Krieg: Der Krieg im Iran und der europäische Selbsthass
Analyse der politischen und gesellschaftlichen Spaltungen durch globale Konflikte
von Andreas Tögel drucken
Mit der Covid-19-Pandemie, respektive den daraufhin von vielen Regierungen ergriffenen Maßnahmen, haben sich die Auseinandersetzungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen deutlich verschärft. Rein sachbezogene, nicht ad personam ausgetragene Dispute werden seither immer seltener. Die nüchterne Abwägung von Argumenten tritt gegenüber der Verteidigung von Glaubensüberzeugungen zurück. Der Riss geht dabei oft mitten durch die Familien. Auch der Klimawandel, der Ukrainekrieg und die dieser Tage gegen das Mullahregime im Iran laufende amerikanisch-israelische Luftoffensive offenbaren einen allgemeinen Verlust an Willen oder an der Fähigkeit, differenziert zu urteilen. Es gibt nur noch Schwarz oder Weiß.
Wer nicht bedingungslos für Masken- und Impfzwang eintrat, wurde von Politik und Medienhauptstrom als „Gefährder“, „Schwurbler“ oder „Aluhut“ gebrandmarkt. Zweifel am Narrativ einer „Pandemie der Ungeimpften“ zu äußern, zog die soziale Ächtung nach sich. Umgekehrt wurde den Regierungen gern pauschal der wohl überzogene Vorwurf gemacht, die Pandemie als Vorwand zu nutzen, um einen totalitären Staat nach orwellschem Muster zu errichten.
Wer Kritik an der Politik des vormaligen „Comedians“ und nunmehrigen Präsidenten der Ukraine äußert, wird taxfrei zum „Putinisten“ erklärt. Wer auf die in der Ukraine endemische Korruption hinweist, liefert damit vermeintlich den Beweis für seine Zustimmung zum russischen Angriffskrieg. Auf der Gegenseite offenbart sich dafür ein erstaunlicher Mangel an Empathie für die vielen zivilen Opfer der russischen Aggression.
Ein differenzierter Blick auf den am 28. Februar 2026 losgebrochenen Luftkrieg gegen die den Iran seit 47 Jahren mit eiserner Hand regierenden Islamfaschisten scheint ebenfalls vielen Zeitgenossen unmöglich zu sein. Nicht nur Jürgen Todenhöfer oder Daniele Ganser, deren Passion es ist, alles Böse der Welt in den USA zu suchen und zu finden, sehen im Krieg gegen die Mullahherrschaft ein nicht zu rechtfertigendes Verbrechen. Der flagrante Bruch des Völkerrechts durch diesen Angriffskrieg ist schon allein deshalb zu verurteilen, weil ja sonst auch jede Kritik am Krieg Russlands gegen die Ukraine zur Farce verkommen würde. Nebenbei bemerkt sei, dass der Begriff „Angriffskrieg“ ein Pleonasmus ist, weil schließlich jeder Krieg mit einem Angriff durch eine der beteiligten Parteien beginnt! Einen „Nicht-Angriffskrieg“ gibt es nicht.
Der liberale Wiener Journalist Christian Ortner hat kürzlich die beachtenswerte These aufgestellt, dass das Völkerrecht offensichtlich schwere Defizite aufweist, indem es ein Verbrecherregime wie jenes, das sich vor 47 Jahren in Teheran etabliert hat, vor seiner Beseitigung von außen schützt. Da ist schon was dran! Denn welcher bei Sinnen befindliche, westlich zivilisierte Mensch kann sich – Völkerrecht hin oder her – für den Fortbestand einer islamfaschistischen Regierung einsetzen, die drauf und dran ist, Atomwaffen zu produzieren, mit denen sie, dank weitreichender Trägersysteme, Europa und Israel bedrohen und politisch erpressen könnte? Wo bleibt die Solidarität der vielen Regimenter von plötzlich zu Völkerrechtlern mutierten Zeitgenossen mit den von eben diesem Regime unterdrückten oder ermordeten Zivilisten? Zählt die Einhaltung abstrakter Gesetzesregeln tatsächlich mehr als Menschenleben?
Und – das ist der wohl erstaunlichste Aspekt des aktuellen Krieges – die Betonung der eigenen Sicherheitsinteressen Europas scheint für viele seiner Bewohner überhaupt keine Rolle zu spielen! Während die Behauptung Donald Trumps, er müsse die USA vor einer möglichen Bedrohung durch den Iran beschützen, angesichts der geografischen Gegebenheiten ebenso ein Märchen ist wie, weiland die von Saddam Hussein angeblich vorhandenen „weapons of mass destruction“, wäre die Bedrohung Eurolands durch ein iranisches Atomwaffenarsenal absolut ernst zu nehmen.
Darf man als autochthoner Europäer seinen eigenen Sicherheitsinteressen inzwischen keinen Vorrang mehr einräumen? Falls das so ist, dann liegen die Regierungen der EU mit dem massenhaften Import wehrfähiger Männer aus der Welt des Halbmonds goldrichtig. Dann darf sich Europa auch nicht gegen die Produktion von Waffensystemen positionieren, die sich in der Hand fanatischer Mohammedaner („Tod Israel, Tod den USA und Tod allen Kuffar“) alsbald auch gegen die Alte Welt richten würden.
Wenn die Europäer es allerdings dabei belassen wollen, nicht von einem totalitären Regime in Teheran nuklear bedroht und/oder politisch erpresst werden zu können, dann sollten sie – feminisiert und militärisch impotent, wie sie sind – den Herren Trump und Netanjahu dafür dankbar sein, dass sie die Mullahs in den Orkus bomben, anstatt mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger herumzufuchteln.
Der 2020 verstorbene britische Philosoph Roger Scruton würde die von vielen Europäern am israelisch-amerikanischen Krieg gegen die Regierung in Teheran geübte Kritik als Ausdruck einer grassierenden „Oikophobie“ gewertet haben, – als Folge einer Ablehnung oder gar Verachtung der eigenen Kultur und einer Überhöhung und Verherrlichung alles Fremden. Diese geistige Verirrung ist besonders typisch für linke Intellektuelle, die vergessen haben, auf welchen Fundamenten das christliche Abendland gründet, und die als nützliche Idioten der Islamisierung der westlichen Welt Vorschub leisten.
Der Ausgang des Iran-Krieges ist – Stand 9. März 2026 um 16:00 Uhr – ungewiss. Die vom Iran auf seine Nachbarstaaten abgeschossenen Drohnen und Raketen haben den Bewohnern der arabischen Halbinsel endgültig klargemacht, was vom dortigen Regime zu halten ist.
Überlebt die Herrschaft der iranischen Mullahs die amerikanisch-israelische Militärintervention, haben Europa und Israel durch die Zerstörung großer Teile Irans militärischer Infrastruktur zumindest Zeit gewonnen, in der sie vor Nuklearattacken aus diesem Land sicher sind. Für die USA und deren weltweite Reputation als Supermacht wäre der Fortbestand der islamischen Theokratie indes eine ungeheure Blamage. Für die Regierung Trump wäre ein Debakel bei den für Anfang November des Jahres anberaumten „Midterms“ vermutlich unvermeidlich.
Fällt aber die gegenwärtig herrschende Regierung in Teheran doch noch, stellt sich die Frage: „Was kommt danach?“ In multiethnischen Staaten wie dem Iran garantiert eine totalitäre Regierung nämlich oft die nationale Einheit, so wie das in Jugoslawien der Fall war. Nach Titos Tod verschärften sich ethnische Konflikte, und alsbald beherrschten Chaos und Bürgerkriege das Land. Das könnte auch dem Iran blühen.
Wieder könnte das Völkerrecht auf der falschen Seite der Geschichte stehen – nämlich auf der des Bewahrers des mehrheitlich Unerwünschten. Denn das Völkerrecht schützt grundsätzlich die territoriale Integrität bestehender Staaten. Ein klar geregeltes Sezessionsrecht existiert so gut wie nicht, was den derzeit wiederaufkeimenden Traum der Kurden von einem eigenen Staat rasch wieder beenden könnte.
Fazit: Wir leben gegenwärtig in interessanten Zeiten.
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