Deutschland: Die Leipziger Drohne
Merz beschuldigt Russland ohne Beweise
von Klaus Peter Krause drucken
Entdeckt Anfang August, aber willkommene Empörung und politische Ausschlachtung wabern erst seit Anfang September durchs Land – als neues Kriegsgerät sind Drohnen jetzt allgegenwärtig – ihre Produktion läuft auf Hochtouren – die Schuldzuweisung an Russland – Merz hat sich festgelegt: Russland war’s – Belege? Wieso denn Belege?
Mit dem Ukraine-Krieg sind sie über uns gekommen: die Drohnen, entweder bewaffnet mit Sprenggut für Angriffe oder ausgerüstet mit Kameras zum Spionieren. Das neue Kriegsgerät ist jetzt allgegenwärtig. Diesen Eindruck jedenfalls vermitteln die Medien zuhauf. Die Produktion dieser neuen Gerätschaften zu Tausenden läuft, so scheint es, wie am Schnürchen und auf Hochtouren. Überall schwirren diese Drohnen jetzt herum. Umso erstaunlicher, dass von diesen vielen plötzlich eine einzige ins politisch-mediale Scheinwerferlicht gerückt wurde: die Drohne vom Leipziger Flughafen. Schon in der Nacht vom 4. auf den 5. August war das mit Sprengstoff präparierte Gerät am Flughafen Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtflugzeugen entdeckt worden. Willkommene Empörung über den Vorfall und dessen politische Ausschlachtung wabern aber erst seit Anfang September durchs Land.
Die Schuldzuweisung an Russland
Die Bundesregierung beschuldigt Russland des „versuchten Drohnenangriffs“ und bestellte den russischen Botschafter ins Auswärtige Amt ein; sie schließt das russische Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin. Verbale Begleitmusik liefern stramme Äußerungen wie die von Außenminister Johann Wadephul, Deutschland werde sich durch russische Angriffe nicht einschüchtern lassen. Deutschland sei täglich Ziel hybrider Kriegsführung. Der Europäischen Union würden neue Listen von Personen vorgelegt, bei denen ein Zusammenhang mit hybriden Angriffen vermutet werde. Vermutet, nicht belegt. Markig, aber hohl klang Nato-Rutte („Das Bündnis stehe an der Seite Deutschlands“), und als trutzige Wahrsagerin trat EU-von-der-Leyen Deutschland zur Seite („Der Versuch Russlands, ‚Misstrauen und Angst in unseren Gesellschaften zu säen‘, werde scheitern“). Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte beim Treffen der EU-Außenminister in Irland an, dass 1600 Personen und Organisationen mit Reise-, Vermögens- und Geschäftssperren belegt werden sollen, davon viele aus dem „militärischen Komplex“ Russlands. Die FAZ berichtet: „Die Zahl ist ungewöhnlich hoch, bisher wurden mit jedem Sanktionspaket 100 bis 200 neue Listungen vorgenommen, insgesamt knapp 3000 in viereinhalb Jahren.“ (FAZ vom 3. September, Seite 1 und 2).
Schon über 670 Schiffe von Russlands „Schattenflotte“ auf der schwarzen Liste der EU
Zudem will man den Druck auf die russische „Schattenflotte“ (Frachtschiffe, Tanker) erhöhen. Aber wie denn? Ihr mit eigenen Booten auf die Pelle rücken? Neben den Russen mit geringem Abstand in Sichtweite herfahren und an Deck drohend die geballten Fäuste zeigen? Pardon, Spaß muss sein dürfen. In Gedankenspielen der Sanktionierer geht es darum, Schiffe dieser Flotte unter einem überzeugend klingenden Vorwand dingfest zu machen und erst einmal aus dem Verkehr zu ziehen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Konstantin von Notz, sprach von „1300 Uralttankern“, gegen die vorzugehen sei. Beschlagnahmt hat Deutschland erst ein russisches Schiff, den Tanker „Eventin“. Er ankert seit Januar 2025 vor Rügen und fällt für den illegalen Handel mit russischem Rohöl aus. Jüngst auf Spitzbergen beschlagnahmte Norwegen das russische Schiff „Professor Moltschanow“ auf Antrag des ukrainischen Staatsunternehmens Naftogaz; angeordnet wurde die Beschlagnahmung vom Bezirksgericht in Nord-Troms. Naftogaz fordert in dem Gerichtsverfahren Gelder zurück, die Russland 2014 bei der Annexion der Krim enteignet habe. Das Schiff sei für nationalistische Propaganda und Hybridoperationen genutzt worden. Also kein Frachter oder Tanker. (FAZ vom 5. September, Seite 2). Auf eine schwarze Liste hat die EU schon mehr als 670 Schiffe der Schattenflotte gesetzt. Sie dürfen in der EU keine Dienstleistungen mehr in Anspruch nehmen: von Versicherungen bis zum Anlaufen von Häfen. FAZ: „Ein durchschlagender Erfolg war das nicht.“
Merz hat sich festgelegt: Russland war’s – Belege? Wieso denn Belege?
Harte, handfeste Belege für Russland als Täter oder Auftraggeber des mutmaßlichen Attentatsversuchs mit der Leipziger Drohne liefert die Bundesregierung nicht, sondern zählt nur Untaten auf, die Russland begangen haben soll oder tatsächlich begangen hat, aus welchem Anlass auch immer. Trotzdem hat sich Kanzler Merz eindeutig festgelegt: Russland war’s. Belege? Wieso denn Belege? Die Russland zugesprochene Schurkenrolle reicht für die Schuldzuweisung aus. Elegante Wendungen dafür hat die FAZ der Bundesregierung schon nahegelegt: Unabhängig davon, ob nun für diesen Fall klare Beweise vorgelegt werden könnten, sei längst klar, wer in Europa seit viereinhalb Jahren einen umfänglichen Angriffskrieg gegen sein Nachbarland führe – und auch die Unterstützer des Aggressionsopfers als Feinde betrachte und behandele. Es sei das von Wladimir Putin diktatorisch regierte Russland.
FAZ: Verunsicherung ist das Ziel, nicht nur das Mittel
„Es ist auch klar“, so die FAZ weiter, „dass Russland Operationen unter anderem gegen Deutschland führt. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass man bei vielen Vorfällen den Urheber nicht dingfest machen kann. Es ist gerade das Wesen der sogenannten hybriden Kriegsführung, der Moskau sich ausdrücklich verschrieben hat, dass einzelne Operationen so durchgeführt werden, dass Zweifel bleiben, wer es war und vielleicht sogar, ob da überhaupt etwas war. Verunsicherung ist das Ziel, nicht nur das Mittel.“ Freilich merkt das Blatt dann doch, dass es sich vergaloppiert hat, und räumt ein: „Naturgemäß lässt sich nicht ausschließen, dass sich unter den Vorfällen, die in das einschlägige Muster passen, auch solche sind, hinter denen mal nicht Russland steht.“ (FAZ vom 31. August, Seite 1).
Vieles deutet auf eine False-Flag-Inszenierung hin
Ja, ausschließen lässt sich das in der Tat nicht. Könnte diese Drohnenbegebenheit nicht eine False-Flag-Aktion gewesen sein? Ist ja nicht abwegig, kommt doch vor. Dieser Eindruck drängt sich zwar nicht der FAZ, aber dem Online-Info-Dienst GlobalBridge auf.*) Dort schreibt Autor Manfred Boehmi am 2. September, wer das offizielle Narrativ hinterfrage, stoße schnell auf massive Ungereimtheiten. Die entscheidende Frage laute: „Wer hat ein echtes Interesse an diesem Vorfall? Es sind jene Akteure, die Russland weiter diskreditieren und das Feindbild im Westen maximal ausmalen wollen.“ Es deute vieles auf eine gezielte Inszenierung („False Flag“) hin, um das Image Russlands im öffentlichen Bewusstsein weiter zu beschädigen: „Die Taktik der ständigen Wiederholung ist ein bekanntes Instrument der kognitiven Kriegsführung. Sie dient dazu, Zweifel im Keim zu ersticken und jeden als Abweichler zu brandmarken, der die Positionen der herrschenden Politik und der etablierten Medienlandschaft nicht unkritisch übernimmt.“.
Eine These des russischen Militärexperten Rustem Klupow
Ebenfalls auf GlobalBridge weist Autorin Sabiene Jahn auf den russischen Militärexperten Rustem Klupow hin. Dieser lege für die Leipziger Drohne eine logische Gegenhypothese vor. Der Anschlagsversuch könne Kiew genutzt haben, um Deutschland stärker in den Krieg hineinzuziehen und erneut Druck in der Taurus-Frage aufzubauen. Die technische Unzulänglichkeit des Vorgangs mache ihn skeptisch. Ein russischer Dienst, der eine der wertvollen ukrainischen Antonow-Transportmaschinen tatsächlich vernichten wolle, hätte aus seiner Sicht wirkungsvollere Möglichkeiten und wenig Interesse daran, mit einem dilettantisch wirkenden Anschlagsversuch auf deutschem Boden die deutsche Öffentlichkeit gegen Russland zu einen. Seine Kernfrage lautet daher: Wem nützte diese Form des Scheiterns?
Naheliegend für Autorin Jahn ist auch die Feststellung, „dass ein russischer Anschlag auf einen ukrainischen Militärtransport in Deutschland jene Argumentation stärkt, die seit Jahren größere deutsche Reichweite fordert, Russland habe den Konflikt längst auf deutsches Territorium getragen, also müsse Deutschland seine Zurückhaltung aufgeben“. Das sei der politische Nutzen eines solchen Vorgangs – unabhängig davon, wer ihn verursacht hat. Der Jahn-Artikel ist ziemlich lang, enthält aber noch viele sonstige Informationen und Überlegungen, die ihn zusätzlich lesenswert machen.
Eine Drohne, die abstürzt, wo sie abstürzen soll?
Ich selbst frage mich: Wie überhaupt ist die Drohne dahingekommen, wo man sie fand? Lag sie da bei den vier ukrainischen Antonow-Fliegern einfach so herum? Ist sie senkrecht vom Himmel gefallen? Ohne dabei bemerkt worden zu sein? Mit einer Sprengladung, die nicht explodieren wollte oder sollte, obwohl ihr Zünder „aktiviert“ gewesen sein soll? Berichte, die man zu lesen bekam, ließen sich über solche und ähnliche Detailhuberei nicht aus. Russlands Außenminister Sergej Lawrow nannte sie eine „abgestürzte“ Drohne. Und die ist – was für ein Zufall – direkt neben diesen Antonow-Frachtmaschinen abgestürzt? Anders als Regierung und Systemmedien reagiert die AfD: Sie stellt nicht Russland als Aggressor ins Zentrum ihrer Kritik, sondern die Ukraine und ihre westlichen Unterstützer. Sie will die Waffenhilfe für Kiew beenden und Sanktionen gegen Russland zurückfahren.
Maßvolle Reaktion aus Russland
Wer im Botschaftskurier der russischen Botschaft in Berlin die regelmäßigen „Newsletter“ liest, sieht, wie maßvoll sich Russland zu dem Vorfall geäußert hat. Dessen jüngste Ausgabe vom 4. September zitiert Lawrow so: „In Deutschland, am Flughafen Leipzig, wurde eine abgestürzte Drohne gefunden. Man kam zu dem Schluss, dass diese Drohne den von der Russischen Föderation eingesetzten Drohnen ähnlich ist, wobei eine Bestätigung dafür, dass dies eine eindeutige Schlussfolgerung ist, bislang aussteht. Auf der Grundlage dieser Annahme, Vermutung oder, wenn man so will, Mutmaßung fassten die deutschen Behörden den offiziellen Beschluss, das letzte in Deutschland verbliebene russische Generalkonsulat in Bonn sowie das Russische Haus in Berlin zu schließen – das russische Kulturzentrum, das lange Zeit ein Symbol unserer Beziehungen zum Nachkriegsdeutschland war. Die deutschen Behörden beschlossen, diese Einrichtungen zu schließen und ihre Mitarbeiter auszuweisen. Wenn man Beziehungen erhalten und Einfluss ausüben will – und das wollen sie –, muss man berücksichtigen, dass die Standorte des Goethe-Instituts in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk selbstverständlich geschlossen werden, nachdem unser Kulturzentrum vertrieben worden ist. Andernfalls würden wir die Selbstachtung verlieren. Sie konnten nicht umhin, dies zu verstehen, und gingen daher bewusst einen Schritt, der eindeutig das Ende ihrer kulturellen Präsenz in der Russischen Föderation bedeutet – einer Präsenz, die trotz des Ukraine-Konflikts erhalten geblieben war.“
Botschafter Netschajew: Deshalb löst diese Situation bei uns zumindest Verblüffung aus
Im selben Newsletter nimmt, ebenfalls ohne schrille Töne, auch der russische Botschafter in Deutschland Sergej Netschajew Stellung und kommentiert den Vorfall mit diesen Worten: „Man wirft uns de facto vor, einen Terroranschlag verübt oder zumindest versucht zu haben, einen solchen zu verüben. Für derart schwerwiegende Vorwürfe braucht es Belege, Sachbeweise, Einschätzungen von Fachleuten und eine solide Argumentation. Doch all das fehlt. Deshalb löst diese Situation bei uns zumindest Verblüffung aus.
Wozu sollten wir das brauchen? Wir pflegen gute Beziehungen zu Sachsen und zu Leipzig, dort gibt es zahlreiche Orte mit Russlandbezug. Sollten wir ausgerechnet in den ostdeutschen Bundesländern, kurz vor den Landtagswahlen, antirussische Stimmungen schüren wollen? Das kann kaum jemand ernsthaft glauben.
Sollten irgendwelche Daten vorliegen, dann sollte ein Treffen von Fachleuten und Experten organisiert werden, auch unter Einbeziehung der russischen Seite. Die entsprechenden Kontakte bestehen. Sie werden überzeugend und anschaulich darlegen, dass das mit der Tätigkeit der Geheimdienste überhaupt nichts zu tun hat. Doch nichts dergleichen geschieht. Es ist offenbar einfacher, Russland für schuldig zu erklären.
Ein solches Vorgehen löst bei uns nicht nur Empörung, sondern auch tiefe Enttäuschung aus – zumal es von Deutschland ausgeht.
Wir haben Deutschland überhaupt nichts angetan. Vor diesem Hintergrund lösen die unfreundlichen Schritte, mit denen wir am 1. September konfrontiert wurden – die Schließung unseres letzten verbliebenen Generalkonsulats in Bonn sowie des größten Zentrums russischer Kultur, des Russischen Hauses in der Friedrichstraße in Berlin – bei uns uneingeschränkte Empörung aus. Ein solches Vorgehen haben wir nicht verdient.
Auch die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands verlieren damit den Zugang zu russischer Kultur und zu notwendigen konsularischen Dienstleistungen. Betroffen ist ebenso die russische Diaspora: Gerade in den westdeutschen Bundesländern des Bonner Konsularbezirks lebt die größte Zahl unserer Landsleute, die auf konsularische Dienstleistungen angewiesen sind.
Das ist bedauerlich. Und so etwas wird gewiss nicht schnell vergessen.“
Deutsche Medien haben diese russischen Reaktionen nach meiner Wahrnehmung nicht wiedergegeben. Die russische Botschaft zitiert als Ausschnitt auch Putin selbst: „Was das Vorgehen der deutschen Behörden betrifft, so ist es in erster Linie auf innenpolitische Entwicklungen zurückzuführen. Unternehmen werden geschlossen, Arbeitsplätze fallen weg. Es ist nicht nachzuvollziehen, welchem Zweck all das dient. Erklären lässt sich das offenbar nur mit der angeblichen Entgegenwirkung dem aggressiven Russland.“
Mit dem Brandmarken von Russland will Merz von den fatalen Folgen der eigenen Politik ablenken
Für Merz ist die alleinige Schuldzuweisung an Russland wegen dessen „Spezialoperation“ gegen die Ukraine, auf die er sich und seine Regierung auch in Sachen Leipziger Drohne eindeutig festgelegt hat, bequem. Mit ihr will er sich retten. Deshalb schiebt er die katastrophalen Folgen einer seit 2015 irrationalen deutschen Politik in zu vielen Bereichen auf den Ukraine-Krieg ab, den Deutschland mit Hunderten Milliarden Euro und Dienstleistungen zu finanzieren hilft und davon nicht ablässt, obwohl es dieses Geld dringend selbst benötigt und mit ihm den Krieg zu verlängern hilft. Mehr noch als die anderen westlichen Staaten der Anti-Russland-Allianz hat sich Deutschland samt Ergebenheitsadressen an die Selenskyjs und Trumps dieser Welt immer weiter in den Krieg hineinziehen lassen. Damit ist es de facto Kriegspartei geworden und hat seine Bürger der Gefahr russischer Vergeltungsschläge ausgesetzt, mit denen sich Russland bisher allerdings klug zurückgehalten hat.
Deutsch-ukrainisches Abkommen über die gemeinsame Entwicklung von Drohnen, Raketen und Software
Zudem macht der Jahn-Bericht in GlobalBridge noch auf ein umfassendes deutsch-ukrainisches Abkommen über die gemeinsame Entwicklung von Drohnen, Raketen und Software aufmerksam, das kurz vor dem Abschluss stehe. Deutschland finanziere bereits 50.000 ukrainische Shrike-Angriffsdrohnen und 15.000 Strila-Abfangdrohnen. Deutsche und ukrainische Unternehmen bauten gemeinsame Produktionsstrukturen auf. Damit verändere sich die Rolle der Bundesrepublik. Deutschland liefere nicht mehr nur aus vorhandenen Depots: „Es finanziert Produktion, entwickelt gemeinsam, baut industrielle Kapazitäten auf und wird Bestandteil einer langfristigen ukrainischen Rüstungsarchitektur. Leipzig/Halle ist in diesem Zusammenhang kein beliebiger deutscher Flughafen. Der Standort ist für ukrainische Schwertransporte und militärische Logistik relevant.“
In München Serienproduktion von 5.000 Kampfdrohnen für die Ukraine angelaufen
Der Tagesspiegel berichtete anhand der dpa-Meldung vom 3. September unter dem Stichwort „Deep Strikes“, in München sei die Serienproduktion von 5.000 modernen Kampfdrohnen für die Ukraine angelaufen. Es handele sich um Drohnen mittlerer und langer Reichweite (bis 1.500 Kilometer), die von einem Rüstungsunternehmen der USA und der Ukraine gemeinsam gebaut würden. Ein weiterer Produktionsstandort sei in Ostdeutschland geplant; Folgeaufträge würden erwartet. Die Berliner Zeitung meldete am 2. September, Selenskyj habe in- und ausländische Fluggesellschaften implizit gewarnt, dass der Luftraum über Russland in Zukunft ukrainischen Drohnen, nicht Passagiermaschinen, „vorbehalten“ sei. Moskau habe dies – völkerrechtlich durchaus nachvollziehbar – als „Ankündigung von Staatsterrorismus“ gegen zivile Flugzeuge gewertet.
Kommentarfund vom 4. September aus dem Netz: „Wenn also demnächst mit Billigung (oder sogar auf Initiative) der Bundesregierung in Deutschland produzierte, mit Sprengstoff beladene ukrainische Kampfdrohnen massenweise den russischen Luftraum fluten und dort möglicherweise zivile Flugzeuge treffen, dann wäre die BRD nicht mehr einfach nur de facto Kriegspartei, sondern – wie schon beim Gaza-Völkermord, wofür sie bereits am Internationalen Gerichtshof mit auf der Anklagebank sitzt – aktive materielle Unterstützerin staatsterroristischer Akte. Was glauben eigentlich die Verantwortlichen in Berlin, was die Folgen für Deutschland in einem solchen Szenario wären?“
Einst Peter Struck, heute Friedrich Merz
Als Peter Struck (SPD) Bundesverteidigungsminister war, hat er vielseitigen Spott auf sich gezogen, als er 2002 den militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York begründen und die veränderte internationale Sicherheitslage mit dem Satz erklären wollte: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt.“ Merz (samt seinen westlichen Mittätern) gibt heute vor, die deutsche Sicherheit (und damit auch die deutsche Freiheit) in der Ukraine verteidigen zu müssen. In Wirklichkeit tut er das Gegenteil und reitet Deutschland geradezu in einen Krieg mit Russland hinein, den Russland selbst gar nicht will und die deutschen Bürger doch wohl ebenfalls nicht.
Schüsse ins eigene Knie
Die immer mehr werdenden Sanktionen gegen Russland und die offen zur Schau gestellte Feindseligkeit gegenüber Russland und Putin sind ebenfalls Schüsse ins eigene Knie. Denn was Russland schaden soll, schadet auch den Sanktionierern selbst, ganz besonders Deutschland, das sich auch noch auf vielerlei andere Weise zugrunde richtet (Hauptstichworte: Klimaschutz- und Energiewendepolitik, Migration, zu wenig eigene Kinder).
Übliches politisches Handwerk
Auf einen Krieg zuzusteuern und ihn auszulösen, um vom eigenen Versagen abzulenken (oder mit Eroberungen die eigene Macht auszuweiten), geschieht in der Geschichte ohnehin nicht zum ersten Mal. Es ist übliches politisches Handwerk. Die staatsführenden Ablenker entledigen sich dann auch gleich der jüngeren Altersgruppen, von denen sie am ehesten politischen Widerstand zu befürchten haben, stecken sie in die Uniform und ins kämpfen müssende Heer, wo sie dem Widerstand so gut wie entzogen sind. So lässt sich der Widerstand der eigenen Bürger gegen miserable Politik zumindest minimieren.
Deutschland als williger Vollstrecker einer Machtstrategie, die ihm und seinen Bürgern massiv schadet
Das immer schärfere Vorgehen der Nato-Staaten gegen Russland seit dessen „Spezialoperation“ gegen die Ukraine gleicht ganz der angelsächsischen Tradition, Kriege vom Zaun zu brechen, indem sie den Adressaten ihrer Machtwünsche eskalierend so lange reizen und in eine letztlich existenzielle Krise und Ausweglosigkeit treiben, bis sich dieser mit einem Präventivschlag daraus zu befreien sucht. Den Krieg formalrechtlich begonnen hat damit das Opfer, und wenn es ihn verliert, wird es im folgenden Friedensdiktat mit allen Kosten geknechtet – und mit Gebietsverlusten bestraft, wenn (auch) diese das Ziel der Aggression waren. Der USA-Hegemonie mit Satellitenstaaten wie Großbritannien und Frankreich geht es schon lange und immer wieder darum, eine enge wirtschaftliche und politische Verbindung zwischen Deutschland und Russland mit allen Mitteln zu verhindern, denn beide Länder fühlen sich mit ihren je eigenen Interessen zueinander hingezogen. Aber ausgerechnet Deutschland selbst macht sich zum willigen Vollstrecker dieser politischen Machtstrategie, die ihm und seinen Bürgern massiv schadet.
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*) Dr. Christian Müller (Jahrgang 1944) ist in der Schweiz geboren. Er „studierte an der Universität Zürich Allgemeine Geschichte und Staatsrecht und promovierte zum Dr. phil. mit einer Dissertation zu einem sozialhistorischen Thema der Zeit 1890 bis 1914. Er wählte aber anschließend keine akademische Laufbahn, sondern die eines Journalisten und Redakteurs auf allen Stufen der professionellen Hierarchie bis einschließlich der Position eines Chefredakteurs einer (damals) großen Schweizer Tageszeitung. Als Journalist bereiste er mehr als 50 Länder – von New Zealand im Südosten bis Alaska im Nordwesten – mit jeweils besonderem Blick auf die kulturellen Eigenarten der besuchten Länder und auf deren soziale Verhältnisse. 1989 wechselte Christian Müller von der Redaktion ins Medien-Management, war etliche Jahre CEO des größten Medienunternehmens in Prag und machte sich anschließend als Medien-Consultant selbständig. Seit 2009 ist er wieder ausschließlich als unabhängiger Journalist im Einsatz, mit besonderem Blick auf die West-Ost-Spannungen und auf andere geopolitische Themen.“.
Quellen:
Der Leipziger Drohnenvorfall - Wer profitiert von der Eskalation? - GlobalBridge
Die Drohne war nur der Zünder - GlobalBridge
https://military.pravda.ru/news/2398491-leipzig-airport-drone-provocation-analysis/
Newsletter der Russischen Botschaft in Berlin
„Deep Strikes“: Deutsche Serienproduktion von 5000 Drohnen für Kiew geht los
„Faktische Schließung des russischen Luftraums“: Selenskyj warnt zivile Luftfahrt - Putin reagiert
Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors.
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