19. Mai 2026 20:00

Trump drängt auf Abkommen „Für den Iran tickt die Uhr“

Wie der Nahostkonflikt den Weltmarkt beeinflusst

von Lydia Flaß drucken

Iran-Konflikt: Geopolitische Spannungen im Nahen Osten
Bildquelle: Redaktion Iran-Konflikt: Geopolitische Spannungen im Nahen Osten

Donald Trump erhöht den Druck auf den Iran und stellt eine Wiederaufnahme des Kriegs in Aussicht, falls Teheran keinen besseren Vorschlag für ein Abkommen vorlegt. Gleichzeitig laufen in Washington militärische Vorbereitungen, während Israel offenbar auf eine Entscheidung der USA wartet und die Lage am Persischen Golf mit Drohnenangriffen und der Unsicherheit um die Straße von Hormus weiter eskaliert.

Das Muster ist alt und zuverlässig unerquicklich: Erst wird mit Bombenhandlung gesprochen, dann mit Verhandlungen gedroht, als handle es sich um eine Preisverhandlung am Basar. Am Ende zahlen nicht die Strategen den Preis, sondern ganz gewöhnliche Menschen und Unternehmen, die mit teureren Energie- und Transportkosten leben müssen. Die Straße von Hormus ist eben keine Bühne für große Geste, sondern ein Engpass des Welthandels. Wer dort militärisch pokert, spielt mit den Lieferketten von Millionen.

Dass Trump zugleich „ein Abkommen“ will und „harte Schläge“ ankündigt, ist kein diplomatischer Masterplan, sondern Zwang mit freundlich lackierter Oberfläche. Verhandlungen unter der Drohung erneuter Angriffe sind keine freie Übereinkunft, sondern Erpressung mit Zeitplan. Der Staat nennt das Realpolitik. Die Rechnung kommt später, meist in Form von zerstörtem Kapital, riskanteren Routen, Versicherungsprämien und einem Ölpreis, der sich wieder an der geopolitischen Nervosität aufbläst.

Auch die westliche Reflexreaktion ist vertraut: Sicherheitszirkel, Lagezentren, Ministertreffen, Alarmrhetorik. Das erzeugt beschäftigt wirkende Bürokratie und kaum Wertschöpfung. Während Politiker und Berater über „Optionen“ reden, verlagern Reedereien Risiken, Händler kalkulieren neue Zuschläge, und Verbraucher übernehmen die Zeche. Der Markt reagiert schneller als jeder Krisenstab, allerdings nicht mit Phrasen, sondern mit höheren Preisen. Das ist unromantisch, aber ehrlich.

Besonders absurd ist die Vorstellung, durch Eskalation bessere Verhandlungsergebnisse zu erzielen. Wer dem Gegenüber die Pistole auf den Tisch legt, darf sich über Misstrauen nicht wundern. Der iranische Drohreflex ist ebenso vorhersehbar wie der amerikanische. Zwei Machtapparate, die sich gegenseitig als Gegner brauchen, liefern einander die Legitimation, die sie für ihre nächsten Schritte benötigen. Klassischer Behörden- und Militärselbstzweck, nur mit Raketen statt Formularen.

Die Leidtragenden sitzen weit entfernt von den Kommandozentralen. Unternehmen, Verbraucher und Schiffsbetreiber tragen die Kosten, während politische Akteure mit Stärke posieren. Das ist der Kern solcher Konflikte: politische Gewinne für Machteliten, sozialisierte Schäden für den Rest. Und wenn dann noch von Weltwirtschaftsbedrohung die Rede ist, klingt das beinahe wie eine späte Entdeckung des Offensichtlichen. Krieg zerstört eben nicht nur Städte. Er zerstört vor allem Ordnung, Vertrauen und Preise.


Sie schätzen diesen Artikel? Die Freiheitsfunken sollen auch in Zukunft frei zugänglich erscheinen und immer heller und breiter sprühen. Die Sichtbarkeit ohne Bezahlschranken ist uns wichtig. Deshalb sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Freiheit gibt es nicht geschenkt. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit.

PayPal Überweisung Bitcoin und Monero


Kennen Sie schon unseren Newsletter? Hier geht es zur Anmeldung.

Artikel bewerten

Artikel teilen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv nur registrierten Benutzern zur Verfügung.

Wenn Sie bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, können Sie sich mit dem Registrierungsformular ein kostenloses Konto erstellen.