage zahlt. Der Stern titelt: „Die Welt zu Gast bei Feinden.“

Lassen wir die Mainstream-Posse beiseite und schauen wir auf die beunruhigenden Analysen der vermeintlichen Schwurbler, die mich nicht kalt lassen – und Sie womöglich ebenfalls nicht. Nehmen wir an, diese Analysen träfen zu und das absolute Böse, das diese Welt im Griff zu halten versucht, kommuniziert mal wieder durch Botschaften und Zeichen – warum sollten wir ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken? Wieso erfüllen wir dieser Kraft immer ihre größte Sehnsucht und lassen unser Denken permanent um sie kreisen?

Ich liebe den Fußball wie der kleine Junge, der ich einst war. Immer noch. Ich lese das Sonderheft, ich schaue nahezu alle Spiele und ich bin der Überzeugung, dass Portugal nicht Weltmeister wird, auch wenn Baal persönlich das durch Cristiano Ronaldo bewirken möchte. Und ich habe eine These: Vielleicht besteht die eigentliche Macht des Bösen gar nicht in den Strukturen, die es etablieren kann, sondern darin, wie es unsere Gedanken besetzt. Wie es uns die Freude an allem nimmt, vom Fußball bis zum Spielfilm, vom Rock-Album bis zum Kunstwerk.

Ich liebe Fußball, mag er Geschäft sein, geopolitisches Instrument, das „Spiele“ in „Brot und Spiele“ und eine Plattform elitärer Kräfte.

Ich liebe dieses Spiel, die Diskussionen, die verrückte Hoffnung kleiner Nationen. Ich liebe es, wenn ein Außenseiter plötzlich über sich hinauswächst, wie es bei dieser WM bereits vereinzelt geschehen ist. Ich liebe die kindliche Vorfreude, wenn das erste Spiel angepfiffen wird.

Deshalb möchte ich mir diese Freude nicht stehlen lassen.

Nicht von Funktionären, nicht von Sponsoren, nicht von Politikern – und auch nicht von Verschwörungstheorien, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.

Ja, mehr noch: Ich glaube, wer diese WM so betrachtet und genießt, als wäre es nur Fußball, der entzieht der darin verwobenen Dunkelheit aktiv die Macht. So, wie das kollektive Bewusstsein dem Hantavirus-Drama die Luft abgelassen hat wie einem Ballon.

Es geht.

Nach dem 7:1-Sieg Deutschlands gegen Curaçao haben Spieler beider Teams im Übrigen im Mittelkreis gemeinsam christlich gebetet. Niemand hielt sie auf. Die deutsche Journaille, die mit Antonio Rüdigers Kopf-ab-Gesten kaum Probleme hat, findet’s selbstredend problematisch, wenn einer wie Felix Nmecha „mit Bibel aus dem Bus steigt, eine Krone als Torjubel auf den Rasen legt und sich von einem evangelikalen Zirkel zum Posterboy machen lässt“. Darüber könnte ich schon wieder rasend werden … Doch lieber genieße ich die nächsten Partien auf dem Rasen.

Quellen:

https://www.instagram.com/p/DZfTQUVSiTL/

Schiedsrichter mit Einreiseverbot in USA soll WM-Gage erhalten

Die Welt zu Gast bei Feinden

Nmechas Glaubensbekenntnis: Wo endet die private Botschaft?


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