05. August 2026 14:00

Geschichte Unheilige Allianzen

Historische Lehren aus Iran und Gegenwart

von Andreas Tögel drucken

Unheilige Allianzen: Gegensätzliche Lager reichen sich die Hand
Bildquelle: e-Redaktion Unheilige Allianzen: Gegensätzliche Lager reichen sich die Hand

„Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ So lautet eine Überlegung, die mutmaßlich auf den indischen Minister Chanakya aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert zurückgeht und im Rahmen militärischer Strategien entstand. Die dem Gedanken zugrunde liegende Logik hat über die römische Antike und die beginnende Neuzeit hinweg bis in die Postmoderne überlebt. Sich mit dem Feind des Feindes zu verbünden, ist eine bis heute geübte Praxis.

Im Laufe der Geschichte wurden auf Basis dieser Idee immer wieder „unheilige Allianzen“ geschmiedet. Die KI des Microsoft-Copilot erklärt: „Als Unheilige Allianz bezeichnet man allgemein ein Bündnis zwischen Akteuren, die eigentlich gegensätzliche Interessen haben oder moralisch nicht zusammenpassen, und das deshalb als unnatürlich, problematisch oder gefährlich wahrgenommen wird.“ Als Beispiele nennt der Copilot das 1855 aus Anlass des Krimkrieges geschlossene Bündnis westlicher Staaten mit dem Osmanischen Reich und den Hitler-Stalin-Pakt von 1939.

In der Tat waren und sind derlei Bündnisse meist gegen die Intuition gerichtet: Akteure, die im Grunde überhaupt nicht zusammenpassen sollten, bildeten oder bilden Koalitionen aus Machtinteressen, Pragmatismus und dem erwarteten gegenseitigen Nutzen, ohne alle moralischen Bedenken, meist kurzfristig orientiert und ohne Gedanken an mögliche negative Langzeitfolgen zu verschwenden.

Ein nicht allzu lang zurückliegendes Beispiel liefern die Ereignisse im Iran – vor, während und nach der Vertreibung von Schah Reza Pahlavi und der islamischen Revolution im Jahr 1979. Marxisten, Studenten und andere linke Intellektuelle gingen damals ein Bündnis mit reaktionären Schiiten ein, um das verhasste Schah-Regime zu stürzen, was auch gelang. Zwischen den säkularen und religiösen Teilen dieser Allianz hätte kein in weltanschaulicher Hinsicht tieferer Graben liegen können. Der Zweck heiligte indes die Mittel. Es handelte sich um den Prototyp einer unheiligen Allianz.

Die wenigen urbanen iranischen Marxisten erkannten in den Islamisten eine notwendige Massenbewegung, um Arbeiter und Arme gegen das herrschende Regime zu mobilisieren. Die Islamisten wiederum betrachteten die Marxisten als nützliche Idioten, die Erfahrungen im Umgang mit Propaganda und der Organisation militanter Netzwerke hatten.

Das Ergebnis ist bekannt: Nach der Machtübernahme durch den schiitischen Klerus wurden die marxistischen Teile der unheiligen Allianz brutal ausgeschaltet: Linke wurden verhaftet, gefoltert, hingerichtet oder ins Ausland vertrieben. Abertausende von ihnen verloren dabei ihr Leben. Ihre politischen Parteien wurden zerschlagen, unabhängige Medien verboten.

Es ist in höchstem Maße erstaunlich, dass die bitteren Erfahrungen, die aus zeitnah abgelaufenen Ereignissen wie jenen im Iran resultieren, offensichtlich keine Auswirkungen auf die Aktivitäten zeitgenössischer progressiver Kräfte in der westlichen Welt zeigen. „Queers for Palestine“ ist ein besonders haarsträubendes Beispiel. Jedem bei klarem Verstand befindlichen Queeren (bitte dieses Oxymoron zu entschuldigen) muss bewusst sein, dass seine Halbwertszeit in Gaza nicht in Stunden, sondern vielmehr in Minuten bemessen wäre, sollte er je seinen Fuß auf diesen Boden setzen und sich als queer zu erkennen geben. Denn kaum etwas hassen die „Rechtgläubigen“ mehr als Schwule und anderweitig Paraphile. Auch in diesem besonders bizarren Fall handelt es sich um eine strategische Allianz, die sich nicht aus gemeinsamen Weltanschauungen, sondern aus gemeinsamen politischen Gegnern speist – in diesem Fall sind es eben die als weiße Imperialisten und Kolonialisten denunzierten Juden in Israel.

Der französische Autor Michel Houellebecq beschrieb in seinem 2015 erschienenen Roman „Unterwerfung“ (im Original „Soumission“) den Mechanismus einer unheiligen Allianz anhand der politischen Lage in Frankreich zu dieser Zeit und deren Extrapolation in die Zukunft. Ein aus Linken und einer Islampartei geschmiedetes Bündnis zur Verhinderung der Machtübernahme einer starken rechtspatriotischen Partei führt zu einer systematischen Umgestaltung der französischen Gesellschaft: Die den ständigen Übergriffen durch die wachsende Mohammedaner-Population ausgesetzten Juden verlassen das Land. Zunehmend beherrschen „Halal“-Lebensmittel das Nahrungsangebot. Miniröcke verschwinden im gleichen Maße aus dem Straßenbild, wie die Zahl der Kopftücher zunimmt. An den Universitäten sorgt der zunehmende Konformitätsdruck für eine Gleichschaltung der Lehrinhalte im Sinne der islamischen Machthaber.

Die Zeichen diesseits der zitierten Romanvorlage sind unübersehbar: Parolen wie „From the river to the sea!“ werden lautstark von Paris bis Washington skandiert. In der gesamten einst liberalen westlichen Welt gehen linke Kräfte Allianzen mit zum Teil radikalen „Rechtgläubigen“ ein: Beide zielen auf eine Überwindung des herrschenden, auf Individualismus, Privateigentum, Pluralismus und Vertragsfreiheit basierenden Systems ab. Allerdings schwebt den Linken – wie immer – primär die Abschaffung der Familien, des Privateigentums und der letzten Reste einer ins Transzendente weisenden Religion sowie die Errichtung einer planwirtschaftlich organisierten Ökodiktatur vor, während die Mohammedaner die Weltherrschaft des Kalifats anstreben. Wie schon 1979 im Iran könnten die ideengeschichtlichen Gegensätze nicht schroffer ausfallen.

Da alle – unter welchem propagandistischen Aufhänger auch immer – unternommenen Versuche der Linken, den Kapitalismus zu überwinden, bislang fulminant gescheitert sind und auch die klar antikapitalistisch ausgerichtete Klimareligion und der LGBTQ-Irrsinn keinen durchschlagenden Erfolg zu garantieren scheinen, bilden sie jetzt eben Allianzen mit den schlimmsten Feinden der westlichen Lebensart.

Wenn dem nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird, kann über den Ausgang dieses höchst gefährlichen Experiments kein Zweifel bestehen: Wie im Iran werden die Linken am Ende marginalisiert und von den Anhängern des Propheten Mohammed eliminiert werden. Allerdings sind die in ihren von der Wirklichkeit abgeschotteten Echokammern theoretisierenden linken Ideologen in einem derart erschreckenden Ausmaß mit Blindheit geschlagen, dass es ihnen unmöglich ist, die politische Realität von ihrer Utopie zu differenzieren. Die absehbare Konsequenz wird dann indes nicht nur ihre eigene Vernichtung sein, sondern der Untergang der einst freien Welt.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.