25. August 2026 11:00

Freiheitsimpuls Irgendjemand muss es machen

Der letzte Impuls

von David Andres drucken

Der Betrieb sagt, was wirklich los ist
Bildquelle: Eigenes Bild Der Betrieb sagt, was wirklich los ist

Nun ist es also so weit. Dies ist, zumindest vorerst, mein letzter Beitrag auf diesem Portal, das bald neue Wege geht. Eigentlich hatte ich deshalb überlegt, zum Abschied etwas besonders Grundsätzliches über die Freiheit zu schreiben, noch einmal auf die Theorie abzuheben. Doch dann begegnete mir beim Autowaschen die Praxis.

Während der Wagen in der Waschanlage verschwand, lief ich ein wenig über das Gelände und blieb vor dem Werbeplakat eines regionalen Heizungs- und Sanitärbetriebs stehen. Darauf ging es um die Energiewende, die der Betrieb durch den Bau von PV-Anlagen, Stromspeichern, Ladeboxen für Elektroautos und Wärmepumpen bedient. Vor allem aber ging es darum, dass er dringend Mitarbeiter und Auszubildende sucht. Der Slogan, den sich die kleine Firma ausgedacht hatte, lautete daher: „Wir brauchen Unterstützung. Um zu halten, was andere versprechen.“

Ich stand vor dem Plakat und dachte mir: Was für ein großartiger Satz.

Sicher war er nicht als allgemeine politische Philosophie gedacht, aber für mich steckte darin mehr Libertarismus als in mancher zweistündigen Podiumsdiskussion.

Sicherlich kann man über die deutsche Energiewende trefflich streiten. Mehr als das. Während ich den Einsatz von Photovoltaik in manchen Gebieten als sinnvoll erachte, trauere ich bei jedem einzelnen Windradkoloss, den ich sehe, ökologisch wie ästhetisch um die Landschaft. Schon auf freier Fläche, vor allem aber dort, wo dafür Waldgebiete weichen müssen. Je mehr Menschen sich in ein E-Auto setzen, desto stärker muss das Land elektrifiziert werden, was völlig unsinnig ist, wenn Erzeugung, Netze, Speicher und gesicherte Leistung nicht im selben Tempo wachsen. Sehe ich vor eigentlich idyllisch-bürgerlichen Häusern eine klobige Wärmepumpe stehen, als wäre dem Eigenheim eine rechteckige Warze gewachsen, kann mein polemischer Geist kaum anders, als innerlich über die Bewohner zu lästern und sich vorzustellen, wie sie auch heute noch zur Boosterung gehen.

Aber all das ist nicht der Punkt.

Der Punkt war dieser Slogan: „Um zu halten, was andere versprechen.“

Er vermittelt: Da ist auf der einen Seite die Politik. Sie formuliert Ziele. Sie erlässt Gesetze. Sie setzt Fristen. Sie schreibt Verordnungen. Sie beschließt, wie viele Wärmepumpen, Windräder, Stromleitungen, Wohnungen oder Ladesäulen dieses Land in zehn oder zwanzig Jahren haben soll. Und dann kommt irgendwann dieser ausgesprochen lästige Moment, in dem jemand das Zeug tatsächlich bauen muss.

Ein Mensch muss morgens aufstehen.

Ein Transporter muss losfahren.

Jemand muss die alte Heizung ausbauen. Ein anderer muss die Leitungen verlegen. Irgendjemand muss vorher die Wärmepumpe konstruiert haben. Menschen müssen die Bauteile herstellen. Andere müssen sie transportieren. Wieder andere müssen das Stromnetz ertüchtigen, an dem das Gerät anschließend hängt.

Auf einmal begegnet das politische Luftschloss der physischen Wirklichkeit.

Einen Installateur kann man nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlichen.

Einen Ingenieur kann man nicht per Verordnung erschaffen.

Einen fehlenden Auszubildenden kann kein Minister durch eine Pressekonferenz ersetzen.

Daher lautet mein letzter Freiheitsimpuls fürs Erste: Erinnern Sie die Menschen daran, wer den Laden tatsächlich am Laufen hält. Immer und überall, ganz beiläufig. Beim Grillfest, beim Smalltalk, im Verein, beim Bier und bald schon wieder beim Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Wann immer sich die Gelegenheit organisch ergibt, erinnern Sie Ihr Gegenüber daran, dass Wohlstand nicht beschlossen, sondern hergestellt wird.

Gerade junge Menschen wachsen seit Jahrzehnten mit dem Bild auf, dass der gute Staat aufpasst, schützt, verteilt und die Dinge irgendwie in Ordnung bringt, während die böse Wirtschaft anderenfalls wie ein reißendes Raubtier alles und jeden zerfetzen würde. Nehmen wir an, sie treffen beim Familienfest einen solchen, vom Bildungssystem oder von Heidi „Reiche weg!“ manipulierten Teenager. Nehmen wir an, dieser trägt wie Jan van Aken ein T-Shirt mit „antikapitalistischem“ Slogan. Zeigen Sie auf das Shirt und erzählen Sie ganz gelassen davon, wie das rebellische Textil entstanden sein könnte.

Irgendwo wurde Baumwolle angebaut und geerntet. Dafür brauchte man landwirtschaftliche Maschinen. Diese Maschinen mussten entwickelt und gebaut werden. Die Baumwolle wurde verarbeitet, versponnen, gefärbt und vernäht. Ein Designer entwickelte Schnitt und Aufdruck. Maschinen druckten den Protest gegen den Kapitalismus auf das kapitalistisch produzierte Textil.

Dann musste es transportiert werden.

Dafür brauchte es ein Schiff oder einen Laster. Der Laster benötigte Treibstoff. Das dafür notwendige Erdöl musste gefördert, transportiert und raffiniert werden. Straßen mussten gebaut, Reifen produziert, Lagerhallen betrieben werden. Irgendwann nahm ein Händler das T-Shirt in sein Sortiment auf. Jemand programmierte den Onlineshop, über den es bestellt wurde. Ein Zahlungsdienstleister wickelte die Überweisung ab. Ein Paketbote brachte schließlich die Botschaft gegen den Kapitalismus an die Haustür.

Hinter jedem Gegenstand unseres Alltags verbirgt sich eine geradezu unglaubliche Kette menschlicher Kooperation.

Der Bauer.

Der Ingenieur.

Der Maschinenbauer.

Die Näherin.

Der Programmierer.

Der Lkw-Fahrer.

Der Lagerist.

Der Elektriker.

Der Unternehmer.

Der Verkäufer.

Menschen, die einander größtenteils überhaupt nicht kennen und trotzdem gemeinsam etwas hervorbringen, das am Ende bei uns auf dem Tisch liegt, an unserer Wand hängt, unser Haus wärmt oder unseren Körper kleidet.

Wer trägt zu dieser Kette nichts bei außer Regulierung, Ausbremsung und Abschöpfung von Geld?

Der Staat.

Er kann Bedingungen schaffen, unter denen Menschen produzieren.

Und er kann Bedingungen schaffen, unter denen sie irgendwann damit aufhören.

Wenn Sie das nächste Mal hören, die Politik müsse „die Wirtschaft dazu bringen“, dieses oder jenes zu tun, drehen Sie den Gedanken sofort um und fragen Sie Ihr Gegenüber: Wer soll es eigentlich machen?

Wer baut es?

Wer entwickelt es?

Wer repariert es?

Wer fährt es dorthin?

Wer steht morgens um sechs auf und setzt das um, was gestern Abend in irgendeiner Talkshow gefordert wurde?

Und vielleicht erzählen Sie dann von einem kleinen Handwerksbetrieb, dessen Werbeplakat die politische Ökonomie unseres Landes auf einen einzigen wunderbaren Satz reduziert hat: „Wir brauchen Unterstützung. Um zu halten, was andere versprechen.“

Es war mir eine Ehre.

Quellen:

Energie: Wissenschaft statt Wunschdenken: Plädoyer für eine technologieoffene Zukunft : Heindl, Eduard: Amazon.de: Bücher

Plan B für das Klima: Mit den Kräften der Natur den Klimawandel bewältigen : Ganteför, Gerd: Amazon.de: Bücher

EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie


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