21. September 2026 16:00

Neue Angstkampagne Warum die Herrschenden vor der KI zittern

Nicht weil sie uns auslöschen könnte – sondern weil sie uns ihnen ebenbürtig macht

von Robert Grözinger drucken

Machtkampf: KI hilft Bürgern in der Konfrontation mit Staat und Konzernen
Bildquelle: e-Redaktion Machtkampf: KI hilft Bürgern in der Konfrontation mit Staat und Konzernen

Seit dem Abebben des Coronawahnsinns diskutieren aufgewachte Menschen darüber, welche nächste Sau die herrschende Klasse durch das globale Dorf zu jagen gedenkt. Manche spekulierten sogar, es werde eine Invasion von UFOs und Außerirdischen sein. Ganz so extrem kam es dann doch nicht. Stattdessen droht nun angeblich die Gefahr einer sich verselbstständigenden künstlichen Intelligenz (KI), die uns Menschen evolutionär beiseiteschieben – also ausrotten – könnte. Medien, die sich in den Händen der Globalisten befinden, spielen dabei ihre gewohnte Rolle, wie zum Beispiel diese Woche die Relotiuspresse. Auch in England spielt sich derzeit dasselbe Spiel ab. Dort übernimmt die BBC die Rolle des Angstventilierers.

Manche Libertäre vermuten dahinter einen alten Trick. Wer unabhängig von der Branche im wirtschaftlichen Wettbewerb gegenwärtig oben steht, hat einen Anreiz, sich vor der Konkurrenz zu schützen. Unlautere, also wettbewerbswidrige Methoden sind dabei ebenso beliebt wie die Einbeziehung des Staates als „großer Bruder“, der die Wettbewerber mit Regulierungen und Steuern klein hält. Da die lautesten Warner derzeit die großen KI-Produzenten sind, liegt die Vermutung nahe, dass genau dieser Anreiz nun eine Rolle spielt.

Es gibt aber noch eine andere, zusätzliche Möglichkeit: dass die KI es einzelnen Menschen ermöglicht, sich gegen staatliche Zumutungen zu wehren. Da Staat und Großkonzerne in vielfacher Hinsicht, insbesondere finanziell und personell, engstens miteinander verbunden sind, haben beide ein unmittelbares Interesse daran, die KI streng zu regulieren. Diesen Gedanken hat nun die britische Libertarian Alliance in einem Artikel diskutiert.

Die aktuelle Angstmache um die KI, so die Autorin Marian Halcombe, ist ein weiterer Versuch der herrschenden Klasse, die Staatsmacht auszuweiten. Aber – und hier bringt sie einen neuen, libertär gefärbten Gedanken ein – in dieser Kampagne ist auch eine Projektion der speziellen Ängste der herrschenden Klasse vor der KI zu erkennen. Genauer gesagt: eine Angst davor, dass die KI ein Machtgleichgewicht zwischen ihr und den gewöhnlichen Menschen herstellen könnte.

In einem gestern veröffentlichten Artikel unter dem Titel „Why Charles Mountbatten-Windsor Is Frightened of Artificial Intelligence“ räumt die Autorin zwar ein, dass existenzielle Risiken durch fortgeschrittene KI möglich sind und nicht außer Acht gelassen werden sollten. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Menschheit schon seit Langem mit Technologien lebt, die eine weitaus unmittelbarere Zerstörungskraft besitzen, nämlich nukleare und biologische Waffen. Die Regierungen seien nie zu dem Schluss gekommen, dass sie diese nicht besitzen sollten; sie hätten sich lediglich darum gesorgt, dass sie nicht in „falsche Hände“ gelangen, also in die Hände anderer als ihrer selbst. Nuklearwaffen hätten die staatliche Macht und Geheimhaltung gestärkt; bei der KI sei dies anders.

„In die falschen Hände geraten“ ist die Formel, mit der uns vor der KI Angst gemacht wird. Der englische König, so berichtet uns Halcombe, hat vor Kurzem zu einem Treffen führender Vertreter der Tech-Branche (Nvidia, OpenAI, Anthropic, Demis Hassabis von Google DeepMind) geladen, an dem auch der britische KI-Minister teilnahm, um über „gemeinsame Grundsätze“ für die Regulierung der KI zu diskutieren. In seiner Rede warnte der König davor, dass KI „düstere Fähigkeiten“ entwickeln könnte, darunter die Fähigkeit, „Leben zu nehmen“, und betonte die Notwendigkeit von Kontrollmaßnahmen, bevor sie in die „falschen Hände“ gerate.

An diesem Punkt setzt Halcombe mit ihrer Idee an: Das politisch entscheidende Merkmal der KI liege nicht darin, dass sie uns vielleicht töten könnte, sondern darin, dass gewöhnliche Menschen sie nutzen können. Jahrhundertelang verfügte der Staat über einen enormen Informations- und Verfahrensvorteil. Bürger, die mit bürokratischen Entscheidungen – zum Beispiel in den Bereichen Raumordnung, Steuern oder Vorschriften – konfrontiert waren, sahen sich mit undurchdringlicher Komplexität, hohen Kosten oder einem enormen Aufwand konfrontiert. Angesichts dieser Hürden geben die meisten, die sich wehren wollen, ziemlich schnell auf.

Mit der KI ändere sich dies, so Halcombe. Die neue Technologie könne Vorschriften analysieren, Unstimmigkeiten aufdecken, fundierte Antworten entwerfen und als kostengünstiger, unermüdlicher „Anwaltsassistent“ fungieren. Dies führe zu einer „agentic flooding“ – einer Welle gut recherchierter Beschwerden und Einsprüche, die öffentliche Stellen überlasten, wenn nicht gar überfordern. Was Bürokraten als Flut bezeichnen, sieht aus Sicht der Bürger so aus, als würden die Menschen endlich Rechte ausüben, von denen das System nie erwartet habe, dass sie in großem Umfang genutzt würden, findet die Autorin.

Halcombe versteht die offizielle Rhetorik von „Sicherheit“, Kinderschutz, Terrorismus, Extremismus, Desinformation und „umsichtiger Verantwortung“ als den altbekannten Auftakt zu noch mehr staatlicher Kontrolle. Sobald das Prinzip der Regulierung für unumstrittene Gefahren akzeptiert ist, wird sich der Anwendungsbereich ausweiten. Die eigentliche Bedrohung für die herrschende Klasse ist die Aushöhlung ihres Monopols auf institutionelles Wissen und die Beherrschung von Verfahren.

An dieser Idee ist viel dran. Selbst Politiker, die aufgrund radikaler Reformvorschläge in die Regierung gewählt werden, scheitern an einem Dickicht aus Gesetzen, Regulierungen und internationalen Abkommen. Die Ministerialbürokratie und die Lobby wissen dieses Dickicht zu nutzen. Es ist ihr Schutzschild und zugleich ihr Lebenselixier. Zudem lässt sich die „public-private partnership“, also der Korporatismus, zur Tarnung gern Kapitalismus nennen, um immer wieder neue Regulierungsinitiativen zu provozieren.

Die KI ermöglicht es den Opfern des Korporatismus, sich wirksam gegen dessen Zumutungen zu wehren. Davor fürchtet sich die herrschende Klasse. Sie sieht darin eine Gefahr für ihre Existenzgrundlage und ihr großes Weltregierungsprojekt. Sie hofft, dass wir nach ihrer Angstkampagne um Regulierungen betteln, die die KI für sie unschädlich machen. Die Erfahrungen, die sie während der Coronazeit sammeln konnte, dürften sie dabei ermutigen. Wieder wird es auf die Aufgewachten unter uns ankommen: Sie entscheiden, wie weit die herrschende Klasse mit ihren Plänen kommt.

Quellen:

Why Charles Mountbatten-Windsor Is Frightened of Artificial Intelligence - The Libertarian Alliance


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