Unternehmertum: Unternehmen im Selbstzerstörungsmodus
Die Posse um „Die Familienunternehmer“
von Thomas Jahn drucken
Vor einigen Tagen verkündeten „Welt“ und „Junge Freiheit“ eine angebliche Erschütterung der Brandmauer zur AfD. Wer zunächst an eine Sensation, vielleicht sogar an Koalitionsgespräche zwischen Union und der Alternative für Deutschland dachte, wurde sicherlich enttäuscht, denn tatsächlich ging es zunächst lediglich um einen eigentlich belanglosen parlamentarischen Abend des mittelständischen Verbands „Die Familienunternehmer“ in Berlin. Bei dieser Veranstaltung, wie sie andere Verbände in ähnlicher Weise als typische Lobbyarbeit nahezu täglich in der deutschen Hauptstadt abhalten, wurden vor rund einem Monat tatsächlich erstmalig auch Politiker der AfD eingeladen. Diese „Story“, deren „Brisanz“ in anderen Ländern noch nach dem sprichwörtlichen Sack Reis, der gerade in China umfiel, rangiert hätte, wurde von der haltungsaffinen Hauptstadtpresse aber nach Bekanntwerden sofort zu einem Politskandal aufgeblasen, denn als das Gabor Steingarts stromlinienförmiges Medium „The Pioneer“ die Familienunternehmer mit besagtem Abend in der Berliner Niederlassung der Deutschen Bank unweit des Brandenburger Tores konfrontierte, gab deren Hauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen zu Protokoll, dass sich sein Verband nun von der Brandmauer zur AfD verabschiede, weil sie nichts gebracht habe. Pflichtschuldig vergaß er natürlich nicht, sich von der AfD zu distanzieren, deren „Programm eine schiere Katastrophe“ sei. Der verdutzte, steuerzahlende Wähler mag sich gefragt haben, was die in Berlin versammelten Lobbyverbände eigentlich bislang geritten hat, die größte Oppositionspartei sogar von harmlosen Gesprächen auszuschließen und sich auf das infantile Niveau der Grünen Jugend oder der SPD-Bundestagsfraktion zu begeben.
Doch wer meinte, in einem halbwegs zivilisierten Land, hätten „Die Familienunternehmer“ nun einfach nur den Pfad zur Normalität eingeschlagen und die Sache sei damit erledigt, musste sich eines Besseren belehren lassen. Aus einer Meldung, die in einem normalen, demokratischen Meinungsklima nicht einmal als laues Lüftchen durchgehen würde, entwickelte sich sofort ein Orkan, der über die Familienunternehmer hereinbrach wie das Jüngste Gericht. Als Erstes beteuerte die Deutsche Bank ungefragt, den Familienunternehmern künftig natürlich keine Räume mehr zur Verfügung stellen zu wollen. Die Drogeriekette Rossmann, die wie rund 6.500 familiengeführte deutsche Unternehmen, darunter sogar große Konzerne wie BMW oder Dr. Oetker, dem Verband der Familienunternehmer angehörte, kündigte medienwirksam ihre Mitgliedschaft. Es folgten Vorwerk und die Hamburger Brausefirma Fritz-Kola, die gegenüber der dpa Folgendes zum Besten gab: „Eine offene, demokratische Gesellschaft bildet für uns die Grundlage wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Mitgliedschaft im Verband beendet.“
Die nächsten Salven wurden ausgerechnet von den ultralinken Gewerkschaften abgefeuert, die sich seit Bestehen der Bundesrepublik noch nie um Abgrenzungen gegenüber Linksextremisten geschert hatten. Ausgerechnet Verdi-Chef Frank Werneke rief gleich sämtlich Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände zu einer klaren Positionierung gegen die AfD auf. Die Familienunternehmer unter ihrer Präsidentin Marie-Christine Ostermann drohten, „endgültig nach rechts abzudriften“, sagte Werneke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die Geschichte mahnt, wie wichtig eine klare Abgrenzung der Wirtschaft gegenüber Rechtsextremen ist.“ Er bemühte dabei sofort einen völlig abwegigen historischen Vergleich mit der Unterstützung der NSDAP durch Industrielle im Jahr 1933. Die weiteren peinlichen Zitate aus den Generalsekretariaten der Regierungsparteien, von Bündnis 90/Die Grünen oder einschlägigen Medien wie der „taz“ seien den geneigten Lesern hiermit gerne erspart.
Inzwischen hat Alice Weidel anlässlich der Generaldebatte zum Bundeshaushalt 2026 einen viel beachteten 12-Punkte-Plan vorgelegt. Allein sieben dieser Punkte befassen sich mit Fragen, die auch die wirtschaftliche Situation derjenigen Unternehmen schlagartig verbessern würden, die nun gratismutig und medienwirksam die Familienunternehmer verlassen haben. Punkt des AfD-Deutschlandplans betrifft die Senkung der Energiepreise durch Ausstieg aus der planwirtschaftlichen, inzwischen längst gescheiterten Energiewende. Ein Anliegen, das eigentlich jedes Unternehmen befürworten und gegenüber der Politik einfordern müsste, denn nicht einmal Herr Rossmann kann seine Filialen ohne Strom, Heizung und Sprit für Lkws betreiben. Punkt zwei zielt ebenfalls auf eine Senkung überflüssiger Belastungen, die deutsche Produkte und Dienstleistungen im internationalen Vergleich unnötig verteuern: die Abschaffung der CO2-Steuern und des sogenannten „Heizungsgesetzes“. Punkt drei dürfte das Verbandsmitglied BMW, aber selbstverständlich auch alle anderen deutschen Autobauer und deren große Anzahl immer noch in Deutschland ansässiger Zuliefererfirmen betreffen: die Abschaffung des EU-Verbrennerverbots und des Lieferkettengesetzes, das allen produzierenden Firmen in Deutschland schadet. Punkt vier betrifft die Rückkehr zur Marktwirtschaft und den massiven Abbau der Bürokratie. Die Punkte sieben und acht, mit denen eine echte Migrationswende eingeleitet werden soll, betreffen mittelbar auch jedes Unternehmen, denn die direkten, natürlich auch von den steuerzahlenden Unternehmen zu tragenden, reinen Netto-Migrationskosten für Unterbringung und direkte Sozialleistungen beliefen sich 2024 auf fast 50 Milliarden Euro und entsprachen damit dem Verteidigungsetat. Mit Punkt neun fordert die AfD eine massive Senkung der Staatsausgaben, um der Schuldenfalle zu entgehen. Auch dieser Punkt entspricht vollständig den ureigenen Interessen jedes Wirtschaftsunternehmens, denn die Staatsschulden von heute sind die Steuern von morgen. Schließlich erinnert Punkt elf des Deutschlandplans an das Versprechen früherer Bundesregierungen nach einer umfangreichen Staatsstrukturreform, also der Zusammenlegung von Bundesländern, der Abschaffung von Behörden und unnötigen Genehmigungsverfahren, um den Staat endlich wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Welches Unternehmen sollte davon nicht profitieren? Und auch der letzte Punkt mit der Forderung nach Abschaffung des absurden „Solidaritätszuschlags“ und einer echten Steuerreform nach den Modellen der früheren CDU-Experten Paul Kirchhoff, Gunnar Uldall, der berühmten, nie angepackten Bierdeckel-Reform von Friedrich Merz oder den Petersberger Beschlüssen der letzten Regierung Kohl entspricht einer Uraltforderung einer Vielzahl deutscher Wirtschaftsverbände. NIUS-Reporter Julian Böhm resümierte dazu: „Zwei Drittel des Deutschlandplans sind CDU-pur.“
Dies alles belegt, wie selbstschädigend die teils hysterisch zu nennenden Reaktionen vieler deutscher Unternehmen auf die harmlose Entscheidung der Familienunternehmer sind, die absurde Kontaktsperre gegen die AfD aufzuheben. Offenbar haben Vorwerk, Rossmann oder die Deutsche Bank nicht begriffen, dass Boykotte gegen Millionen Wähler und Sympathisanten der AfD das Geschäftsmodell jedes am Markt tätigen Unternehmens ruiniert. Sind viele Unternehmer in einer Angstpsychose vor Bestrafungen durch die noch herrschenden rot-grünen Funktionseliten gefangen oder ist es das Stockholmsyndrom, das uns hier begegnet?
Hoffen wir, dass es die letzten Zuckungen eines untergehenden repressiven Systems sind, das seit über 25 Jahren im Wege der Salamitaktik die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung betreibt und das einstige liberale Gesellschaftsmodell der Bundesrepublik zerstören will.
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