10. Februar 2026 18:00

Freiheit in der Popkultur Braveheart – Sie mögen unser Leben nehmen, aber niemals unsere Freiheit

Ein Film über den ewigen Kampf zwischen individueller Freiheit und Staat.

von Sascha Blöcker drucken

Söder in Verkleidung
Bildquelle: Eigenes Bild Söder in Verkleidung

Ein schlammiges Feld in Schottland, Tausende Männer in einfachen Kilts, bewaffnet mit Speeren und dem Mut der Verzweiflung. Ihnen gegenüber eine englische Übermacht in glänzender Rüstung, diszipliniert, überlegen. Und dann tritt ein Mann vor, blau bemalt im Gesicht, das Haar wild, die Augen brennend vor Entschlossenheit. Er spricht nicht von Sieg oder Rache allein. Er spricht von etwas Tieferem, etwas, das jede Tyrannei fürchtet: „Aye, fight and you may die. Run and you’ll live… at least a while. And dying in your beds many years from now, would you be willing to trade all the days from this day to that for one chance… just one chance to come back here and tell our enemies that they may take our lives, but they’ll never take our freedom!“ In der deutschen Synchronfassung wird daraus der legendäre Satz: „Ihr könnt uns das Leben nehmen, aber niemals unsere Freiheit!“ Dieser Moment aus Braveheart (1995) ist mehr als nur eine Filmrede. Er ist ein Schrei, der seit fast dreißig Jahren in den Ohren der Zuschauer nachhallt. Mel Gibson hat mit diesem Epos nicht nur einen der besten Historienfilme aller Zeiten geschaffen – er hat ein Manifest der Freiheit gedreht. In einer Zeit, in der viele moderne Blockbuster vor klaren moralischen Aussagen zurückschrecken, lohnt es sich, zurückzublicken auf einen Film, der noch ungeniert Partei ergreift: für den Einzelnen, für die Selbstbestimmung, gegen die kalte Hand des Staates. Ein Film, den man nicht vergisst, der mir aber durch Markus Söder ins Gedächtnis gerufen wurde, da er sich kürzlich als William Wallace verkleidete. Wie unpassend kann eine Kostümierung eigentlich sein? Der Corona-Hardliner, der von einigen gar als „Södolf“ bezeichnet wurde, hat mit Freiheit etwa so viel zu tun wie „Star Wars: Die letzten Jedi“ mit guten Filmen und einem geschickten Storytelling. Hinzu kommt, dass William Wallace einen klaren Kompass hat und eben nicht seine Perspektive dem Zeitgeist anpasst. Aber was soll's, jeder soll sich kostümieren, wie er es für richtig hält.

Ein Mann, der alles verliert – und dadurch alles gewinnt

Braveheart erzählt die Geschichte von William Wallace, einem schottischen Bauern, der zum Anführer eines Aufstands gegen die englische Besatzung unter König Edward I. („Longshanks“) wird. Der Film beginnt intim: Wallace wächst in einer Welt auf, in der die Engländer mit brutaler Willkür herrschen – einschließlich des berüchtigten „Rechts der ersten Nacht“. Als seine geliebte Murron ermordet wird, weil sie sich weigert, sich zu unterwerfen, zerbricht etwas in ihm. Aus dem friedlichen Mann wird ein Guerillakämpfer, später ein charismatischer Heerführer, der die zerstrittenen schottischen Clans einen kann. Gibson, der nicht nur Regie führte, sondern auch die Hauptrolle übernahm, spielt Wallace mit einer rohen, fast archaischen Intensität. Man glaubt ihm jeden Schlag, jede Träne, jeden Schrei. Neben ihm glänzen Patrick McGoohan als eiskalter, zynischer Longshanks – eine der besten antagonistischen Darstellungen überhaupt – und Sophie Marceau als Prinzessin Isabella, die in Wallace etwas findet, das ihr eigenes, höfisches Gefängnis übersteigt. Der Film ist brutal. Die Schlachten sind schlammig, blutig, chaotisch. Es gibt keine sauberen Hollywood-Heldenmomente mit übertriebener CGI. Stattdessen spürt man das Gewicht der Schwerter, das Knirschen von Knochen, die Verzweiflung der Männer, die wissen, dass sie wahrscheinlich sterben werden. Und genau das macht Braveheart so wirkmächtig: Die Gewalt ist nie selbstzweckhaft, sondern immer Mittel zum Zweck – sie zeigt, welchen Preis echte Freiheit fordert. Mittelalterliche Schlachten mit dieser Härte und diesem Dreck haben wir erst bei Game of Thrones wieder bekommen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Der Herr der Ringe, aber HdR ist sehr sauber. Die Schlachten sind unterhaltsam, wirken aber mehr so, als wäre man gerne dabei gewesen. Dieses Gefühl vermittelt Braveheart in keiner Sekunde.

Freiheit gegen Tyrannei – ein zeitloser Konflikt

Im Kern ist Braveheart ein Film über den ewigen Kampf zwischen individueller Freiheit und staatlicher Unterdrückung. König Edward I. verkörpert den klassischen Tyrannen: Er will nicht nur Land, er will Seelen brechen. Er führt ein System ein, das die Schotten systematisch entwürdigt. Wallace hingegen kämpft nicht primär für einen neuen König oder ein neues System – er kämpft dafür, dass ein Mensch über sein eigenes Leben bestimmen darf. Die berühmte Rede vor der Schlacht von Stirling ist deshalb so stark, weil sie keine leere Rhetorik ist. Sie stellt die existenzielle Frage: „Willst du ein langes Leben in Sicherheit und Knechtschaft oder ein kurzes, aber freies Leben?“ Wallace fordert seine Männer nicht auf, für ihn zu sterben. Er fordert sie auf, für sich selbst zu leben – wirklich zu leben. Darin liegt die große freiheitliche Botschaft des Films: Freiheit ist kein Geschenk des Staates. Sie ist etwas, das man sich erkämpfen muss, meist gegen den Staat. Der Film zeigt auch die Schattenseiten: Verrat unter den eigenen Verbündeten (Robert the Bruce als tragische Figur), die Verführung durch Macht und Kompromisse. Selbst die „Guten“ sind fehlbar. Und doch bleibt die Richtung klar: Tyrannei und Herrschaft sind schlecht, Freiheit das höchste Gut.

Historische Freiheiten – und warum sie dem Film nicht schaden

Natürlich ist Braveheart kein Geschichtsbuch. Historiker haben zu Recht angemerkt, dass vieles frei erfunden oder verzerrt ist: die Romanze mit Isabella, das Fehlen der Brücke in der Schlacht von Stirling, die genaue Chronologie, die Darstellung der Schotten als bemalte Barbaren. Mel Gibson hat das selbst nie bestritten. Er wollte keinen Dokumentarfilm machen, sondern ein mythisches Epos – so wie Homer über Troja oder die Sagen um König Artus. Und genau das macht den Film so stark. Er bedient sich der historischen Figur William Wallace, um eine zeitlose Geschichte zu erzählen. Der echte Wallace war sicherlich kein blau bemalter Racheengel im Hollywood-Format. Aber der Film schafft etwas Größeres: Er macht aus ihm einen Archetyp des Freiheitskämpfers. In einer Ära, in der viele Filme Angst haben, klare Helden zu zeigen, weil sie „problematisch“ sein könnten, ist das eine erfrischende Haltung.

Warum Braveheart heute noch (oder gerade heute) wichtig ist

Schauen Sie sich die heutige Popkultur an. Viele große Studios scheuen klare moralische Positionen. Helden müssen nuanciert, gebrochen, oft moralisch ambivalent sein. Antagonisten dürfen nicht zu böse sein, sonst wirkt es „einfach“. Große Budgets zwingen zu internationaler Markttauglichkeit und ideologischer Vorsicht. Das Ergebnis sind oft Filme, die niemanden wirklich berühren – weil sie niemandem wirklich wehtun wollen. Braveheart hatte diesen Mut. Er zeigt Tyrannei als das, was sie ist: hässlich, grausam, menschenverachtend. Und er zeigt, dass der Widerstand dagegen schön, erhaben und notwendig sein kann. Der Film gewann 1995 fünf Oscars, darunter für den besten Film und die beste Regie. Er war ein riesiger kommerzieller Erfolg. Und er hat Generationen von Zuschauern inspiriert – nicht nur in Schottland, wo er den Tourismus ankurbelte und das Nationalbewusstsein stärkte, sondern weltweit. In Zeiten, in denen Freiheit wieder unter verschiedenen Vorwänden eingeschränkt wird – ob durch Überwachung, Zensur oder wirtschaftliche Abhängigkeit – wirkt die Botschaft von Wallace erschreckend aktuell. Nicht weil der Film eine konkrete politische Agenda hätte, sondern weil er an etwas Grundlegendes appelliert: Der Mensch ist nicht dazu gemacht, geknechtet zu werden.

Ein Film, der bleibt

Braveheart ist kein perfekter Film. Er ist lang (knapp drei Stunden), an manchen Stellen pathetisch. Aber genau diese Unverblümtheit macht ihn so kraftvoll. Er behandelt den Zuschauer nicht wie ein Kind, das belehrt werden muss. Er zeigt ein großes, blutiges, tragisches und zugleich erhebendes Gemälde menschlicher Sehnsucht nach Selbstbestimmung. Wenn Sie ihn lange nicht mehr gesehen haben: Holen Sie ihn raus. Schauen Sie ihn an einem Abend an, an dem Sie Zeit haben. Lassen Sie sich mitreißen von James Horners epischer Musik, den gewaltigen Schlachtszenen und der unerschütterlichen Überzeugung, dass Freiheit das Einzige ist, wofür es sich wirklich zu kämpfen lohnt. Freiheit als höchsten Stellenwert, aber Braveheart zeigt auch, dass ein Mann sich dann zurückhält, wenn er eine Familie zu verteidigen hat. Ein ähnliches Wertebild zeigt uns Mel Gibson auch in „Der Patriot“. Aber auch zeigt er uns, dass es trotz der Familie einen Punkt gibt, an dem es galt, für die Freiheit zu kämpfen. Denn am Ende, werter Leser, bleibt der Satz, der alles zusammenfasst: „Sie mögen unser Leben nehmen – aber niemals unsere Freiheit.“ Und solange Filme wie „Braveheart“ existieren, lebt dieser Geist weiter. In der Popkultur. Und hoffentlich auch in uns. Was halten Sie von „Braveheart“? Haben Sie den Film schon mal als Freiheitsmanifest gesehen oder eher als reines Action-Epos? Ich freue mich auf Ihre Gedanken in den Kommentaren. Und wie immer: Freiheit gibt es nicht geschenkt – weder im Kino noch im echten Leben.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.