Parallelstrukturen: Familie versus Staat
Wie starke Familien die Souveränität des Einzelnen vor staatlichem Paternalismus schützen
von Oliver Gorus drucken
Intakte Familien – das ist die wichtigste und wirksamste Parallelstruktur, die ein souveränes Leben gegen einen paternalistischen, übergriffigen Staat verteidigt. Familien sind keineswegs rebellisch, sie wenden dem Staat lediglich den Rücken zu. Ihre Mitglieder organisieren miteinander effektiv, was die Akteure des politischen Systems für sich beanspruchen wollen: Erziehung, Bildung, Orientierung, Versorgung, Weitergabe von Können, Aufbau und Übertragung von Vermögen, Krisenfestigkeit, Zugehörigkeit und Identität.
Je besser Familienmitglieder das untereinander leisten, desto geringer wird die Abhängigkeit vom Apparat. Umgekehrt: Je vereinzelter Menschen leben, desto abhängiger sind sie vom dysfunktionalen Familienersatz Staat. Die Nutznießer und Akteure des hypertrophierenden Staats setzen seit Jahrzehnten aggressiv Anreize gegen die Familien: Steuer- und Abgabenlasten treffen Mehrkinderfamilien und Alleinverdiener besonders hart. Die Erbschaftsteuer erschwert den generationsübergreifenden Vermögensaufbau und zwingt viele Familien, Betriebe oder Immobilien zu verkaufen oder zu zersplittern, statt sie intakt weiterzugeben. Die Sozialversicherung treibt den Beitragssatz Richtung 50 Prozent und verschiebt Lasten von jungen Familien auf ältere Kohorten. Kita- und Ganztagsregelungen holen Kinder möglichst früh aus dem Haus. Das Schulzwangssystem formt Werte und Haltung zentral und oktroyiert die staatliche Weltsicht auf.
Gleichzeitig werden alternative Lebensmodelle kulturell und finanziell aufgewertet: Alleinerziehung mit staatlichen Transferleistungen, kinderlose Doppelverdiener-Haushalte oder fragmentierte Beziehungsformen, die auf öffentliche Infrastruktur angewiesen bleiben. Das Ergebnis ist messbar: Die Geburtenraten sind weit unter dem Erhaltungsniveau und die soziale Sicherheit einer wachsenden Zahl von Menschen hängt primär vom System ab.
Historisch war die Familie die ursprüngliche, bewährte, gesellschaftsbildende Organisationseinheit. Familien sind so alt wie die Menschheit, was man vom noch jungen Experiment Staat nicht behaupten kann. Versorgung, Erziehung, Bildung, Schutz und Vermögensaufbau setzten die Verwandtschaft voraus. Der moderne Verwaltungsstaat fing nicht nur vereinzelte, exponierte Notleidende auf, sondern expandierte und metastasierte aggressiv in die familiäre Privatsphäre hinein, indem einzelne Akteure und Subsysteme Aufgaben an sich zogen und gleichzeitig die privaten Strukturen besteuerten, regulierten und behinderten.
Familienmitglieder, die trotzdem eigenständig handeln, müssen zwar Steuern zahlen und Gesetze befolgen und somit große Anteile an Zeit und Geld dem umverteilenden System opfern, aber sie übertragen zusätzlich Können ohne Lehrplan und Genehmigung über Generationen hinweg. Sie bauen Eigentum auf und halten es trotz Umverteilung zusammen. Sie schaffen Sicherheit, die keine Behörde liefern kann. Und sie stiften Identität auf die konkreteste und wirksamste Weise.
Wer in einer funktionierenden Familie aufwächst, beantwortet die Frage „Wer bin ich?“ zuerst über Herkunft, geteilte Leistung und Familienzugehörigkeit. Stolz und Selbstbewusstsein entstehen aus dem, was die eigenen Leute aufgebaut, erlitten und weitergegeben haben. Das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit wird dort real gestillt – durch tägliche Interaktion, gegenseitige Verpflichtung und sichtbare Kontinuität.
Staatliche Akteure versuchen seit langem, dieses existenzielle Bedürfnis umzuleiten und durch abstrakte Symbole zu ersetzen: Nationalflaggen, „Unsere Demokratie“, kollektive Rituale und moralische Formeln. Der Versuch bleibt vergleichsweise fruchtlos, weil Symbole und Rituale keine gelebte Zugehörigkeit erzeugen. Sie können höchstens an eine bereits vorhandene, primäre Identität andocken. Wenn die familiäre Grundlage in der inneren Sphäre der Identität fehlt, dann bleiben auch die Symbole in den äußeren Sphären Beruf, Stadt, Region, Sprachraum und Nationalstaat leer und lose. Ist die familiäre Identität dagegen stark, dann können sich die äußeren identitären Sphären leichter ausbilden und festigen, aber die Ersatzangebote der staatlichen Systeme verlieren für solcherart starke, souveräne, gefestigte und verwurzelte Menschen an Bedeutung und Dringlichkeit.
Es gibt sichtbare Gegenbewegungen: Familien, die bewusst und geschickt Vermögen und Betriebe weitergeben, trotz Erbschaftsteuer. Eltern, die Haltung und Leistung selbst verlangen. Mehrgenerationen-Haushalte, die Betreuung und Versorgung familienintern lösen. Unternehmerfamilien, die Können weitergeben. Das sind funktionierende parallele Strukturen.
Die Frage ist einfach. Handeln Menschen so, dass familiäre Souveränität und Identität wachsen – oder so, dass die Abhängigkeit vom System zunimmt? Jede staatliche Regelung, die die Kosten familiären Handelns erhöht, verschiebt das Machtgefüge zugunsten des Apparats. Jede Entscheidung in der Familie, die trotzdem Eigentum, Können und Zugehörigkeit weitergibt, verschiebt es zurück.
Das ausdifferenzierte staatliche System kann vieles organisieren. Aber substituieren kann es die familiären Netze nicht. Beim Versuch, die Familienstrukturen aufzulösen, zu verdrängen und zu ersetzen, werden die staatlichen Akteure immer wieder scheitern, während die Familien viele weitere Jahrhunderte überdauern werden.
Kommentare
Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.
Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.

