24. Juni 2026 11:00

Medien Kartellkarussell entlarvt inszenierte Alternativen

Finanzierte Reichweiten und Täuschung

von Axel B.C. Krauss drucken

Medien: Inszenierte Alternativmedien entlarvt
Bildquelle: e-Redaktion Medien: Inszenierte Alternativmedien entlarvt

Das Kartellkarussell dreht (auf X) frei: Zwei Faker geben Vollgas

Wenn Täter sich als Opfer feiern, kann das Zwerchfell Party feiern.

Obwohl das eigentlich gar nicht lustig ist. Nicht mehr. Naja, wie man’s sieht. Es gab eine Zeit, da jeder Mensch mit minimaler Medienkompetenz und der Bereitschaft, maximal fünf oder zehn Minuten seiner Lebenszeit zu opfern, um einen Blick unter die Motorhaube so mancher von Enterprise-Chefingenieur Scotty in den Zenith der Popularität gebeamten „alternativen“ Journalisten zu werfen, herzlich lachen konnte. Grund: Sind fünf – oder zehn – Minuten denn wirklich zu viel verlangt? Ach, kommt schon, Leute: Man braucht doch wirklich keinen Doktortitel in Medienmechanik und auch keine Kopien von Kontoauszügen spendierwilliger Investoren, um mal was zu merken. Was ist denn mit Euch los?

Jedenfalls sorgte die gemeinsame Aktion von Julian Mannhardt und Max Reichelt in Berlin auch medial für Aufsehen: „Apollonius News“ geriet ins Visier der Antifa, die mit Gewalt drohten, da das fake-alternative Hybridportal nun Büroräume in Berlin-Kreuzberg bezog. Wie dumm, aber natürlich typisch Antifa: Mit solchen kontraproduktiven Methoden ist solchen Blendern gar nicht beizukommen, im Gegenteil – damit wird der falsche Eindruck „echter“ Opposition und vermeintlichen Systemwiderstands auch noch verstärkt. Ein Schelm, wer vermutet, dies könnte vielleicht sogar die Absicht gewesen sein: Lasst uns mal ein paar Linke triggern, die natürlich reagieren werden wie gewohnt, dann können wir uns zu Volkshelden aufspielen. Nein, hier helfen nur bessere Informationen, da kann man ganz legal bleiben: Statt Fäuste ballen und schwingen zu wollen, hätte ein entspannter Hinweis auf die unlauteren Methoden von „Apollonius News“ völlig genügt, als da konkret wären: Wettbewerbsverzerrung, Kartellbildung.

Wettbewerbsverzerrung, da es sich nicht um natürlich/organisch gewachsene Portale handelt, sondern Reichweite und somit „Meinungsmacht“, wie auch immer man diesen Murks nennen will, regelrecht eingekauft wurde. Mit sehr viel Geld. So viel, dass jede Kraemerseele (kein Schreibfehler) weiß Gott sofort einen Hardten (kein Schreibfehler) bekommen hätte. Spaß beiseite: Das ist alles beileibe kein Geheimwissen, es stand ja schon im Handelsblatt: „Millionär will mit Nius das deutsche Fox News aufbauen“ (12.12.2024). Auch die Finanzierungshintergründe von „Apollo News“ stehen frei verfügbar im öffentlichen Raum. Da gibt es nichts mehr zu „enthüllen“.

Ziel des MAM-Kartells („Mainstream Alternative Media“), wie bereits erläutert: Echten, seriösen alternativen Journalisten Aufmerksamkeit abzuziehen, sie an den Rand drängen, marginalisieren und schlussendlich mundtot machen zu können. Das ist aber nicht nett. Dabei kommen natürlich die üblichen Methoden zum Einsatz: Dauerbombardement der Leute mit weit überwiegend inhaltsarmem Klatsch und Tratsch aus Politik, Medien, Kunst und Unterhaltung – was der Tagesbetrieb halt so an Leerlauf hergibt. Nichts, was irgendeinen Erkenntnisfortschritt böte, keine relevanten Informationen.

Und natürlich permanenter Krawall: Es kann nie genug Getöse um „Meinungsfreiheit“ geben, die von Apollinius News, und damit ist der Gipfel der Scheinheiligkeit erreicht, mit Füßen getreten wird dadurch, anderslautende Meinungen als die eigenen geflissentlich auszuschließen, indem man nur Kartellkarussell fährt, sich also stets nur gegenseitig interviewt und bewirbt, sprich, den Filterblasen-Resonanzverstärker auf Hochtouren laufen lässt.

Kurz, man darf hier getrost von einem Betrug am Publikum sprechen, einer Täuschung der Öffentlichkeit: Gib vor, zu den Alternativen zu gehören, obwohl du ein Zuchtpudel des Establishments bist und dafür sorgst, nur andere Zuchtpudel zu Wort kommen zu lassen. Unlängst fragte mich jemand tatsächlich, ob ich mir keine Sorgen mache, mich so zu äußern. Das seien doch ziemlich harte Vorwürfe, schließlich spräche ich von Betrug, und ob ich mir keine Sorgen um eventuelle rechtliche Konsequenzen mache. Im Gegenteil, ich schlafe wie ein Baby: Alles, was ich hier schreibe, entspricht den Tatsachen. Von Diffamierungen oder Verleumdungen kann also nicht die Rede sein.

Dies kann jeder auch selber überprüfen: Ich habe mir den Zirkus auf X letzte Woche mal etwas näher angeschaut und dabei fast zwei Dutzend Kartellkarussellfahrern dabei zusehen dürfen, das Pedal voll durchzutreten: Das war schon keine Geschwindigkeitsüberschreitung mehr, das war Operation Warp Speed für den geneigten Medienkonsumenten. Hat aber auch Vorteile: Ein Gang zum Friseur ist nicht mehr nötig. Einfach X aufrufen und schon gibt’s Vollwäsche für Haar und Hirn – kostenlos! Ersteres wird sich angesichts der dort aufgeführten Farce sträuben, letzteres läuft bei Dauerkonsum Gefahr, zu verkümmern. Wer es liebt, rund um die Uhr belogen, manipuliert, desinformiert, in die Irre geführt und mit minderwertigen Informationen abgefüllt zu werden, sollte hier unbedingt zugreifen. Kulinarischer Vergleich: Dagegen nähme McDonalds im Guide Michelin die Top-Position unter den Sternerestaurants ein. Alter Schwede. Mehr Junk lässt sich nicht in 24 Stunden pressen.

Doch wie gesagt: Manchmal ging mein Humorvorrat zur Neige. Wenn nun ausgerechnet diese beiden etwas sehr Obszönes mit Medien Machenden meinen, auch noch Vergleiche zur NS-Zeit ziehen und sich ungerechtfertigterweise als unschuldige, verfolgte Opfer gerieren zu müssen, nehme ich diese Einladung zum Tanz gerne an und verweile noch ein Weilchen in ihrer hysterisierenden Terminologie: Ihre „Machtergreifung 2.0“ in der (echten) alternativen Medienlandschaft zur Erlangung der Lufthoheit über selbige weckt in mir den Wunsch, auszurufen: Jetzt wird Widerstand gegen soviel Scheinheiligkeit und Doppelstandards eigentlich zur Pflicht.

Doch das wird nicht passieren, soviel ist absehbar. Dafür ist die Situation auf X bereits zu … ach, schauen Sie einfach die Komödie „Idiocracy“. Es lohnt sich. Sehr akkurate Beschreibung unserer Zeit.

Bis nächste Woche.


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