13. Januar 2026 11:00

Unwort des Jahres Top Spin … Zitat der Woche

„Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden.“

von David Andres drucken

Ein abstraktes Bild mit Symbolen für Staatsverschuldung und euphemistische Sprache, wie verschleierte Dokumente und Geldscheine, in einem politischen Umfeld, unter düsterer aber nachdenklicher Stimmung, 16:9, Querformat, ohne Text/Schrift/Logos.
Bildquelle: Redaktion Ein abstraktes Bild mit Symbolen für Staatsverschuldung und euphemistische Sprache, wie verschleierte Dokumente und Geldscheine, in einem politischen Umfeld, unter düsterer aber nachdenklicher Stimmung, 16:9, Querformat, ohne Text/Schrift/Logos.

Top Spin … Zitat der Woche

„Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden.“

… sagt die Jury zum „Unwort des Jahres“

Die schönfärbende, neue Bezeichnung von Schulden ist zum „Unwort des Jahres“ auserkoren worden.

Üblicherweise qualifizieren sich als Kandidaten für das „Unwort des Jahres“ Formulierungen, „die aus Sicht der Jury gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind.“ So zitiert die „Welt“ die Kriterien dieser gedanklichen Institution. Zwar „kreiert“ die Jury die Worte nicht, sondern wähle sie aus einer Liste aller Vorschläge und sei somit „auf der Mitwirkung der Bürger:innen“ (sic!) angewiesen, doch wir haben alle erlebt, was unterm Strich dabei herauskommt: Zumeist bildet das „Unwort des Jahres“ nur ein weiteres Instrument, um die Menschen entlang der politisch korrekten Vorstellungen der Regierenden und ihrer angeschlossenen Gesinnungsgesellschaften zu erziehen.

In diesem Jahr hat allerdings ein Wort gewonnen, bei dem man sagen darf: Durch seine Wahl zum „Unwort des Jahres“ wird nicht das Volk zu einem angemessenen Umgang mit Sprache ermahnt, sondern die Politik, die Herrschenden. Es ist das „Sondervermögen“. Die Jury schreibt: „Der Ausdruck Sondervermögen ist seit einigen Jahren im gesellschaftlichen Diskurs präsent. Im Jahr 2025 wurde er im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet und prägte sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme.“ Mit diesem Begriff die Aufnahme riesiger Schulden zu bezeichnen, sei „irreführend“ und „euphemistisch“. Die Jury sieht die Herkunft des Wortes in der Bürokratensprache, aber „der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden.“

Wenn man sich anschaut, welche Worte in den vergangenen Jahren des Wettbewerbs gewonnen haben, ist diese Entscheidung wirklich außergewöhnlich. Wer als Jury im Jahr 2023 „Remigration“ zum Unwort des Jahres wählt, möchte damit die Debatten um Maßnahmen gegen eine offensichtlich mehr als problematisch gewordene, illegale Masseneinwanderung ersticken. Wer im Jahr 2022 „Klimaterroristen“ wählt, wendet sich damit an alle, die zuvor den ständigen, illegalen Eingriff von Freitagskindern oder Vertretern der „Letzten Generation“ harsch kritisiert haben, die mittlerweile fast von der Bildfläche verschwunden sind und im Geiste ersetzt wurden durch Akteure, die nicht „nur“ für ein paar Stunden Autobahnen oder Flughäfen lahmlegen, sondern gleich für Tage ganze Stadtteile. Da die Jury im Jahr 2019 auch schon die „Klimahysterie“ zum Unwort des Jahres wählte und somit klar ausdrückte, dass die Panikmache um das Klima eben mitnichten eine solche sei, kann man sich denken, auf welcher Seite diese Leute bei dem Thema stehen. Als 2020 neben den „Rückführungspatenschaften“ zugleich auf Platz 1 die „Corona-Diktatur“ als Unwort des Jahres gewann, sagte die Jury damit: Nicht die neuen autoritären Anmaßungen des Staates sind das Problem, sondern jene, die sich gegen sie wenden und als ebensolche bezeichnen. Und als 2014 „Lügenpresse“ auserkoren wurde, hieß das: Nicht die manipulative Handlungsweise eines durch Weglassen, Umdeuten und Moralisieren euch alle erziehen wollenden Journalismus ist das Problem, sondern jene, die ihn dafür beschimpfen.

Mit dem „Sondervermögen“ als Unwort des Jahres haut die Jury nun allerdings ganz klar der Politik auf die Finger. Allerdings, schlägt man nach, hat sie das im Jahr 2010 mit dem Wort „alternativlos“ als Sieger auch schon einmal getan. Vielleicht muss aus Sicht der Jury und der „Bürger:innen“, die diese Aktion gern mitmachen, der Regierungschef von der CDU sein, damit die Wahl hier und da von unten nach oben tritt.

Quellen:

„Sondervermögen“ ist „Unwort des Jahres 2025“ - Jury beklagt „irreführende euphemistische Bedeutung“ - WELT

Unwort des Jahres

„Sondervermögen“ ist „Unwort des Jahres 2025“ - Jury beklagt „irreführende euphemistische Bedeutung“ - WELT

Unwort des Jahres


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