17. Juli 2024 11:00

Trump-Attentat „Ikonisches“ aus Iwo Jima, die üblichen Schlammschlachten und ein Zufallspastor

Pünktlich zur Wahlkampfzeit

von Axel B.C. Krauss

von Axel B.C. Krauss drucken

Artikelbild
Bildquelle: Picryl Weckt Assoziationen mit dieser ikonischen Kriegsfotografie „Raising the Flag on Iwo Jima“: Trumps Siegerposenfoto nach dem Attentat

Würde ich Ihnen sagen, es sei technisch absolut unmöglich, das Erscheinungsdatum eines Internet-Videos zu fälschen dahingehend, nachträglich den Eindruck zu erwecken, es sei schon viel früher erschienen – würden Sie mir das glauben? Falls nein: korrekte Antwort, gut für Sie! Aber ja, selbstverständlich lassen sich auch solche Daten manipulieren.

Doch welches Video meine ich überhaupt? Es geht um ein angeblich schon drei Monate vor (!) dem Attentatsversuch auf Donald Trump veröffentlichtes Filmchen, in dem ein Pastor den Tathergang genauestens beschreibt – wirklich in allen Details – und dann der Menschheit die frohe Kunde bringt, durch diesen Vorfall werde Trump „zu Jesus finden“. Sie haben sich nicht verlesen. Original.

Der Zufallspastor: „Ich sah, wie ein Anschlag auf ihn verübt wurde, die Kugel flog an seinem Ohr vorbei und kam so nah an seinen Kopf, dass sie sein Trommelfell zertrümmerte, und ich sah, wie er in dieser Zeit auf die Knie fiel und begann, den Herrn anzubeten. Er wurde in dieser Zeit radikal neu geboren … Die Leute sagen, er sei jetzt sicher, aber nun wird er wirklich für Jesus entflammen. Und dann sah ich, wie er die Präsidentschaft gewann.“

Und wahrlich, ich sah, wie ein Engel auf einem roten Pferd aus den Wolken ritt, und der Engel trug eine MAGA-Kappe und sprach: „Es wird sich in drei Monaten begeben, dass ein Präsidentschaftskandidat just zur Wahlkampfzeit durch Gottes Gnade verschont werden wird, weil die himmlische Vorsehung ihn dazu bestimmte, abermals Präsident zu werden und Amerika auf den rechten Weg des Herrn zurückzuführen – halleluja! Wir müssen die lobotomierte Band wieder zusammenbringen!“

Das ist einfach nicht mehr zu fassen.

Sie möchten jetzt gewiss nach der Quelle fragen. Zu Recht. Ich bitte um Verständnis, dass ich aus ethischen Gründen nicht direkt auf die ursprüngliche deutsche Telegram-Quelle verlinken will, da es sich um einen völlig gewissensbefreiten, skrupellosen und ohnehin einschlägig bekannten Oberbullshitter handelt, der keine Sekunde verstreichen ließ, um unmittelbar nach Erscheinen der ersten Meldungen aus den USA das Internet mit atemberaubendem Schwachsinn, unseriösem Zeug und Falschinformationen in einer Menge zu fluten, dass man darauf mühelos bis zum Mond spazieren könnte. Ich fühlte mich davon so angeekelt und abgestoßen, dass ich stattdessen einen Re-Upload des Videos vorgenommen habe, damit Sie es sich gefahrlos anschauen können, ohne mit dem ganzen Dreck seines Kanals konfrontiert zu werden (siehe Link unter diesem Beitrag).

Dasselbe gilt für diverse andere Herrschaften der „alternativen“ Medien, die diese Gelegenheit ebenfalls ohne mit der Wimper zu zucken nutzten, um tonnenweise politische Propaganda zu verbreiten.

Es dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass aus meinen Worten einige Wut spricht. Der Grund dafür ist, dass das schiere Ausmaß, in dem hier zum wiederholten Male in schlicht schäbiger Weise ein solcher Vorfall ausgeweidet wurde wie ein Spanferkel, um massenhaft Lügen verbreiten zu können, im Versuch, Menschen zu manipulieren, einfach nur als widerwärtig zu bezeichnen ist. Ich durfte selten eine unwürdigere Show erleben.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man keine Fragen dazu stellen könnte. Natürlich ist das legitim. Wenn mehrere ehemalige Agenten des Secret Service sich zu Wort melden und sagen, ein solches Ausmaß an angeblicher Inkompetenz sei eigentlich unmöglich, da müsse etwas gedreht worden sein, sollte man das vielleicht ernst nehmen. Auch andere Kommentatoren – seriöse, meine ich – stellten sich die Frage, wie es einem Attentäter eigentlich gelingen konnte, in aller Seelenruhe auf ein Dach zu steigen und mit einem Scharfschützengewehr den Präsidentschaftskandidaten abzupassen, ohne dass die bei solchen Anlässen selbstverständlich auf den umliegenden Dächern positionierten Scharfschützenteams inklusive Spähern mit Fernglas auch nur das Geringste bemerkt haben wollen.

Nicht zu reden von den Passanten, die versuchten, Beamte des FBI und des Secret Service darauf hinzuweisen, dass ein merkwürdiger Typ sich auf einem Dach positionierte, ohne dass darauf reagiert worden wäre.

Man darf außerdem fragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass bei dieser Gelegenheit auch gleich ein „ikonisches Foto“ des Kandidaten geknipst wird, das nicht nur auffallend starke Assoziationen an eine andere legendäre Aufnahme aus dem Zweiten Weltkrieg (Iwo Jima) weckt, sondern dies ganz eindeutig auch soll.

Und es gibt noch weitere Fragen. Zum Beispiel: „Nach den Schüssen auf Donald Trump kommen weitere Details ans Licht. Wie CNN berichtet, deutet eine neue Untersuchung an, dass bei dem Attentat auf den Ex-Präsidenten mindestens drei Waffen abgefeuert wurden. Die ersten drei Schüsse stimmten mit der mutmaßlichen Waffe A überein, die nächsten fünf stimmten mit der mutmaßlichen Waffe B überein und der letzte ‚akustische Impuls‘ wurde von einer möglichen Waffe C abgegeben. Dies geht aus einer Audioanalyse von Catalin Grigoras, Direktor des National Center for Media Forensics an der University of Colorado in Denver, und Cole Whitecotton, Senior Professional Research Associate an derselben Einrichtung, hervor“ („Frankfurter Rundschau“, „Neue Details zum Attentat auf Donald Trump: Schuss von dritter Waffe gibt Rätsel auf“, 15. Juli).

Es genügt nicht, hier einfach abzuwinken mit dem Hinweis, so seien sie eben, die Mainstream-Medien. Es gibt Fragen, die beantwortet werden müssen. Erst recht, wenn das alles nur wenige Monate vor einer Wahl (die am 5. November stattfinden wird) geschieht – und dann auch noch ein Video herumgereicht wird, in dem ein „Mann Gottes“ das Geschehen verblüffend genau beschreibt in der Absicht, eine regelrecht religiöse Hysterie um einen Präsidentschaftskandidaten zu schüren.

Wie gesagt: Das sind alles legitime Fragen. Aber bitte nicht einfach behaupten, Präsident Biden habe „den Befehl zum Schuss gegeben“ (!). Was stimmt bloß nicht mit solchen Leuten? Muss man wirklich auch noch den allerletzten Mist aus den USA, der nicht das Geringste mit „Wahrheitsfindung“ oder „Aufklärung“ zu tun hat, sondern nur mit politischen Schlammschlachten, einfach gedankenlos abkopieren und in Deutschland weiter breittreten? Musss man jedem von den Reps bezahlten „Whistleblower“, der die Verantwortung für das Attentat natürlich komplett auf die Dems zu schieben versucht – man braucht wirklich keine sonderlich ausgeprägte Spürnase, um diesen Braten sofort zu riechen – auf den Leim gehen?

Ich kann mich meinem geschätzten englischen Kollegen Kit Knightly nur anschließen, der hinsichtlich solcher „Events“ schrieb: „Wir sind schon lange über den Punkt hinaus, an dem das Hinterfragen von allem, was man sieht und/oder hört, als ‚paranoid‘ bezeichnet werden könnte. Es ist gesund, rational und sogar eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der eigenen geistigen Gesundheit.“

Es wäre müßig, sich zu fragen, ob man diesen Vorfall politisch ausschlachten wird. Natürlich wird man das. Zu welchem Zweck auch immer. Vielleicht wird das FBI bald verkünden, der Täter habe sich über „Verschwörungstheorien im Internet“ radikalisiert, um den „Kampf gegen Fake News“ anspitzen zu können. Vielleicht wird man die politischen Gräben, die sich ohnehin schon durch die amerikanische Bevölkerung ziehen, damit weiter vertiefen und an der Aggressionsspirale drehen. Sollte es dann zu weiteren Gewaltausbrüchen kommen, kann man sich absolut sicher sein, dass man dies als Rechtfertigung für einen zügigen Ausbau des in den USA bereits seit 2001 sowieso schon stark ausgeweiteten Polizeistaats hernehmen wird.

Das alles hat aber nichts mit „Gott“ zu tun, es ist keine Vorsehung im Spiel und keine metaphysische Macht. Die Temperatur wird sowieso steigen, und zwar aufgrund ganz weltlicher Kräfte. Regierungen, die einen Schaden nach dem anderen anrichten und die Bürger dann auch noch behandeln wollen wie Leibeigene, brauchen auf „wachsenden Extremismus“, vor dem jetzt natürlich wieder gebetsmühlenartig gewarnt wird, nicht lange zu warten. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis etwas Ähnliches auch bei uns passiert – leider.

Bis nächste Woche.

„Don Camillo und Trumpone …“


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.