24. März 2026 16:00

Kriegsfinanzierung: Die Falschgeld-Evolution

Digitales Zentralbankgeld ist die logische Fortsetzung der Geldzerstörung

von Christian Paulwitz drucken

Krieg und Zentralbanken gehören zusammen
Bildquelle: e-Redaktion Krieg und Zentralbanken gehören zusammen

Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass sich die Menschen die Verwendung von staatlichem Falschgeld vorschreiben ließen? Die Anfänge dieser Entwicklung liegen schon sehr weit zurück, vermutlich fast bis zur Entdeckung des Geldes überhaupt. Spätestens mit der Prägung von Münzen konnte jedoch der erste erfolgversprechende systematische Hebel gefunden werden. Dabei war die Idee zunächst einmal bestechend, das umständliche Abwiegen von Edelmetallbruchstücken schwer zu ermittelnder Reinheitsgrade dadurch zu vereinfachen, dass eine anerkannte Autorität – zunächst also wohl nicht ein Herrscher – mit einer eingedrückten Prägung das Gewicht beziehungsweise die Menge bestätigte. Bald erkannten territoriale Gewaltmonopolisten das Potenzial und monopolisierten die Münzprägung.

Die ersten Münzen der Menschheitsgeschichte waren noch etwas unförmig, und so konnten die Münznutzer an den Rändern etwas Material wegnehmen, ohne das Prägesiegel zu zerstören. Dadurch entstanden Unterschiede in der Materialmenge und somit Gebrauchsunsicherheiten. Mit dem technischen Fortschritt in der Metallbearbeitung konnten diese zwar deutlich verringert werden, dafür schufen Ansätze zur Monopolisierung der Geldausgabe jedoch erst die Möglichkeit zur systematischen Geldverschlechterung. In den früheren, von geringer Produktivität geprägten agrarischen Gesellschaftsordnungen war es schwieriger als heute, dem Untertanenvolk direkte hohe Abgabenlasten aufzubürden, um den Herrschaftsapparat zu unterhalten. Eine weniger direkte Enteignung durch die Verschlechterung des Münzgeldes durch die Beimischung minderwertiger Materialien bei der Geldausgabe wirkt zunächst unauffällig und bereichert den Geldausgeber auf Kosten der Geldnutzer, die seine Waren an ihn gegen Bezahlung abgeben. Wo die Materialverschlechterung der Münzen schrittweise und über einen längeren Zeitraum erfolgte, verschwanden die früheren Münzen mit noch wertigerem Metallgehalt und wurden eingeschmolzen, während die schlechteren bei sinkender Kaufkraft im Umlauf blieben.

Solange die Münzausgabe nicht monopolisiert ist, können natürlich auch private Münzpräger den Geschäftsweg der Münzverschlechterung einschlagen. Allerdings unterliegen sie dem Wettbewerb, der Betrug fliegt irgendwann auf, und sie verschwinden vom Markt, während sich dieser auf die Gefahr einzustellen beginnt und nach und nach Mittel zur Qualitätskontrolle findet. Der Fälscher lebt immer gefährlicher – solange er nicht unter dem Schirm eines mit Gewalt abgesicherten staatlichen Monopols agieren kann.

Auch das Papiergeld wurde nicht im Rahmen eines staatlichen Monopols erfunden, sondern als Verbriefung von Eigentumsansprüchen an eingelagerten Edelmetallen. Das über die Jahrhunderte gewachsene Wissen über diesen Zusammenhang ist so stark, dass es selbst heute noch gar nicht so wenige Menschen gibt, die der Überzeugung sind, zumindest ein Teil der staatlichen Währung sei durch Gold im Zentralbankbesitz abgesichert. Doch die Geschichte des staatlichen Papiergeldes und des Missbrauchs des Glaubens an seine Werthaltigkeit ist gesäumt von Inflationskatastrophen. Wohl gab es auch Betrug durch private Geldscheinanbieter, die die Ausgabe mit Bezugsrechten auf eingelagerte Edelmetalle verknüpften, aber mehr Scheine ausgaben, als sie an Gegenwert einlagerten; natürlich. Aber auch die stabilsten Währungen waren eben nicht-staatliche, privatwirtschaftliche Konzepte, wie zum Beispiel die Mark Banco Hamburger Kaufleute. Dezentrale, kleinstaatliche Ordnungen mit geringer Herrschermacht bieten die besseren Voraussetzungen für Fehlerkorrekturen, während starke, zentralstaatliche Monopole Korrekturen erschweren und die größten Inflationskatastrophen verursachen können – und auch immer wieder verursacht haben.

Die harmloseren Herrscher der Geschichte schöpften einen eher geringen Teil der Produktionskraft des Volkes ab, um ihre Akzeptanz durch stabile und berechenbare Verhältnisse insbesondere im Bereich des Rechtswesens und des privaten Eigentums abzusichern. Einem Fürsten mit schlankem Hofstaat, von dem man im Wesentlichen in Ruhe gelassen wird, mag man die eine oder andere steuerfinanzierte Marotte in Kunst und Kultur auch noch nachsehen. Weniger harmlos wird es, wenn er zur Verbreiterung seiner Macht- und persönlichen Wohlstandsbasis auf Gebietserweiterung aus ist, die im Konflikt mit anderen Herrschern zum Krieg führen. Die Steuerfinanzierung eines Krieges stößt ohne massiven Propagandaaeinsatz auf wenig Verständnis und sehr schnell an enge Grenzen. Hilfreich ist es, Unannehmlichkeiten zunächst gering zu halten und die Kosten zu verschleiern. Dabei wird ein Volk durch einen Krieg stets doppelt getroffen: Es muss die Finanzierung der Kriegskosten tragen und wird gleichzeitig in seiner Produktionskraft mehrfach geschwächt – durch Umlenkung materieller und personeller Ressourcen bis hin – wenn der Krieg das eigene Territorium erreicht – zu direkten Zerstörungen.

Kriege werden durch Schulden finanziert, und die Gläubiger gehen eine Wette ein, durch die künftige Raubkraft staatlicher Herrscher ihre Investitionen wieder mit Gewinn zurückzuerhalten. Es ist ein riskantes Geschäft gewesen. Die große Finanzinnovation der Neuzeit zur Risikominimierung der Kriegsschuldenfinanzierung war die Einrichtung von Zentralbanken auf der Basis staatlichen Geldmonopols – der Durchbruch gelang nicht zufällig im Wesentlichen kurz vor oder zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Das Management der Geldschöpfung erfolgt durch eine Finanzkaste, deren Protagonisten ihre eigenen Geschäftsmodelle draufsetzen, während Risiken über das staatliche Konstrukt sozialisiert werden können.

Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg sind im Bewusstsein der Bevölkerungen West-Europas und einiger anderer Teile der Welt – bei weitem nicht aller – als eine Zeit des Friedens verhaftet, ohne heiße kriegerische Auseinandersetzung in den eigenen Ländern. Armeen sind in West-Europa nicht eingefallen, das ist richtig, wenn auch europäische Armeen nur zu oft in anderen Ländern im Einsatz waren. Die Interessen, die dabei verfolgt wurden, dürften weniger der Finanzierung der schönen Künste für einzelne Fürsten gedient haben als handfester Interessen globaler Netzwerke. Die Verklärung als lange Friedenszeit ist daher verfehlt, auch wenn aus individueller Sicht natürlich das Ausbleiben von Tötung und Zerstörungen durch Kriegshandlungen unbedingt zu begrüßen ist. Doch seit Clausewitz wissen wir, dass Krieg und Politik zwei Seiten derselben Medaille sind.

Ein Blick auf das Anwachsen des Staatsapparats gibt eine Vorstellung davon, welch ein Raub- und Beutekrieg gegen die Bevölkerung des staatlichen Territoriums geführt wird. Die Voraussetzung für die Duldung eines solch überbordenden Hofstaats war die beispiellose Produktivitätsentwicklung durch technischen Fortschritt, das Mittel war das staatliche Geldmonopol durch Zentralbanken, das die Staatsschuldenexplosion als Hebel auf die steigende Steuerlast setzte. Krisen waren bereits früher willkommene Gelegenheiten, Hemmungen abzustreifen. Ölkrisen – also Energiekrisen – eignen sich besonders gut. Während bis 1971 der Goldpreis in DM stabil gehalten wurde, verzehnfachte er sich in den darauf folgenden zehn Jahren. Dass in vielen anderen Ländern viel stärker inflationiert wurde, verdeckt etwas den Blick auf das Ausmaß der Inflationierung in Westdeutschland. Der wuchernde, erweiterte Hofstaat hat den Namen Sozialstaat bekommen. An der Staatsverschuldung zur Finanzierung des Sozialkriegs verdient sich die Finanzkaste an der Quelle der durch die Zentralbank abgesicherten Geldschöpfung durch den Cantillon-Effekt eine goldene Nase.

Das Ergebnis ist die Abhängigkeit des größten Teils der Bevölkerung von Umverteilung und staatlicher Lenkungswirtschaft, während im Lande Ludwig Erhards – nicht zuletzt dank staatlichen Schulzwangs – ein allgemeines Unwissen über die Voraussetzungen für wachsenden Wohlstand für alle besteht. Der technische Fortschritt in Verbindung mit zunehmender globaler Arbeitsteilung hat verhindern können, dass die meisten der weltweiten Fiatgeld-Systeme in einer ähnlichen Zeitspanne zusammenbrachen wie in früheren Jahrhunderten. Doch bereits seit zwanzig Jahren mehren sich die Symptome des absehbaren Endes. Mittlerweile ist es längst nicht mehr der technische Fortschritt und die Produktivitätsentwicklung, die das Zusammenbrechen des korrumpierten Geldsystems hinauszögern, sondern die mittlerweile etablierten Abhängigkeiten von staatlicher Willkür nicht nur der Transferempfänger, sondern der gesamten Bevölkerung bei jeglicher wirtschaftlichen Tätigkeit.

Wenn aber die Abhängigkeiten der Anker ist, der das Geldsystem noch auf Position hält, so liegt es im Interesse seiner wenigen Nutznießer, sieauszubauen. Der technische Fortschritt diene nicht mehr dem Wachsen des Wohlstands, sondern der systematischen Vertiefung von Abhängigkeiten. Manche Symptome, die nicht unbedingt mit dem Geldsystem zusammenhängen, vermag man täglich zu beobachten. Die logische Fortentwicklung des per staatlichen Monopols abgesicherten Papier-Zentralbankgelds liegt folglich in direkt von Zuteilung und Verweigerung abhängigen monopolisierten digitalen Zahlungsmitteln. Es ist die große Chance, die Geschichte des Fiatgelds fortzusetzen – und ein großes Risiko. Scheitert das Vorhaben, scheitert auch das Fiatgeldsystem – vorerst jedenfalls.

Die Überwindung der Abhängigkeiten erfolgt zuerst durch eine geistige Selbst-Befreiung.


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